Es kommt wahrlich nicht alle Tage vor, dass bei einer Hauptversammlung der einzige Kandidat, der sich für den Vorsitz zur Verfügung stellt, nicht gewählt wird. So geschehen in der Hauptversammlung des Schwäbischen Albvereins (SAV) in Stetten am kalten Markt. Zur Wahl stand unter anderem der Posten des Vorsitzenden, wobei der bisherige Vereinschef, Werner Bock, sich nicht mehr zur Verfügung stellte. Ebenso wollten der Kassierer Jürgen Feißel, Wegewart Heinrich Mehling und Naturschutzwart Rolf Schneemilch, alle drei langjährige Vorstandsmitglieder, nicht mehr für ihre Ämter kandidieren. Der traditionsreiche Verein konnte erst im zurückliegenden Sommer sein 125-jähriges Bestehen feiern.

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Zu der Versammlung sind rund 30 Mitglieder des SAV erschienen, wobei jedoch keiner der Anwesenden trotz mehrfacher Bitte, sich für einen Posten zur Verfügung zu stellen, irgendwelche Anstalten machte, dem Folge zu leisten. Bis auf eine Person, die sich meldete und sich bereit erklärte, für den Vorsitz zu kandidieren, vorausgesetzt, ihr würde vom bisherigen Vorstand Hilfe zur Einarbeitung gewährt. Als die Anwesenden gebeten wurden, für die Person – ein langjähriges und verdientes Mitglied des Vereins – zu stimmen, erhob kein einziger die Hand.

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Diesen Eklat milderte der Schriftführer Reinhard Stolz in einem Vier-Augen-Gespräch ab, indem er zu erkennen gab, dass diese Person an einer langwierigen Krankheit leidet, die es diesem Mitglied auf Dauer unmöglich machen würde, das Amt adäquat auszuführen. Die meisten der Anwesenden hätten dies gewusst und deshalb nicht zugestimmt. Jedenfalls litt die Stimmung spürbar unter dieser Situation, zumal sich auch sonst keiner bereit fand, einen der anderen vakanten Posten zu übernehmen.

Kein Jahresprogramm vorgelegt

Letztendlich übernahm der bisherige Vorsitzende Werner Bock, der auch sein Amt als Wanderwart aufgab, für ein Jahr kommissarisch den Vizevorsitz. Auch Kassier Jürgen Feißel führt notgedrungen für ein weiteres Jahr die Vereinskasse. Der Schriftführer und Hüttenwart des vereinseigenen Häuschens, Reinhard Stolz, behält seine Posten und übernimmt zusätzlich die Funktion des Wanderwarts. Auch Sigrid Espe, die aufgrund ihres Engagements die Ehrennadel in Silber erhielt, bleibt weiterhin Kulturwartin und Leiterin der erfolgreichen Nordic-Walking-Gruppe, ebenso Dorit Neusch, zuständig für den digitalen Medienauftritt des Vereins. Die stark geschwächte Vereinsführung sah sich außerstande, ein Jahresprogramm vorzulegen, wie das in den vergangenen Jahren stets der Fall war.

Ehrenschild für Heinrich Mehling

Heinrich Mehling, der jahrzehntelang unermüdlich im Vorstand tätig war, erhielt eine Ehrung in Form des Ehrenschild des SAV. Im Verlauf des Abends berichteten die einzelnen Bereichsleiter über die geleistete Arbeit und thematisieren anstehende Probleme. Naturschutzwart Rolf Schneemilch beispielsweise stellte neben dem Tier und der Pflanze des Jahres die Themen Einsatz von Dünge- und Spritzmittel sowie die derzeit gehäuft vorkommende insektenfeindliche Privatgartengestaltung mittels Schotterflächen und sterilen Rasenflächen vor. Er stellte klar, dass beim Einsatz von Dünge- und Spritzmittel die Privatgärtner den Landwirten in nichts nachstehen. Das befand auch Klaus-Dieter Halder, Landwirt und Bürgermeisterstellvertreter der CDU-Fraktion, der auch die Entlastung vornahm. Doch im Gegensatz zu den Bauern würde keiner den Einsatz dieser Mittel in Privatgärten kontrollieren.