Stetten a.k.M. – Vor zehn Jahren wurde der Verein "Diabetes-Projekt The Gambia" in der Heuberggemeinde aus der Taufe gehoben. Was der rührige Verein um das Ehepaar Roland und Gudrun Schindler seither für Diabetiker in Afrikas kleinstem Staat auf die Beine gestellt hat, ist aller Ehren wert und kann sich wahrlich sehen lassen. Nun hat das Helferteam erneut einen riesigen Container mit medizinischen Hilfsmitteln, Medikamenten und jede Menge Alltagsgegenständen beladen und auf die weite Reise nach Gambia geschickt.

Es ist nun schon der zehnte Großcontainer, den der Verein erneut mit haufenweise medizinischer Ausrüstung und sonstigen Hilfsgegenständen beladen hat, die vor Ort in Gambia dringend benötigt werden. Doch diesmal stand die Sache "Spitz auf Knopf", wie Roland und Gudrun Schindler im Gespräch mit dem SÜDKURIER erzählen. So sei seit November völlig offen gewesen, ob man im kommenden Februar erneut einen sogenannten 40-Fuß-Container beladen solle.

Der Grund: Am 1. Dezember stand in Gambia die Wahl des Präsidenten mit völlig offenem Ausgang auf dem Programm. Und tatsächlich habe sich sehr schnell herausgestellt, dass der bisherige Präsident Yahya Jammeh seine Abwahl nicht akzeptierte. "Er hat sich lange geweigert, sein Amt zu räumen", sagt Roland Schindler und ergänzt, dass der Ex-Präsident das Land erst nach dem Einmarsch von Truppen aus benachbarten Staaten verlassen und damit Gott sein Dank gerade noch eine drohende Eskalation vermieden habe.

Glücklicherweise sei das gambianische Militär und auch die Polizei hinter dem neu gewählten Präsidenten Adama Barrow gestanden, sodass letztlich alles friedlich abgelaufen sei. "Erst danach, also Mitte Januar, stand für uns fest, dass wir einen weiteren Container beladen und auf die Reise schicken", so die Schindlers. Medizinisches Material, gebrauchte Möbel, Fahrräder und sonstige Ausrüstungsgegenstände hatten sie ja im Verlauf des vergangenen Jahres genügend gesammelt und im ehemaligen Lagerhaus in der Friedhofstraße deponiert. "Für die Pakala-Klinik und zwei weitere Krankenhäuser kam wieder ausreichend Material zusammen", sagt Schindler. Darüber hinaus habe man den Schwerpunkt der Sammlung diesmal auf Möbel und sonstige Gegenstände für die Diabetikerfamilien gelegt, die vom Verein versorgt würden. "Unsere Wunschliste ist da sehr lang", schmunzelt er.

Und so machte sich das Helferteam am vergangenen Samstag einmal mehr dran, möglichst vieles im großen Container unterzubringen. Neben Rollstühlen, Gehhilfen, Rollatoren, Sanitätsmöbel und Verbandsmaterial wurden jede Menge Matratzen, Lattenroste, Fahrräder, Stühle, Tische, Couchgarnituren, Schränkchen und dergleichen verladen. "Unsere Packer sind da echt gefordert, jeden Quadratzentimeter des Containers voll auszunutzen", berichtet Gudrun Schindler und freut sich jedes Mal mächtig, was "wir am Ende alles rein bekommen haben". Erst vor zwei Tagen habe sie mal wieder eine ziemlich traurige Nachricht erreicht. So sei das Haus einer Diabetikerin wegen eines Schadens an der Elektrik komplett ausgebrannt. Löschfahrzeuge oder gar eine Versicherung gäbe es natürlich nicht. "Da kann man das Eintreffen unseres Containers natürlich kaum erwarten."

Ohnehin gehe es dem Land ziemlich schlecht: "Gambia ist pleite und der Altpräsident hat noch zwölf Millionen Dollar mitgenommen", schütteln die Schindlers mit dem Kopf. Entsprechend schlecht gehe es den Leuten. Wirtschaftlich stehe Gambia derzeit noch deutlich schlechter da als in den Vorjahren. "Insofern müssen wir all unseren Helfern und insbesondere unseren Spendern und Unterstützern umso mehr danken", unterstreicht das engagierte Paar, nicht ohne anzumerken, dass man weiterhin dringend auf die Unterstützung des Umfelds angewiesen sei, um das Projekt fortzuführen oder gar noch auszuweiten zu können.

Hintergrund

Gudrun und Roland Schindler werden mit Christa de Rossi ab dem 5. April für insgesamt 19 Tage vor Ort in Gambia sein, um die Hilfsgüter wieder persönlich an die Empfänger zu verteilen und so an den richtigen Mann zu bringen. Auf dem Hinflug werden sie auch den Halbjahresbedarf an Insulin für mittlerweile 20 Diabetiker mitführen.

Das "Diabetes-Projekt The Gambia" wurde 2007 aus der Taufe gehoben und hat inzwischen 160 Mitglieder. Vorsitzender ist Roland Schindler, Storzinger Str. 28, 72510 Stetten a.k.M., Telefon 0 75 73/95 81 13, Email: schindler@diabetes-projekt-gambia.de. Der Mitgliedsbeitrag beträgt 25 Euro. Spendenkonto: IBAN DE 07 65 39 01 20 00 67 11 70 07 bei der Volksbank Albstadt. Über den Verein können Interessierte auch Patenschaften für Diabetiker in Gambia übernehmen. (gfe)