Der Herbst macht sich deutlich bemerkbar. Doch statt in den Winterblues zu verfallen, werden in 13 Naturparkkommunen dieser Tage Flächen eingesät, die im Frühjahr Nahrungsquellen und Rückzugsorte für Insekten sein sollen. Insgesamt werden gut 1,8 Hektar Blumenwiese neu angesät, dazu kommen etwa drei Hektar Fläche, auf welchen die Pflege und Mahd so angepasst werden, dass sich in den nächsten Jahren artenreiche Biotope entwickeln können.

Naturpark-Mitarbeiter begutachten Flächen und beraten Gemeinden

Alle Flächen wurden von Projektmitarbeitern des Naturparks begutachtet, die auch die Gemeindemitarbeiter hinsichtlich der besten Vorbereitung, Saatmischung und Pflege berieten. Daneben fanden im Haus der Natur in Beuron zwei Seminare über die Blühwiesen statt, an denen die Verantwortlichen für die Flächen kostenfrei teilnehmen konnten.

In Schwenningen trafen sich die Drittklässler der Nachbarschaftsgrundschule aus Schwenningen und Hausen im Tal mit Nele Feldmann vom Haus der Natur in Beuron, um auf einem Wiesenstück auszusäen, das Gemeindearbeiter Daniel Bosch vorbereitet hatte. Es befindet sich am Ortseingang Richtung Donautal, wo der Weg zum Sportzentrum Staudenbühl hochführt. Eine weitere Blühwiese ist am Ortseingang von Irndorf her ausgewiesen.

„Unterricht direkt da, wo das Leben stattfindet“

Klassenlehrer Martin Sedlacek erklärte: „Wir versuchen, wo immer möglich, unseren Unterricht außerhalb unseres Klassenzimmers durchzuführen, sozusagen direkt da, wo das Leben stattfindet.“ Bürgermeisterin Roswitha Beck begrüßte die jungen Helfer und dankte, dass sich die Schule spontan bereit erklärt habe, die Fläche einzusäen. Nele Feldmann, die als Projektkoordinatorin die Kinder in ihre neue Tätigkeit einwies, erklärte: „Von unserer Seite wurde vorab genau abgewogen, auf welchen Flächen eine Neueinsaat unumgänglich ist und welche durch gezieltes Pflegemanagement und vielleicht einige Quadratmeter Neueinsaat dazu angeregt werden können, sich eigenständig zu regenerieren und in bunte Wiesen zu verwandeln.“

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Bei artenarmen Flächen bleibt häufig nur die Neueinsaat

Kompletter Umbruch in Verbindung mit einer Neueinsaat sei nicht nur sehr kostenintensiv, sondern müsse auch gut überlegt sein, weil jeder Eingriff in den Untergrund das sensible Gleichgewicht der Bodenlebewesen durcheinanderwirbele. Bei sehr artenarmen Flächen, die teils Jahrzehnte als kurzer Rasen gemäht wurden, bleibe häufig nur die Neueinsaat. Für das Projekt werde ausschließlich heimisches, mehrjähriges Saatgut verwendet. Die Arten seien auf die Verhältnisse am Standort angepasst ist und könnten bei richtiger Pflege viele Jahre bestehen.

Unterricht im Freien: Die Kinder hatten ihren Spaß beim Einsäen der Fläche.
Unterricht im Freien: Die Kinder hatten ihren Spaß beim Einsäen der Fläche. | Bild: Wilfried Koch

Filz-Mauerbiene Wilma darf mit ins Klassenzimmer

Die Kinder erfuhren von Nele Feldmann einiges über die heimische Insektenwelt und durften einen Ordner voller Ideen und Wissen rund um Blumenwiesen mitnehmen. Außerdem begleitete die Filz-Mauerbiene Wilma die Kinder bei der Einsaat und durfte dann mit ins Klassenzimmer genommen werden. Wilma wurde aus Schafswolle aus dem Naturpark von der Initiative Beuroner Filz handgemacht und trägt so indirekt auch zur Artenvielfalt bei: Weidende Schafe seien ein wichtiger Faktor für die Kulturlandschaft, erklärte Feldmann.

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Ganzjähriger Lebensraum und Nahrungsangebot für Insekten

Ziel des landesweiten Projekts Blühende Naturparke sei es, durch die Anlage von Wildblumenwiesen für Insekten ganzjährig Lebensraum und ein reichhaltiges und vielfältiges Nahrungsangebot zu schaffen. Im Gegensatz zu Honigbienen fliegen viele Wildbienenarten keine weiten Strecken und sind oft auf nur eine einzige Blütenart spezialisiert.

Dichtes Netz von Flächen nötig

Daher komme es nicht so sehr auf die Größe der einzelnen Fläche, sondern mehr auf ein möglichst dichtes Netz an Wildblumenstandorten mit heimischen Arten an, um die Ausbreitung der Insekten zu unterstützen und das Nahrungsangebot sowie Brutplätze zu sichern. Das Projekt richte sich an alle Flächenbesitzer, öffentliche und private.

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