Herr Bürgermeister, die Hälfte Ihrer Amtszeit liegt nun bereits hinter Ihnen. Können Sie für unsere Leser eine kurze Halbzeitbilanz ziehen?

Mein Berufsziel, Bürgermeister zu sein, hat sich vollkommen erfüllt. Kein Tag ist wie jeder andere und täglich gilt es, gemeinsam mit Verwaltung, Gemeinderat oder der Bürgerschaft an der Zukunft unserer Gemeinde zu arbeiten.

Was bleibt Ihnen besonders positiv, was besonders negativ in Erinnerung?

Positiv bewerte ich, dass wir nach wie vor auf eine große Anzahl ehrenamtlicher Mitbürger zurückgreifen dürfen, welche sich in den unterschiedlichsten Bereichen in das Gemeindeleben oder die Zukunftsplanung der Gemeinde mit einbringen. Leider schwindet auch bei uns die Anzahl jener, welche sich engagieren wollen, sodass vieles in der Zukunft nicht mehr leistbar sein wird. Der Ruf nach der „Gemeinde“ oder einer finanziellen Unterstützung wird hierbei immer lauter.

Haben sich Ihre Erwartungen an das Amt erfüllt und decken sich diese mit Ihren gemachten Erfahrungen?

Aufgrund meiner früheren Tätigkeiten beim Landratsamt Waldshut, bei der Gemeinde Gailingen und als Gemeinderat in Orsingen-Nenzingen war mir bekannt, was mich im Amt des Bürgermeisters erwartet. Von daher gab es keine Überraschungen für mich.

Zu den Aufregern gehörte neben dem Gaststättensterben zuletzt auch die Schließung des Ameos-Pflegeheims Ende des Jahres. Was können Sie hinsichtlich der weiteren Entwicklung in Sachen Pflegeplätze und Seniorenbetreuung berichten?

Nach Bekanntwerden der Schließung bin ich auf verschiedene Anbieter und Investoren aus dem Pflegebereich zugegangen und habe für unseren Standort geworben. Seit Beginn des Jahres wurden verschiedene Gespräche mit Interessenten geführt, dass eine Pflegeeinrichtung mit ergänzendem Betreuten Wohnen und dem Ausbau der Tagespflege für uns ein wichtiger Zukunftsfaktor ist.

Die Entscheidung zur Schließung des Ameos-Pflegehauses zum Ende dieses Jahres war für die Heuberggemeinde ein Schock. Inzwischen blickt das Gemeindeoberhaupt aber wieder optimistisch nach vorne.
Die Entscheidung zur Schließung des Ameos-Pflegehauses zum Ende dieses Jahres war für die Heuberggemeinde ein Schock. Inzwischen blickt das Gemeindeoberhaupt aber wieder optimistisch nach vorne. | Bild: Gerd Feuerstein

Seit Bekanntwerden des konkreten Verkaufsangebots von Ameos hat das Interesse an der Liegenschaft nochmals deutlich zugenommen. Sicherlich hat auch das angrenzende Gemeindegrundstück, welches für einen Anbau oder Neubau einer Pflegeeinrichtung zur Verfügung gestellt wird, das Interesse unterstützt. Die bisherigen Gespräche verlaufen sehr positiv, sodass ich zuversichtlich in die Zukunft blicke.

Ein Dauerbrenner sind auch die Einkaufsmöglichkeiten, die durch die Schließung des „Treffs 3000“ merklich schlechter geworden sind. Sehen Sie Chancen, in absehbarer Zeit einen Vollsortimenter in Stetten anzusiedeln?

Die Schließung des „Treffs 3000“ hat unsere Einkaufssituation völlig verändert. In Stetten wieder einen Vollsortimenter zu etablieren, steht auch auf meiner Wunschliste ganz weit oben. Aber nicht alles was wünschenswert ist, ist auch tatsächlich umsetzbar. Die übergeordneten Fachbehörden können unser Ansinnen in diese Richtung leider nicht teilen. Auch bleibt abzuwarten, wie sich die anderen Discounter weiter positionieren.

Die Weiterentwicklung des Nahverkehrskonzepts „Großer Heuberg“ gehört zu den Dauerthemen, die Bürgermeister Maik Lehn seit seinem Amtsantritt ständig begleiten.
Die Weiterentwicklung des Nahverkehrskonzepts „Großer Heuberg“ gehört zu den Dauerthemen, die Bürgermeister Maik Lehn seit seinem Amtsantritt ständig begleiten. | Bild: Gerd Feuerstein

Auch das Nahverkehrskonzept und die Schülerbeförderung sorgen für permanenten Wirbel und Unruhe unter den Eltern. Wie soll es da nach Ihrer Ansicht weiter gehen? Welche Lösungen zeichnen sich ab?

Aus meiner Sicht reduzieren viele das Nahverkehrskonzept auf eine reine Schülerbeförderung, wenn gleich ich nicht verkenne, dass die Schüler in Summe die größten Nutzer einer öffentlichen Beförderung sind. Der Gemeinderat hat in seiner letzten Sitzung einstimmig beschlossen, dass Gespräche mit den Nachbargemeinden geführt werden sollen, ob die zusätzlichen Buskosten von mehreren Schultern getragen werden können. Insoweit müssen wir diese Ergebnisse abwarten, bevor wir über Weiteres entscheiden können.

Das könnte Sie auch interessieren

Aktuell hat die Stadt Sigmaringen erklärt, dass sie, entgegen Ihren Ausführungen, nicht aus der Ko-Finanzierung der derzeitigen Busverbindung aussteigen werde. Wie kam denn dieses Missverständnis zustande?

