Herr Koch, wenn ich mir Ihren Terminkalender ansehe, wird mir angesichts der vielen Termine in ganz Deutschland schwindelig. Schon für einen Menschen, der keine körperlichen Einschränkungen hat, bedeutet das Strapaze pur. Wie schaffen Sie das?

Nicht alleine.

Wie kam es zu dieser Veranstaltung in Irndorf und was ist ihre Intention?

Viele gute, gemeinnützige Arbeiten kann ich nicht persönlich unterstützen. Wenn es gelingt, durch meine Anwesenheit in Irndorf, ein wenig Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit für diese Arbeiten zu erzielen – oder wie wir Schauspieler sagen, den Scheinwerfer darauf zu lenken, dann ist anderen geholfen.

Sie sprechen von Menschen, die Betreuung brauchen und ihren Betreuern?

Es gibt viele Menschen, die ihre schwere Situation meistern. Meine besondere Situation ist in der Öffentlichkeit bekannt, daher bekomme ich reichlich Zuschriften, Kommentare, die manchmal bis zur Bewunderung reichen. Das empfinde ich als unangenehm. Vielleicht aber gibt es deshalb ab und zu auch Einladungen für einen Abend wie diesen in Irndorf. Wenn jemand für sich etwas Gutes mitnehmen kann, freue ich mich, aber diesen Anspruch will ich nicht erheben.

Wie hat sich ihr Glaube nach dem Unfall entwickelt? Gab es auch Momente des Zweifels, ist ihr Glaube seither stärker geworden?

Der Glaube ist ähnlich wie Sauerstoff, man kann ihn nicht sehen. Aber dennoch braucht man ihn im Leben. Natürlich zweifelt man nach so einem Unfall daran und es gibt Momente, in denen ich denke, dass alles einfach blöd gelaufen ist.

Und, wie reagieren sie in solchen Momenten?

Dann besinne ich mich auf den Erfinder des Rückenmarks. Nachdem ich zunächst gedacht habe, dass Glaube vielleicht doch nur ein psychologisches Konstrukt ist, hat er mich im Endeffekt doch getragen. Für mich ist mein Glaube zu einer Art lebenserhaltenden Maßnahme geworden.

Abgesehen von ihrem persönlichen Glauben, können sie einem Menschen, der gerade erfährt, dass er querschnittsgelähmt ist, irgendeinen Rat geben oder ist das eine Situation, die jeder für sich selbst bewältigen muss?

Es gibt konkrete Dinge, die die innere Aushalte-Kraft bei mir stärken. Nach den vielen Begegnungen mit ebenfalls körperlich eingeschränkten, anders Versehrten und vom Schicksal tief geschlagenen Menschen kann ich mir aber nicht anmaßen, zu dieser Thematik allgemeingültige Antworten, Lösungen, geschweige denn einen Tipp zu geben. Leidenswege und Schicksale sind, auch wenn es plump klingt, stets individuell zu betrachten.

Es gibt also kein allgemeingültiges Patentrezept?

Ich stelle immer wieder fest, dass Methoden, die mir aus tiefen Momenten helfen, für andere genau das Falsche sein können und Tipps, die ihnen wiederum helfen, mich nur runterziehen.

Wie weit sind ihre Pläne für eine Stiftung gediehen, mit der Sie sich um Querschnittsgelähmte und ihre Familienangehörigen kümmern wollen?

Da wir kein Grundkapital haben, soll es vorerst ein Verein und keine Stiftung werden. Gerade sind wir dabei, die Gemeinnützigkeit anerkannt zu bekommen.

Was sind die genauen Ziele ihrer Stiftung?

Mit der Samuel Koch Stiftung 'Wir helfen Helfern' wollen wir ebenfalls einen Scheinwerfer auf die im Schatten stehenden pflegenden Angehörigen richten und diese unterstützen.

Fragen: Hermann-Peter Steinmüller

 

Person & Veranstaltung

  • Samuel Koch, Jahrgang 1987, stammt aus dem badischen Efringen-Kirchen. Seit seinem sechsten Lebensjahr war Koch Geräteturner. Am 4. Dezember 2010 verunglückte er bei der Fernsehsendung "Wetten dass?" vor laufender Kamera, als er versuchte, mit speziellen Sprungstiefeln über ein fahrendes Auto zu springen. Seither ist Koch vom Hals ab querschnittsgelähmt. Seit 2014 gehört er als festes Ensemblemitglied zum Team des Staatstheaters in Darmstadt. Seit 2016 ist Samuel Koch mit seiner Schauspielerkollegin Sarah Elena Timpe verheiratet
  • In seinem Abendprogramm am 21. März in der Irndofer Pfarrkirche liest er aus seinen Büchern und erzählt aus seinem Leben. Begleitet wird er von seiner Frau und seinem Bruder Jonathan. Beide übernehmen die musikalische Gestaltung der Abendveranstaltung. Gastgeber ist die katholische Kirchengemeinde Irndorf. Die Veranstaltung beginnt um 19.30 Uhr. Noch sind für jeweils 13 Euro Tickets zu bekommen und zwar bei der Bäckerei Hermle, Irndorf, Telefon 0 74 66/363; Monika Rebholz, 0 74 66/1441, und im Pfarrbüro Fridingen, 0 74 63/430. (hps)