Schwul, lesbisch, transsexuell und überhaupt die Gender-Diskussion. Alles todernste Themen? Nein, jedenfalls dann nicht, wenn man der Katholischen Landjugendbewegung (KLJB) Storzingen und ihrem aktuellen Dreiakter „Wenn der Hahn kräht auf dem Mist...“ des Pfullendorfer Autors Erich Koch glaubt. Das 200-köpfige Publikum im ausverkauften Saal des Bürgerhauses jedenfalls hat sich am Ostersonntag sichtlich amüsiert.

Das Stück lebt von der Spielfreunde der jungen Akteure. Zwei richtige Ulk­nudeln stechen hervor, geben dem Stück zwei Sahnehäubchen. Die eine ist Vroni Schlupfloch (gespielt von Bianca Hermann), eine aufgedrehte junge Frau, die ihren Vater an Hand einer grünen Unterhose sucht. Die andere ist der schwule Didi Dattel, in dessen Rolle Marcel Haug zur Höchstform aufläuft.

Gleich zu Beginn hat Vroni zum Vergnügen der Zuschauer ihren hektisch-aufgeregten Soloauftritt. Doch bevor Didi Dattel die Bühne betritt, steht der Bauer Hans Trinkaus im Mittelpunkt des Geschehens. Der Bauer, dargestellt von Benjamin Haug, muss zunächst um sein Leben bangen. Denn er hat in der Nacht Haus und Hof verspielt. Seine Frau Beate Trinkaus (Bettina Mors) und die Magd Hanna Huscher (Rebecca Mors) greifen zur Mistgabel. Denn der Hof und auch Beate Trinkaus gehen nur an den neuen Hof- und Frauenbesitzer Karl Huber, gespielt von Valentin Löffler, über, wenn Bauer Trinkaus die nächsten drei Tage überlebt.

Jetzt wird es für den Bauern (Benjamin Haug) gefährlich. Die Magd (Rebecca Mors) hat erfahren, dass der Bauer Haus und Hof verspielt hat.
Jetzt wird es für den Bauern (Benjamin Haug) gefährlich. Die Magd (Rebecca Mors) hat erfahren, dass der Bauer Haus und Hof verspielt hat. | Bild: Hermann-Peter Steinmüller

Dass der Bauer dann als Leiche im Stall aufgebahrt wird und später doch wieder lebt, ist im wesentlichen dem mit Bauernschläue gewappneten Knecht Max Knüppeldick zu verdanken. Alexander Mors hat diese Rolle übernommen. Eine weitere Person, die auf der Bühne ein amüsantes Stelldichein gibt, ist die besonnene Tochter der Eheleute Trinkaus, Karin. Camilla Wondrak haucht dieser Rolle ein nüchtern-naives Leben ein, das in krassem Gegensatz zu Vroni Schlupflochs Rolle steht. Karin ist mit Nico (dargestellt von Florian Rist), dem Sohn des bereits erwähnten Nachbarn Huber, verlobt.

Auf die geplante Hochzeit fällt im Stück aber für lange Zeit ein Schatten. Sind die beiden etwa leibliche Geschwister? Bevor nun endlich Didi Dattel die Bühne betreten kann, muss mit Alfred Hähnlein eine weitere Person eingeführt werden. Der von Malte Wondrak gespielte Notar ist ein schüchternes Mamasöhnchen, das sich in die Magd Hanna verliebt. Doch nun ist die Bühne frei für den schwulen Didi Dattel, für Marcel Haug, der für Sekunden textilfrei über die Bühne flitzt, weil Hanna zeitweilig irrtümlich hinter ihm her ist.

Camilla Wondrak und Florian Rist überzeugen als junges Liebespaar in dem Schwank, den die Storzinger Landjugend auf die Bühne bringt.
Camilla Wondrak und Florian Rist überzeugen als junges Liebespaar in dem Schwank, den die Storzinger Landjugend auf die Bühne bringt. | Bild: Hermann-Peter Steinmüller

Das Stück lebt von der Situationskomik. Kaum ein Klischee wird ausgelassen. Schwulsein und die Farbe rosa gehören ebenso zusammen, wie die offenkundig vererbbare Neigung zur Transvestie und zur Homosexualität. Didi Dattel verkörpert frech-frivol alle Klischees, die einem Schwulen zugedacht werden. Selbstverständlich wird auch die Sparsamkeit der Schwaben aufs Korn genommen: Knecht Max besitzt nur zwei Unterhosen. Die werden aber nicht gewaschen, sondern nur zum Lüften im Ziegenstall aufgehängt.

Zum Schluss findet schließlich alles ein gutes Ende. Einige bekommen sogar noch einen fetten Batzen Geld – und vor allem die Darsteller des Stücks bekommen vom Publikum einen dicken Applaus.

 

"Schauspielerei in jüngere Hände"

Daniel Hagg war in diesem Jahr neben Manfred Jung zum ersten Mal Co-Regisseur beim Storzinger Theater. Der Maschinenbauingenieur hat außerdem die Vorlage von Erich Koch ins Schwäbische übertragen.

Daniel Hagg
Daniel Hagg | Bild: Hermann-Peter Steinmüller

Herr Hagg, war die Übertragung in den Dialekt schwierig?

„Nein, nicht wirklich. Ich habe das in der Vergangenheit bereits vier oder fünf Mal gemacht. Deswegen habe ich da schon etwas Routine gewonnen.“

Sie waren bislang noch nie in der Spielleitung, sondern haben immer selbst auf der Bühne gestanden. Warum der Wechsel?

„Ich bin jetzt 33 Jahre alt und habe zwei kleine Kinder. Da bleibt nicht viel Zeit, drei Mal pro Woche zur Leseprobe und später zur Bühnenprobe zu gehen. Außerdem möchte ich die Schauspielerei in etwas jüngere Hände legen.“

Wie alt sind die Bühnendarsteller?

„Das reicht in diesem Jahr von 16 bis 23 Jahren.“

Wie lange wurde für den diesjährigen Dreiakter geprobt?

„Wir haben Anfang Januar mit den Leseproben begonnen und hatten nach Aschermittwoch die Bühne mit der Kulisse zur Verfügung.“

Das Stück wird noch zwei Mal im Bürgerhaus „Haus Weckenstein“ aufgeführt. Die Termine sind die Samstage 7. und 14. April. Der Vorhang hebt sich jeweils um 20 Uhr, Einlass ist ab 19 Uhr. Karten gibt es im Vorverkauf unter 0 75 73/9 58 30 60. (hps)