Monika Biesterfeld und Melanie Zolper vom Bundesamt für Personalmanagement der Bundeswehr in St. Augustin sind beruflich für ein paar Tage in der Heuberg-Gemeinde Stetten. Der Auftrag der Verwaltungsfachangestellten und der Oberregierungsrätin ist es, die organisatorischen Möglichkeiten für eine Kinderbetreuung in der Alb-Kaserne zu prüfen. Sicher sei, dass es eine solche Einrichtung geben werde. Die Organisationsform und die Betreiberfrage seien aber noch völlig offen, sagen sie gegenüber dieser Zeitung.

Die Situation für auswärtige Soldatenmütter und ihre Klein- und Vorschulkinder ist bislang in Stetten unbefriedigend. Das bestätigt Bürgermeister Maik Lehn. Es gibt in der Garnisonsgemeinde zwar drei kirchliche Kindergärten. Lehn: "Die brauchen wir aber für die Kinder unserer Einwohner. Wir haben für auswärtige Kinder schlicht keine freien Kapazitäten." Entsprechende Anfragen von Soldateneltern müssten daher verneint werden.

Nachdem Stetten gegenwärtig zu einem der größten Militärstandorte in Deutschland ausgebaut wird, gab es, so berichten die beiden Vertreterinnen des Bundesamtes, in der Kaserne unter den Soldaten eine Umfrage. Danach haben die uniformierten Väter und Mütter einen Bedarf an einer Kinderbetreuung. Melanie Zolper: "Es wird eine Kinderbetreuung geben, die Form ist allerdings noch völlig offen." Die Oberregierungsrätin möchte deshalb auch noch nicht von einem "Kindergarten" sprechen.

Das liegt daran, dass die Bundeswehr die Kinderbetreuung nicht selbst erbringt, sondern sie an einen Träger vergibt. Die Aufgabe der beiden Frauen besteht darin, vor Ort Verhandlungen mit entsprechenden Organisationen zu führen. Erst nach Abschluss dieser Verhandlungen stünden Details fest.

"Die Eltern müssen normale Kindergartenbeiträge bezahlen, deren Höhe sich an den Gebührensätzen der zivilen Kindergärten in der Region bemisst," erläutert Zolper weiter. Die Rolle der Armee bestünde darin, die notwendigen Rahmenbedingungen zu schaffen. In der vorgesehenen Betreuungseinrichtung soll Platz für zunächst neun Vorschulkinder geschaffen werden. Sollte sich zusätzlicher Bedarf zeigen, ist Zolper überzeugt, dass diese Kinderzahl "leicht nach oben" korrigiert werden könnte. Zumindest prinzipiell sei das möglich. Sollte alles problemlos klappen, könnte die Einrichtung frühestens zu Beginn des Kindergartenjahres 2019/2020 ihre Arbeit aufnehmen.

Für die Kommunalverwaltung begrüßt Maik Lehn die Bundeswehrpläne. Er hält die Schaffung einer Art "Betriebskindergarten" für die Kinder der Soldaten für eine weitere Maßnahme, um die Attraktivität des Standortes und damit verbunden des Soldatenberufs zu stärken. Weil die Stettener Kindergärten eine so gute Nachfrage verzeichneten, sieht er durch die Bundeswehreinrichtung auch keinerlei Nachteile für die kommunale Kindergartenstruktur.

Von der Bundeswehr vor Ort wollte sich niemand zu dem Thema äußern.

Der Standort

Der Bundeswehrstandort Stetten a.k.M. wird derzeit für mehr als 120 Millionen Euro zum größten Heeresstandort in Südwestdeutschland ausgebaut. Stetten gehört zu den geschichtsträchtigsten Militäranlagen der Bundeswehr. Zwischen 1910 und 1916 wurde das Lager Heuberg mit zugehörigem Truppenübungsplatz für das XIV. Badische Armee-Korps errichtet. 1914 wurde auf dem Gelände der heutigen Albkaserne ein Kriegsgefangenenlager, nordwestlich des eigentlichen Lagers, eingerichtet, das bis 1917 auf 15 000 Kriegsgefangene anwuchs. Ab 1920 wurde der gesamte Bereich zivil genutzt, bis die Nationalsozialisten 1933 Teile des Lagers Heuberg nutzten. Zunächst gab es hier für einige Monate eines der ersten Konzentrationslager. (hps)