Der Gemeindewald gilt seit Jahrzehnten als zuverlässige Einnahmequelle der Gemeindekasse. Diese Zeiten sind nun vorbei. „Wir haben acht fette Jahre hinter uns und jetzt kommen ein paar magere Jahre“, stellte Jörg Scham vom Fachbereich Forst beim Landratsamt Sigmaringen bei der Sitzung des Gemeinderats am Donnerstag fest.

Einen umfassenden Überblick zu den aktuellen Entwicklungen rund um den Wald gaben (von links) Revierförster Jürgen Kuhl und Jörg Scham vom Fachbereich Forst beim Landratsamt Sigmaringen.
Einen umfassenden Überblick zu den aktuellen Entwicklungen rund um den Wald gaben (von links) Revierförster Jürgen Kuhl und Jörg Scham vom Fachbereich Forst beim Landratsamt Sigmaringen. | Bild: Wilfried Koch

Buchdrucker als Hauptproblem – Schadholz drückt Preise

Gemeinsam mit Revierförster Jürgen Kuhl präsentierte er ein trauriges Szenario über die derzeitige Lage im Schwenninger Forst. Der Buchdrucker habe die Forstleute und Waldbesitzer sehr beschäftigt. Dieser Käfer gilt als das Hauptproblem im Wald.

„Das Sturmholz ist ein gefundenes Fressen für die Vermehrung des Käfers“, stellte Scham fest. Bedingt durch das Käferholz seien die Märkte übervoll und der Holzpreis sei entsprechend stark gefallen.

Hoffnung auf „rote Null“ für 2019

2019 mussten die Forstleute in Schwenningen eine sogenannte zufällige Nutzung in Höhe von 64 Prozent des Gesamteinschlags, hauptsächlich bedingt durch Rotfäule (30 Prozent) und das Eschentriebsterben, hinnehmen. Jürgen Kuhl brachte die Möglichkeit eines Vollernter-Einsatzes beim Papierholz ins Gespräch, durch den man dieses Jahr vielleicht noch eine „rote Null“ im Ergebnis erreichen könne.

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Ursprünglich hatte die Gemeinde einen kleinen Gewinn von 15 000 Euro für 2019 erwartet. Derzeit steht man aber noch bei 11 000 Euro im Minus. 2018 noch hatte man sich über einen Gewinn in Höhe von 78 682 Euro freuen können. Das Gremium stimmte dem Vorgehen zu.

Vermehrung der Käfer muss gestoppt werden

Grundsätzlich bewertet Jörg Scham die Bedingungen im Schwenninger Gemeindewald als gut. Das Hauptproblem sei aber die Erderwärmung. „Wenn die nicht gestoppt wird, geht es im Wald bergab, und zwar deutlich“, stellte er fest. Die Vermehrung der Käfer müsse schnellstmöglich gestoppt werden, sonst gebe es eine Katastrophe im Wald.

Das schadhafte Holz aus dem Schwenninger Gemeindewald werde zentral beim Bolzplatz Stelle gelagert. Die Hilfe für den Wald erfolge durch eine Stabilisierung in Form der Pflege und Durchforstung sowie durch Risikobegrenzung.

„Mit 40 Euro pro Festmeter Fichte kriegen wir keine schwarzen Zahlen mehr hin.“
Jörg Scham

Schließlich erfolge der Umbau im Wald durch Verjüngung und Pflanzung von zukunftsfähigen Baumarten. „Unser Ziel sind Mischbestände, die langfristig widerstandsfähiger sind als reine Fichtenbestände. Jörg Scham stellte fest: „Mit 40 Euro pro Festmeter Fichte kriegen wir keine schwarzen Zahlen mehr hin.“

Bürgermeisterin lobt Arbeit der Förster

Die Waldbesitzer und der Forst haben in den nächsten Jahren einige Herausforderungen zu meistern, zeigte er sich überzeugt. Bürgermeisterin Roswitha Beck bedauerte, dass die frühere gute Einnahmequelle der Kommune derzeit ausfällt. Sie lobte den Einsatz der Forstleute mit den Worten: „Die Förster machen tolle Arbeit.“

64 Euro für Festmeter Brennholz

Unverändert bleiben in Schwenningen die Brennholzpreise, wobei Jürgen Kuhl augenzwinkernd auf ein unterschiedliches Sortiment hinwies: „Auch absterbende Eschen ergeben ein wunderbares Brennholz.“ Der Festmeter Brennholz kostet weiterhin 64 Euro.

Im Frühjahr will der neue Gemeinderat mit den Forstvertretern eine Waldbegehung unternehmen.