In den Berichten der Vorstandsmitglieder ging es nicht nur um trockene Zahlen. Es spiegelte sich auch die tiefe Verbundenheit mit den Menschen in Gambia und dem Land selbst wieder.

Wie wichtig die Arbeit aus Deutschland für die Diabetes-Patienten in dem westafrikanischen Land ist, machte der Vorsitzende Roland Schindler in seinem Rechenschaftsbericht deutlich. In ganz Gambia gebe es nur eine Spezialklinik für Menschen mit Diabetes. Mit dieser Klinik und ihrem Chefarzt Dr. Alieu Gaye hat der Stettener Verein in den vergangenen Jahren eine intensive Zusammenarbeit aufgebaut. Inzwischen fliegen Roland Schindler und seine Ehefrau Gudrun Schindler oft auch in Begleitung anderer Helfer nach Gambia. Gudrun Schindler sagt: "Natürlich bezahlen wir Flug- und Hotelkosten aus der eigenen Tasche." Es ist kein Ferienaufenthalt. Dafür sorgen eine für mitteleuropäische Verhältnisse große Hitze, eine sehr oft mangelhafte Infrastruktur und die oft nicht vorhandene Grundbildung der Bewohner.

Wie stark gerade der letzte Punkt die Arbeit der Stettener erschwert, wurde an einem Beispiel deutlich, das Schindler erwähnte. Ein Zweck der Gambia-Reisen ist es, den Diabetes-Patienten Grundwissen über ihre Krankheit zu vermitteln und ihnen zu zeigen, wie Insulin gespritzt wird. Schindler: "Wir haben einem sieben Jahre alten Jungen gezeigt, wie er sich selbst mit Insulin spritzen kann." Jetzt haben die Helfer erfahren, dass seine Mutter ihm das Spritzen verboten hat und mit ihm zum Dorfheiler geht. Die Helfer sowohl aus Deutschland als auch aus Gambia hoffen, die Mutter noch umstimmen zu können, bevor das Leben des Kindes ernsthaft bedroht ist.

Das Hauptnahrungsmittel in Gambia ist Reis. Wegen seines Zuckergehalts müssen die Patienten lernen, beim Essen auf ihre Erkrankung Rücksicht zu nehmen. Deshalb gehören auch Vorträge über Ernährung und den damit verbundenen Insulinbedarf zu den Aufgaben der Stettener.

Ein weiterer Schwerpunkt des Vereins sind Hilfsgütersammlungen. Jedes Jahr geht ein Container gefüllt mit Hilfsgütern auf den Seeweg nach Gambia. Im Rahmen ihrer Besuche verteilen Schindlers diese Hilfsgüter an die Betroffenen, die sie oft persönlich kennen oder die der Klinik und ihrem Chefarzt bekannt sind. Gesammelt werden Fahrräder, kleine Möbelstücke, Matratzen, Medikamente oder Hilfsmittel. Bei der Verteilung und Aufbewahrung dieser Güter können die Stettener auf gambische Freunde bauen. Manche der Hilfeempfänger kennen Schindlers schon seit Jahren, haben erlebt, wie aus Kindern Erwachsene wurden. Beim Aufbau einer beruflichen Existenz können sie ebenfalls mit Hilfe aus Stetten rechnen. Entweder in Form kleiner Geldbeträge oder in Form von Werkzeugen, die für das Gewerbe benötigt werden, aber in Gambia entweder zu teuer oder gar nicht zu bekommen sind.

Wie sehr der Verein mit Gambia verbunden ist, zeigte das afrikanische Trommlertrio, dessen Mitglieder aus dem afrikanischen Land stammen und derzeit als Asylbewerber in Sigmaringen leben und die bei der Versammlung aufspielten.

 

Zum Verein

Der Verein Diabetes-Projekt "The Gambia" hat seinen Sitz in Stetten a.k.M. Das Projekt finanziert sich aus Mitgliedsbeiträgen, Spenden und Patenschaften. Zur Ausgangslage sagt Roland Schindler: "Grundsätzlich schwierig ist es für einen Diabetes-Patienten in Afrika mit der Versorgung von Medikamenten und Blutzuckermessgeräten und Teststreifen." Ein vom Diabetes mellitus Betroffener müsse in Gambia in der Regel für die Therapie und Diagnostik selbst aufkommen. (hps)