Herr Oberstleutnant, mit dem neuen Generalinspekteur der Bundeswehr, General Eberhard Zorn, und Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen konnten Sie in den letzten Tagen die oberste Führungsspitze der Bundeswehr in der Albkaserne begrüßen. Schildern Sie uns mal kurz ihre Eindrücke?

Beide Besuche boten uns die super Chance, den Standort Stetten am kalten Markt zu zeigen, den Viele ja nur vom Namen her, insbesondere vom Namenszusatz her, kennen. Als ehemaliger Kommandeur unseres Bataillons hat sich General Zorn sehr viel Zeit für das Gespräch mit den Soldaten genommen, sodass wir ihm – ganz unserer Intension entsprechend – das Feeling der aktiven Truppe vermitteln konnten. Rückmeldungen aus meiner Truppe unterstreichen, dass der neue Generalinspekteur ein offenes Ohr für die Truppe hat, vorhandene Problemfelder aufnimmt und mit guten Hinweisen auch entsprechende Lösungsansätze aufzeigte.

Und wie war es bei dem Besuch der Verteidungsministerin?

Der Besuch von Ministerin Ursula von der Leyen bot uns die einmalige Chance, der Inhaberin der Befehls- und Kommandogewalt zu zeigen, was die Frauen und Männer auf der taktischen Ebene leisten. Die Ministerin hat sich hinsichtlich unseres Ausbildungs- und Leistungsspektrums extrem wissbegierig gezeigt, das Gespräch mit den Soldatinnen und Soldaten gesucht, Antworten gegeben und nicht zuletzt auch erklärt, warum Dinge so sind, wie sie sind und wie sie die Probleme in Zukunft angehen möchte, was bei der Truppe wirklich gut ankam. Bei beiden Besuchen hatte ich nie das Gefühl unter Druck zu stehen, sondern, dass im vertrauensvollen Verhältnis wertvolle Gespräche geführt wurden.

War der Verteidigungsministerin die Bedeutung des Standorts Stetten a.k.M. bewusst?

Die Ministerin, die übrigens schon mal am Standort war, war bestens auf ihren Besuch in Stetten vorbereitet, kannte die verschiedenen Truppenteile, die hier stationiert sind, und hat sich in ihrem abschließenden Statement ja auch ausdrücklich zur Bedeutung des Standorts innerhalb der Bundeswehr bekannt.

Laut Ministerin von der Leyen ist nach 25 Jahren des Schrumpfens und Kürzens bei der Bundeswehr inzwischen die Trendwende eingeleitet. Spüren Sie davon bereits etwas in ihrem Verband? Hat sich die Personal- und Materiallage bereits verbessert?

Ja, eindeutig. Die drei Trendwenden Personal, Material und Finanzen wurden ja bereits vor einiger Zeit in die Wege geleitet. Und die verschiedenen Attraktivitätsoffensiven zahlen sich personell inzwischen auch aus. Seit 2016 habe ich einen positiven Trend in der Personallage, es geht seither permanent aufwärts. Auch beim Material werden wir kontinuierlich mit neuem Gerät ausgestattet, wenngleich die Beschaffungswege lang sind und es noch eine gewisse Zeit dauern wird, bis der erhöhte Etat voll durchschlägt.

Die Ministerin hat von weiteren Investitionen in Höhe von 180 Millionen Euro in den Standort Stetten a.k.M. gesprochen. Wissen Sie genau, was da alles geplant ist?

Auch wenn ich nur Teileinsichten habe, so ist mir dennoch bekannt, dass am Standort noch viele große Baumaßnahmen in Planung sind, von denen alle Truppenteile profitieren werden. So sollen zusätzliche Unterkunftsgebäude nach neuestem Standard entstehen. Auch neue Sportanlagen oder das Facharztzentrum, das von Sigmaringen nach Stetten verlegt wird, sind große Vorhaben, die hohe Summer verschlingen.

Ihre Truppe war von der Verlegung von Immendingen nach Stetten am kalten Markt anfangs ja nicht gerade begeistert. Inzwischen sind gut zwei Jahre ins Land gezogen. Fühlen sich ihre Frauen und Männer auf dem Heuberg inzwischen wohl?

Insgesamt fühlen wir uns hier wirklich sehr wohl. Die Soldaten schätzen besonders die gute Ausbildungs- und Infrastruktur, die uns hier zur Verfügung steht. Klar gibt es noch ein paar wenige, die sich in Immendingen wohler fühlten, als Pendler insbesondere die Nähe zur Autobahn schätzten. Aber der Gesamttenor, den mir auch meine Chefs widerspiegeln, lautet auf jeden Fall, dass wir uns hier sehr wohl fühlen.

Stetten am kalten Markt genießt in der Republik beziehungsweise unter den Soldaten nicht gerade den besten Ruf. Woran liegt das nach Ihrer Meinung?

Für mich ist das ein reines Imageproblem und liegt überwiegend an Unwissenheit. Auf jeden Fall liegt dafür absolut kein objektives Kriterium vor. So rechtfertigen schon alleine die Temperaturen nie und nimmer, von Stetten ‚am Allerwertesten’ zu reden. Bei der Bundeswehr kommt es häufig vor, dass man den Namen eines Standorts mit etwas Negativem verbindet, ohne jemals selbst vor Ort gewesen zu sein. Dann erzählt man die Dinge weiter, erfindet noch ein bisschen was dazu, und schon haftet das negative Image in den Hinterköpfen.

Wie fällt denn ihr persönliches Urteil zum hiesigen Standort aus?

Ich kann nur immer wieder betonen, dass Stetten am kalten Markt der beste Standort ist, an dem ich jemals stationiert war. Einziges Problem: Man kommt einfach nur schwer hierher, egal ob mit dem eigenen Auto oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Inzwischen sind wir viel enger mit der Gemeinde zusammengewachsen, werden von politscher und gesellschaftlicher Seite sowie von den Vereinen voll unterstützt. Zunehmend lassen sich unsere Soldaten auch hier am Standort nieder. Auch von Seiten des Landkreises und der gesamten Region verspüren wir volle Rückendeckung, besser könnte es meines Erachtens also kaum sein.

Wie könnte man die Attraktivität des Bundeswehrstandorts Stetten a.k.M. innerhalb der Streitkräfte aus ihrer Sicht steigern?

Das kann wahrscheinlich nur durch Mund-zu-Mund-Propaganda besser werden. Objektiv gibt es ja nichts, was negativ wäre. Wir haben moderne Unterkünfte, super Ausbildungseinrichtungen, eine Region, in der andere gerne Urlaub machen, wo der Lebenspartner auf jeden Fall einen Arbeitsplatz findet. Das sind alles Punkte, die man anderenorts kritisiert, die man hier aber nicht kritisieren kann. Es geht einfach darum: Viele hören Stetten am kalten Markt und denken sich, da liegt hüfthoch Schnee und drum rum gibt es keine Infrastruktur. Das kriegt man nur raus, indem man weiterhin positive Botschaften sendet und Menschen hierher kommen, und sehen, wie es wirklich ist. Es ist sicher nichts, was man bauen, kaufen oder machen kann, sondern ein reines Imageproblem.

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Gerd Feuerstein