Die Köhlerei ist ein uraltes Gewerbe, das heute nur noch hobbymäßig von wenigen Köhlern ausgeübt wird. Frank Heideker aus Hundersingen im Großen Lautertal ist einer davon und er berichtete im Gespräch mit dem SÜDKURIER, dass er zu diesem Hobby quasi per Zufall gekommen sei. Er habe vor fünf Jahren mal beim Aufbrechen und Ausziehen eines Meilers geholfen und da sei es um ihn geschehen gewesen. Seither teile er die Leidenschaft, die ein Köhler einfach mitbringen müsse, mit seinem Lehrmeister Georg "Jörg" Geiselhart, den er inzwischen altershalber beerbt hat. Zwei, höchstens drei Mal im Jahr baut Heideker einen Meiler im Normalfall auf der Köhlerplatte bei Münzdorf auf. Derzeit zeigt er sein Handwerk im Schmeiental und muss dafür natürlich ebenfalls seinen Urlaub opfern. "Die Köhlerei braucht halt Zeit", erklärt er den interessierten Besuchern.

Tag und Nacht bleibe er diese Woche bei seinem Meiler, schlafe – je nach Wetter – "mal im Freien, mal in der Schutzhütte oder im Auto". Mehrmals täglich müsse der rauchende Meiler abgeklopft und alle zwei bis drei Stunden kontrolliert werden. Dann hieße es Aufstehen und bei diffusem Licht den aus dem Meiler aufsteigenden Rauch genau beobachten und dessen Farbe prüfen. "Wenn die Farbe bläulich wird, sieht der Köhler rot", erklärt Heideker. Denn blauer Rauch deute auf das Verbrennen des Holzes hin, was man beim Verkohlen ja unbedingt vermeiden wolle. Nach den Wetterumständen gefragt, sagte Heideker, dass er gegen Regen während des Verkohlungsvorgangs nichts einzuwenden habe. "Wasser am Meiler ist Gold" und würde ihm viel Arbeit ersparen. Hingegen sei "Wasser an der Kohle Gift", weswegen es beim Ausziehen unbedingt trocken sein sollte.

14 Meter Buchenholz und viel Handarbeit für die perfekte Grillkohle

"Wo viel Wald war, hat es früher auch Köhler gegeben", sagt Heideker über das alte Handwerk, das auch heute noch mit viel Handarbeit verbunden ist. Zahlreiche Freiwillige und auch eifrige Helfer der Dorfgemeinschaft haben am vergangenen Freitag beim Aufschichten der Meiler mit angepackt. Satte 14 Meter Buchenholz dafür wurden fein säuberlich gespalten und im Anschluss Scheit für Scheit um die Richtstange geschichtet, bevor eine sogenannte Rauhdecke aus Gras drüber kam, die das Absickern der zuletzt aufgebrachten Meiler-Erde – fachmännisch "Lösche" genannt – verhindern soll. Fein säuberlich wurde die Erde dann mittels Schaufel und Kohlenkrücke befestigt und geglättet, ehe Köhler Frank Heideker mit Akribie die erforderlichen Zündlöcher stach.

Beim Zünden des Meilers am Samstagmorgen freute sich Heideker, dass diesem Akt bereits in der Frühe zahlreiche Besucher beiwohnten, denen er – ganz oben auf dem Meiler stehend – das uralte Handwerk erläuterte. Noch während der gesamten Woche können interessierte Besucher zum qualmenden Meiler bei der Schutzhütte kommen, dem Köhler Gesellschaft leisten, den Verkohlungsprozess aufmerksam mitverfolgen und sich von der Dorfgemeinschaft Storzingen auch kulinarisch verwöhnen lassen. So gibt es am Freitagabend unter anderem "frische Göckele" vom Grill.

Am Samstagmorgen wird der Meiler aufgebrochen und die entstandene Holzkohle kann erworben werden. Dass Insider und Kenner, die mit Heidekers Kohle schon einmal gegrillt haben, nur noch diese auf ihren Grill legen wollen, braucht an dieser Stelle wohl kaum noch betont werden.

 

Die Bewirtungszeiten

Noch bis kommenden Samstag bietet sich Interessenten gleichfalls Gelegenheit, das Schauspiel des dampfenden und qualmenden Kohlemeilers zu bewundern. Die ganze Woche über wird ab 12 Uhr beim Kohlemeiler noch bewirtet. Täglich ab 17 Uhr findet dort ein gemütlicher Feierabendhock statt, teilt die Dorfgemeinschaft mit. Am kommenden Samstag, 23. Juli, wird der Meiler morgens ab 9 Uhr dann aufgebrochen, die Holzkohle ausgezogen und nach dem Absacken gewogen. Ab 10 Uhr wird bewirtet, ab 11 Uhr steigt der Verkauf und gegen 12 Uhr wird gebackener Fleischkäse mit Kartoffelsalat serviert, ehe das Fest mit einem Feierabendhock langsam ausklingt.