Das Übungsszenario ist folgendes: Im fiktiven Staat Arnland möchte sich die Provinz Kalmar abspalten. Die Situation verschärft sich und die Regierung von Arnland bittet die Nato um Beistand. Unter dem Titel "Trident Jaguar" beschäftigt sich das Multinationale Kommando Operative Führung aus Ulm seit April vergangenen Jahres mit den daraus erwachsenden Anforderungen an das Bündnis. In der Garnisonsgemeinde wurde in den vergangenen Tagen nun geprobt, wie die Führung des Einsatzes von der Wilhemsburg-Kaserne in Ulm auf den mobilen Gefechtsstand im Einsatzland übergeht. Generalleutnant Jürgen Knappe zog gestern eine positive Bilanz des Übungsverlaufs, der auf dem Heuberg einen Höhepunkt fand. "Wir haben uns die Pole Position gesichert", stellte er in einer Analogie zum Rennsport fest. Deshalb blicke man dem Abschluss der Übung im norwegischen Stavanger im Mai sehr optimistisch entgegen. Ist der Nato-Tüv dann bestanden, steht das Ulmer Kommando für ein Jahr in Bereitschaft, mit seinem mobilen Hauptquartier weltweit in den Einsatz zu gehen.

In der Operationszentrale laufen die Fäden zusammen. Hier wird der Einsatz rund um die Uhr koordiniert und hier wird auf unvorhergesehene Ereignisse reagiert.
In der Operationszentrale laufen die Fäden zusammen. Hier wird der Einsatz rund um die Uhr koordiniert und hier wird auf unvorhergesehene Ereignisse reagiert.

Die Besonderheit in der Garnisonsgemeinde war dabei indes, dass der mobile Gefechtsstand in seiner ganzen Größe auf einer Grundfläche von 20 000 Quadratmetern aufgebaut wurde. Um den Betrieb zu ermöglichen, wurden neun Kilometer Glasfaserkabel und sechs Kilometer Netzwerkkabel in den rund 70 Zelten verlegt, die, miteinander verbunden, den Gefechtsstand bilden. Dabei sorgten 20 bis 30 Stromaggregate dafür, dass die Arbeit vonstatten gehen kann, ohne dabei auf eine Energieversorgung von außen angewiesen zu sein. "Zuletzt wurde der Gefechtsstand in dieser Form im Jahr 2014 aufgebaut", sagt Oberstleutnant Hagen Messer. Neben Vertretern aus der Politik konnte die Bundeswehr gestern so auch viele Gäste befreundeter Nato-Staaten begrüßen, die sich vor Ort von der Professionalität der Übung überzeugen konnten.

Die Arbeit in den aufblasbaren Zelten geht dabei rund um die Uhr. In der Operationszentrale erläuterte Schichtführer Werner Christmann, dass die Soldaten gerade dabei seien, die Verlegung von Truppenteilen nach Arnland zu organisieren. Wie Messer ausführt, geht es dabei beispielsweise darum, die Bewegungen von Panzern zu planen, die Versorgung der Fregatten auf See sicherzustellen oder Überflugrechte zu klären. Und es gibt noch mehr Aufgaben. So müssen die Soldaten von der Pressestelle Fake News identifizieren, es gibt Konferenzen, Arbeitsgruppen und auch viele rechtliche Fragen, die rund um das fiktive Mandat zu klären sind, um die Soldaten so für den Ernstfall vorzubereiten.

Die Nato wird in das fiktive Land mit dem Namen Arnland zur Hilfe gerufen, das die Militärplaner in Skandinavien verordnet haben.
Die Nato wird in das fiktive Land mit dem Namen Arnland zur Hilfe gerufen, das die Militärplaner in Skandinavien verordnet haben.

Bis zu 37 000 Soldaten sollten von der Zentrale aus gesteuert werden. Neben Heer, Marine und Luftwaffe aus mehreren Nato-Staaten sind das auch Spezialkräfte. Die Arbeitssprache auf dem Heuberg ist in dem Fall Englisch. Wenig später, wird bei einer Besprechung in der Operationszentrale der Ernstfall geprobt: Plötzlich wird dort ein Terroranschlag gemeldet, worauf reagiert werden muss.

Blick nach Ulm

Am Bundeswehrstandort in Ulm stehen derzeit mehrere Infrastrukturprojekte an, informierte Oberst Sven Knacke. So würden 61 Millionen Euro in die Wilhelmsburg-Kaserne investiert. Dort entstehe ein operatives Zentrum, das im August 2019 fertiggestellt sein soll und das eines der modernsten Einrichtungen seiner Art auf EU- und auf Nato-Ebene sein soll. Zudem würden Gebäude für die IT und für den verlegbaren Gefechtsstand sowie ein Seminar- und Konferenzgebäude errichtet. Die Arbeiten sollen 2020 beendet sein. (mos)

Von dem langen zentralen Flur gehen links und rechts Öffnungen zu Zelten ab.
Von dem langen zentralen Flur gehen links und rechts Öffnungen zu Zelten ab.