Nachdem der Landkreis Ende 2018 aus der Ko-Finanzierung ausgestiegen ist, galt es, die Finanzierung noch bis zum Schuljahresende zu sichern. Zwischen Stetten und Sigmaringen wurde vereinbart, dass dieser Fehlbetrag je zur Hälfte getragen wird und im genannten Zeitraum nach anderen Lösungsmöglichkeiten gesucht wird. Die Stadtverwaltung hat erfreulicherweise auch für die kommenden Jahre Haushaltsmittel eingeplant, was aber so an uns nicht kommuniziert wurde und letztlich zum Missverständnis führte. Dieses ist zwischenzeitlich beseitigt. Kürzlich fanden weitere Gespräche mit dem Landkreis und der Stadtverwaltung statt, wie es zukünftig weitergehen kann. Näheres dazu in einer der nächsten Gemeinderatssitzungen.

Junge Familien zu halten und anzuziehen ist für die Weiterentwicklung der Gemeinde sicher von größter Bedeutung. Wie sehen Sie Stetten diesbezüglich aufgestellt?

Ohne Frage sind Kinder unsere Zukunft. Wir versuchen, im Bereich der Kinder- und Schulbetreuung den vielfältigen Wünschen der Eltern optimal nachkommen zu können. Hierbei müssen wir jedoch unsere Ressourcen und die baulichen Möglichkeiten im Auge behalten, sodass nicht immer alles möglich ist und kostenlos angeboten werden kann.

Das könnte Sie auch interessieren

Und wie sieht es mit weiteren Bauplätzen aus? Die Plätze in der Europastraße sind verkauft und größtenteils bereits bebaut. Können neue Baugebiete ausgewiesen und erschlossen werden?

Bereits seit letztem Sommer sind wir mit Grundstückseigentümern im Gespräch, um deren Bereitschaft eines Flächenverkaufs zu klären. Leider zeigt es sich, dass es nicht nur in den großen Ballungsräumen schwierig ist, an Wohnbaugrundstücke zu kommen. In Zeiten der Niedrigzinsphase ist dies in einigen Fällen fast schon nachvollziehbar. Die bisherigen Gespräche sind jedoch auf einem guten Weg.

Die Gemeinde steckt viel Geld in den Ausbau der Breitbandversorgung. Im Laufe des Jahres kommt die Anbindung an das Glasfasernetz der Breitbandversorgungsgesellschaft des Landkreises Sigmaringen (BLS) von Oberschmeien nach Stetten und Schwenningen.
Die Gemeinde steckt viel Geld in den Ausbau der Breitbandversorgung. Im Laufe des Jahres kommt die Anbindung an das Glasfasernetz der Breitbandversorgungsgesellschaft des Landkreises Sigmaringen (BLS) von Oberschmeien nach Stetten und Schwenningen. | Bild: Gerd Feuerstein

Die Gemeinde steckt in Zusammenarbeit mit der Breitbandversorgungsgesellschaft Sigmaringen (BLS) viel Geld in den Ausbau der Breitbandversorgung. Wie geht es derzeit weiter?

Das Thema Telekommunikation ist eigentlich keine gemeindliche Aufgabe. Aber weil die Telekommunikationsunternehmen nicht richtig in die Gänge kommen, haben sich viele Gemeinden zu größeren Einheiten zusammengeschlossen und sich dem Thema angenommen. Wenn Verbindungen schlecht oder unzureichend sind, schlägt der Bürger als erstes bei der Gemeinde auf und diese dürfen nun ausbügeln, was viele Jahre von den Unternehmen vernachlässigt oder gar verschlafen wurde. In einem ersten Schritt müssen wir zunächst das Glasfasernetz in Oberschmeien abholen und dieses nach Stetten und Schwenningen bringen, damit weitere Anschlüsse möglich werden.

Wie viele Kunden haben einen Anschluss an das Netz der BLS bestellt?

Durch das Nahwärmenetz in Stetten und Storzingen haben sich aktuell 95 Kunden angemeldet. Überall, wo Straßenbaumaßnahmen im größeren Stil laufen, werden Leerrohre verlegt und Eigentümer angefragt, um weitere Kunden zu gewinnen.

Was können Sie in Sachen Mobilfunk für den Ortsteil Storzingen berichten?

Mit der zweiten Alternativplanung wurde am Ende der Straße „Beim Schulhaus“ ein Standort gefunden, der eigentumsrechtliche Fragen berücksichtigt und auf den Natur-, Vogel und Landschaftsschutz Rücksicht nimmt. Der Bauantrag wird derzeit vorbereitet, sodass dieser im Mai dem Ortschafts- und Gemeinderat vorgestellt, und das weitere Verfahren fortgeführt werden kann.

Vor vier Jahren sind Sie als unabhängiger Kandidat angetreten. Inzwischen sind Sie der CDU beigetreten und kandidieren für diese für den Kreistag. Wo sehen Sie da Ihre Schwerpunkte?

In einer möglichen Kreistagsarbeit setze ich für mich keine Schwerpunkte. Als Kreisrat sind alle Themen für eine positive Entwicklung der ländlichen Gemeinden von Interesse und Wichtigkeit.

Und welche Themen haben in Stetten in den kommenden Jahren für Sie oberste Priorität?

Auch hier beschränke ich mich nicht auf einzelne Sachthemen. Unsere Bundeswehr gehört zu Stetten wie eine gute Gemeinschaftsschule, gute Straßen und Wege oder ein intaktes Gemeindeleben mit vielen engagierten Mitbürgern, welche hoffentlich, unter anderem im Jahr 2021 wieder das Spectaculum ausrichten werden.