Nein zum Kalkabbau in Glashütte, ebenso kategorisch wie das Nein zum Kalkabbau am Mittelberg im benachbarten Thiergarten. Diese beiden Grundpositionen der "Bürgerinitiative zur Erhaltung von Umwelt und Lebensqualität Stetten" wurden am Samstag bei der Hauptversammlung im Gasthaus "Schwane" in Glashütte deutlich unterstrichen. Kritik wurde an der Informationspolitik der Firma "Glashütter Naturweiß" als Betreiberin der Abbruchpläne geübt. Gleichzeitig erhielt das Landratsamt Sigmaringen für seine Positionen in Sachen Abbau die Bestnoten. Dieses Fazit ergab sich aus den Beiträgen des Vorsitzenden Lothar Löffler und seines Stellvertreters Martin Biebl.

Derzeit herrsche, so stellte Löffler fest, Funkstille sowohl beim beabsichtigten Kalkabbau in Glashütte durch die Firma "Glashütter Naturweiß" als auch beim geplanten Kalkabbau am Mittelberg durch das Adelshaus Fürstenberg. So konnte Martin Biebl nur die Resultate eines Skopingtermins vom vergangenen März vortragen. Kritisch merkte Biebl an, dass Daten der Betreiberfirma über die chemische Zusammensetzung der Kalke, die öffentlich im März vorgestellt worden seien, nun nicht mehr veröffentlicht werden dürften. Er stellte die Frage: "Warum werden diese Bohrergebnisse nicht veröffentlicht?"

Gefahren für Grundwasser

Nach dem Skopingtermin steht für die Bürgerinitiative fest, dass der Abbauplan bei Glashütte eigentlich schon erledigt sei. Dabei beruft sich Biebl auf die Aussagen des Landratsamtsfachbereichs "Umwelt und Grundwasserschutz". Aus Sicht dieser Fachleute, so schilderte es Biebl, ergeben sich durch die Verkarstung in diesem Bereich besondere hydrologische Rahmenbedingungen. Das bedeute hohe Fließgeschwindigkeiten des Grundwassers. Außerdem sei "von direkter Fließrichtung und geringen Fließzeiten zu den Quellfassungen im Donautal auszugehen". Sollten sich diese Annahmen bei den geplanten Fließversuchen bestätigen, wäre damit wegen möglicher Gefahren für das Grundwasser der Abbau weder in Form eines Hang- noch mit der Methode des Kesselabbaus bei Glashütte möglich. Biebl argumentierte weiter: "Nach Auffassung der Behörden kann der in der Wasserschutzgebietsverordnung geforderte Nachweis der Unbedenklichkeit nicht mit Sicherheit erbracht werden." Die Betreiberfirma habe sich, so Biebl, mit dem Landratsamt auf verschärfte Bedingungen bei dem bevorstehenden Fließversuch verständigt.

Der Bürgerinitiativen-Sprecher würdigte die konsequente Haltung der Landkreisverwaltung zum Schutz der Bürger. Skeptisch beurteilt Biebl die Ankündigung der Betreiberfirma, auf den Abbau bei Glashütte verzichten zu wollen, wenn die Ergebnisse die Befürchtungen der Fachleute aus dem Landratsamt bestätigen sollten. Biebl: "Mal sehen, ob die Aussage im Ernstfall Bestand hat!" Natürlich dürfte der Fließversuch nicht im ohnehin trockenen Hochsommer stattfinden, wenn das Grundwasser besonders niedrig sei und langsam fließe.

Die Bürgerinitiative befürwortet beim beabsichtigten Kalkabbau genau die gleichen strengen Umweltauflagen wie beim Sprengplatz der Bundeswehr. Dabei sieht sich Biebl aber der Argumentation der "Glashütter Naturweiß" gegenüber. Sie vertrete die Ansicht, dass zivile Sprengstoffe in ihrer Umweltverträglichkeit nicht mit den militärischen Sprengstoffen vergleichbar seien.

Hauptproblem Abtransport

Ein Hauptproblem sieht die Bürgerinitiative sowohl beim geplanten Abbau in Thiergarten als auch in Glashütte beim Abtransport des Materials per Lastwagen. Martin Biebl geht davon aus, dass im Fall Mittelberg die Transportfahrten von Thiergarten aus nicht durch das Donautal, sondern über Stetten und Storzingen erfolgen würden. Dazu kämen dann die Lastwagen mit dem Glashütter Material. Er befürchtet: "Dieser Abtransport würde je zur Hälfte über Stetten in Richtung Sigmaringen und über Schwenningen, Heinstetten, Hartheim und Meßstetten in Richtung Albstadt erfolgen." Deshalb begrüßt die Bürgerinitiative das doppelte Nein des Stettener Gemeinderates zu beiden Abbauplänen.

 

Bürgerinitiative

Die Bürgerinitiative zur Erhaltung von Umwelt und Lebensqualität Stetten verfügt derzeit über 215 Mitglieder. Sie ist ein eingetragener Verein. Anlass zur Vereinsgründung war die geplante Einrichtung eines großen Steinbruches auf der Gemarkung Oberglashütte. Vorsitzender ist Lothar Löffler. Die Bürgerinitiative ist durch ihren Vorsitzenden und seinen Stellvertreter Martin Biebl im Stettener Gemeinderat vertreten. In den vergangenen Monaten hat die Bürgerinitiative durch Politikerbesuche immer wieder auf das aus ihrer Sicht problematische Abbauvorhaben hochreiner Kalke hingewiesen. Weitere Informationen im Internet unter www.bi-stetten-akm.de/ (hps)