Beim gemeinsamen Neujahrsempfang von Gemeinde und Garnison haben das Gemeindeoberhaupt und der Standortälteste Ziele und Schwerpunkte für die kommenden Monate formuliert. Dabei betonte Oberst Jochen Gumprich das gute Miteinander zwischen Zivilbevölkerung und Militär, das in der gesamten Region vorhanden und bei allen den Landesteil vertretenden politischen Repräsentanten gegeben sei.

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Der starke Zuwachs des Standortes erfordere, dass neu zuversetzte Soldaten und „vor allem deren Familien“ in der hiesigen Gesellschaft zu integrieren seien. Gerade die Familien seien es, die bei einsatzbedingten Abwesenheiten der Soldaten die Hauptlast zu tragen hätten. Umso wichtiger sei ein positives Umfeld: „Allen, die hierzu beitragen – sei es Integration in Vereine, Vermietung von Wohnungen, gute Nachbarschaft und dergleichen – möchte ich an dieser Stelle herzlich danken“, sagte der Oberst. Er wies darauf hin, dass es vermehrt Soldaten geben werde, „die wir zwingen müssen, sich Pendlerwohnungen außerhalb der Kaserne zu suchen und hier einen wirklichen zweiten Wohnsitz einzurichten“. Kraftvoller Ausdruck der engen Verbindung zwischen Militär und Bevölkerung sei aus seiner Sicht das „Stettener Sommertheater – dem Himmel so nah“ gewesen: „Das war ein tolles Beispiel, wozu Sie in gemeinsamer Kraftanstrengung in der Lage sind“, zeigte sich Gumprich sehr beeindruckt.

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In seiner Rückschau bedauerte er, dass die Bundeswehr auch wieder tragische Todesfälle durch Flugunfälle zu beklagen hatte, die leider „von abstoßendem Nachtreten in den sozialen Medien begleitet“ worden waren. Es gäbe aber auch Positives zu vermelden. So sei der eine oder andere Engpass in der Materiallage behoben, und wichtige Entscheidungen zur Beschaffung gefasst worden. Gerade für seinen Zuständigkeitsbereich, der Kampfmittelabwehr, sei ein wichtiger Vertrag zum Kauf von rund 150 Kleinmanipulatoren und weiterem Kleingerät geschlossen worden.

Die Manipulatoreneinheit „PackBot“ erklimmt die Treppe, um das Obergeschoss zu inspizieren
Die Manipulatoreneinheit „PackBot“ erklimmt die Treppe, um das Obergeschoss zu inspizieren | Bild: Gerd Feuerstein

Derzeit werde ein neues Kampfmittelaufklärungs- und Identifikationsfahrzeug an seine Truppe übergeben. „Das sind Dinge, die nicht jeden Tag in den Medien stehen“, machte der Oberst den Unterschied zu Großwaffensystemen deutlich, über deren „Mängel“ gerne ausführlich berichtet werde. Aufgrund der Überalterung des vorhandenen Geräts sei „der Bedarf auch an allen Enden zu finden“, weswegen es aus seiner Sicht noch bis mindesten 2027 dauern werde, bis „wir wieder eine Division modern und einsatzbereit haben“.

Das neue Facharztzentrum vor den Toren der Kaserne nimmt langsam Gestalt an. Dagegen lässt der Bau einer neuen Sporthalle in der Kaserne noch auf sich warten.
Das neue Facharztzentrum vor den Toren der Kaserne nimmt langsam Gestalt an. Dagegen lässt der Bau einer neuen Sporthalle in der Kaserne noch auf sich warten. | Bild: Gerd Feuerstein

In Sachen Infrastruktur des Standortes schreite der Bau des Facharztzentrums vor den Toren der Kaserne „recht zügig voran“. Dagegen lasse die neue Turnhalle weiter auf sich warten: „Hier gilt es noch ein paar Hausaufgaben zu machen“, berichtete Gumprich, und musste damit diejenigen „vertrösten“, die auf eine Mitnutzung warteten.

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Er ging auch auf die Großübung zur Terrorabwehr in Baden-Württemberg „BwTEX“ ein, die auf dem Heuberg stattgefunden hatte und die die größte Übung ihrer Art war, die in der Bundesrepublik bis dato stattgefunden hat: „Als Soldat und Staatsbürger kann ich solche Übungen nur begrüßen“, sagte er und ergänzte: „Gegen Terrorgefahr müssen alle verfügbaren Kräfte eingesetzt werden können“. Weil es um Leib und Leben von Bürgern des Landes gehe und die Bundeswehr aufgrund ihrer vorhandenen Fähigkeiten schlicht und einfach hinzugezogen werden müsse, sei der eingeschlagene Weg der Richtige und könne daher „nicht nur gebetsmühlenhaft mit verfassungsrechtlichen Bedenken belegt werden“. Das habe auch Innenminister Thomas Strobl beim diesjährigen Streitkräfteempfang unterstrichen. Dass diesem dabei zu Stetten a.k.M. als Austragungsort „nichts anderes als Kälte und schlechtes Wetter eingefallen“ sei, bedauerte der Standortälteste: „Ich darf Ihnen versichern, Ihr Bürgermeister hat hörbar protestiert“.

Der Standortälteste Oberst Jochen Gumprich ließ bei seiner Ansprache beim Neujahrsempfang hinter die Kulissen der Truppe blicken.
Der Standortälteste Oberst Jochen Gumprich ließ bei seiner Ansprache beim Neujahrsempfang hinter die Kulissen der Truppe blicken. | Bild: Gerd Feuerstein

Nach einem Ausflug in die Weltpolitik und die aktuellen Entwicklungen im Irak und Iran machte Gumprich deutlich, dass im neuen Jahr erneut die Stichworte „Einsatz“, „Übungen“, „Ausbildung“ ganz auf der Agenda der Truppe stünden: „Auf dem Übungsplatz wird also wieder einiges los ein und man wird manche Nacht Gefechtslärm hören“. Auch fehlendes Personal macht der Truppe noch Sorgen: „Die Nachwuchsgewinnung hat für unseren Standort noch nicht den zufriedenstellenden Erfolg gebracht“, bedauerte Gumprich. Sehr zur Freude der Zuhörer stellt er abschließend in Aussicht, „dass wir den Tag der Bundeswehr in 2021 wieder nach Stetten am kalten Markt bekommen“.