In Stetten steht die Erhaltung der Feldkreuze auf drei Pfeilern. Verrengia sagt dazu: "Das sind die Familien, deren Vorfahren solche Kreuze errichtet haben, örtliche Vereine und auch der Bauhof." Hubert Sessler, der sich um die Frohnstettener Geschichte kümmert, nennt noch einen weiteren Träger der Feldkreuzpflege. Der 80-Jährige berichtet: "Im Rahmen der Flurbereinigung wurden seit den neunziger Jahren zahlreiche Feldkreuze erneuert." Oft, so schildert der heimatkundlich engagierte Rentner, seien die Gründe für die Errichtung eines Feldkreuzes in Vergessenheit geraten. Aber es gibt Ausnahmen.

So kennt Sessler ein Feldkreuz, das seine Existenz dem Gelübde eines Frontsoldaten verdankt. Sessler erinnert: "Der Soldat schwor beim letzten Blick auf sein Anwesen, dass er an dieser Stelle ein Feldkreuz stiften werde, wenn er heil aus dem Krieg zurückkäme." Bis heute erinnert so das Kreuz an die Heimkehr des Mannes. Die Landesdenkmalpflege Baden-Württemberg führt aber auch noch einen ganz einfachen Grund für die Existenz der Feldkreuze an. Oft seien sie einfach Zeugnis für den christlichen Glauben. Allerdings haben sie heute einen großen Teil ihrer kirchlichen Bedeutung eingebüßt. Der Frohnstetter erinnert sich noch an die frühsommerlichen Öschprozessionen. Damals zogen die Gläubigen mit dem Pfarrer von Feldkreuz zu Feldkreuz und erbaten den Segen für die Ernte.

Gerhard Deutschmann kümmert sich ehrenamtlich um die Grenzsteine auf dem Truppenübungsplatz Heuberg.
Gerhard Deutschmann kümmert sich ehrenamtlich um die Grenzsteine auf dem Truppenübungsplatz Heuberg.

Zusammen mit Hubert Sessler kümmert sich Günter Gratius um die Feldkreuze auf dem Truppenübungsplatz. Gratius sagt: "Weil normale Zivilisten keinen Zutritt haben, erhalten sich Kleindenkmale dort besonders gut." Das gilt auch für eine andere Art von Kleindenkmalen, die Grenzsteine. Auch hier ist der Truppenübungsplatz eine Fundgrube. Seit Jahrzehnten kümmert sich der Straßberger Gerhard Deutschmann um die Marksteine auf dem Militärgelände. Er hat dafür ebenso wie Gratius und Sessler eine Sondererlaubnis der Bundeswehr.

Zeugnis der Kleinstaaterei

Auf dem Truppenübungsplatz gibt es noch einen Vorteil. Deutschmann sagt: "Es gibt keine Ackerlandwirtschaft. Damit wird nicht gepflügt und so bleiben Grenzsteine am originalen Standort erhalten." In- und außerhalb des Truppenübungsplatzes hat der ehemalige Lehrer seit 1970 inzwischen 200 Grenzsteine registriert. An Hand alter Karten kann er Standorte bestimmen, an denen ein Grenzstein stehen muss. Was ihn an den Marksteinen so fasziniert, ist die damit verbundene Geschichte. Der Straßberger beschreibt das so: "Aus der Zeit vor 1803 dokumentieren die Grenzsteine die Ära der deutschen Kleinstaaterei." Und nach 1803 das Zusammentreffen der selbstständigen Länder Württemberg, Baden und Hohenzollern. Für Deutschmann sind die Marksteine eine Art zu Stein gewordenes Geschichtsbuch.

Hintergrund

  • Im Landkreis Sigmaringen erfolgte die flächendeckende Erfassung der Kleindenkmale in den Jahren 2001 bis 2004. Um die 50 Mitarbeiter erfassten über 1700 Objekte. Darunter befanden sich knapp 1100 Feldkreuze, 170 Bildstöcke, 24 Grotten, 77 Gedenksteine und 174 Relikte früherer Wirtschaftsweisen. Zudem wurden rund 1500 Grenzsteine registriert.
  • Nach Angaben der Landesdenkmalpflege liegt der Kreis mit einer Dichte von 0,8 Feldkreuzen, Wegkapellen, Bildstöcken und Wegkreuzen pro Quadratkilometer landesweit auf einem der vorderen Plätze. (hps)