Nach kontroverser Debatte hat der Stettener Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung mehrheitlich zugestimmt, die Kindertagesstätte (Kita) Arche Noah zu einem Kinder- und Familienzentrum weiterzuentwickeln. Eingangs wies Bürgermeister Maik Lehn darauf hin, dass die Stettener Kindertageseinrichtungen einem dauerhaften Entwicklungsprozess unterliegen, bei dem die kirchlichen Träger und die Kommune sehr eng zusammenarbeiteten.

Kindergarten-Leiterin stellt Verwaltung Konzept für Familienzentrum vor

Er informierte, dass Manuela Unger, Leiterin des katholischen Kindergartens, sowie Ina Brehm von der katholischen Verrechnungsstelle Anfang Dezember bei der Verwaltung vorgesprochen hätten, um das Konzept zur Weiterentwicklung der Arche Noah zum Kinder- und Familienzentrum (Kifaz) vorzustellen. Der Bildungs-, Erziehungs- und Betreuungsauftrag einer Kita werde bei einem Kifaz durch die Bereiche Bildung (beispielsweise Elterntraining), Begleitung (wie Unterstützung bei Behördengängen), Beratung (wie Elternsprechstunden mit Experten) sowie Begegnung (wie Treff für Alleinerziehende) ergänzt.

Land und Erzdiözese fördern Projekt auf drei Jahre

Zwar würden in der Arche Noah bereits einige Elemente eines Kifaz angeboten, doch sollen diese durch die Weiterentwicklung bedarfsorientiert und wohnortnah ergänzt werden. So sollen beispielsweise Selbsthilfe, Selbsttätigkeit und Selbstwirksamkeit der Eltern gestärkt oder Familien mit besonderem Unterstützungsbedarf begleitet und entlastet werden. „Sowohl das Land als auch die Erzdiözese fördern das Projekt, sodass auf uns in den ersten Jahren keine Kosten zukommen“, sagte der Bürgermeister. Er befürworte das Projekt: „Nach dem dritten Jahr müssten wir dann final entscheiden, ob das Projekt weitergeführt wird“.

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„Eltern brauchen immer mehr Unterstützung in Fragen der Erziehung“

Manuela Unger erklärte, dass sie inzwischen mehrere Fortbildungen besucht habe und das gesamte Kindergartenteam hinter dem Projekt stehe, weil Eltern immer mehr Unterstützung in Fragen der Erziehung bräuchten. Als Angehörige einer Expertengruppe des Landkreises sei sie bereit, die Leitung des Kifaz zu übernehmen: „Der zusätzliche Aufwand soll durch die Einstellung eines Hilfskraft für die Leitung aufgefangen werden“, informierte Bürgermeister Maik Lehn. Dies solle über die Landesförderung finanziert werden.

Bürgermeister: Auf Bedürfnisse der Familien eingehen

Weil die Weiterentwicklung zum Familienzentrum einem dynamischen Prozess unterliege, könne man derzeit noch nicht genau sagen, in welche Richtung sich die Arche Noah bewege. Wichtig sei, dass künftig auf die Bedürfnisse der Familien eingegangen werde: „Daher ist es schwierig, bereits heute die Folgekosten festzulegen, die das Kifaz nach Auslaufen der Förderung verursachen wird“, sagte Lehn. Er gab das Ziel aus, das Familienzentrum dennoch langfristig zu betreiben. „Im Moment sind die Kosten aber klar gedeckelt“, meinte er und wies erneut darauf hin, dass am Ende des dritten Jahres weiterentschieden werde.

Angebot steht auch Eltern aus anderen Kindergärten offen

Manuela Unger informierte, dass das Familienzentrum auch Eltern anderer Kindergärten offen stehe, sofern die Kooperation gewünscht sei. In der Debatte standen die meisten Gemeinderäte dem Projekt positiv gegenüber.

Klaus-Dieter Halder (CDU): Weiterfinanzierung wird an Gemeinde hängenbleiben

Aber es gab auch kritische Stimmen. So nannte Klaus-Dieter Halder (CDU) die Zuschüsse einerseits verlockend, andererseits sei ihm aus Erfahrung klar, dass man das Rad nach drei Jahren nicht mehr zurückdrehe: „Dann wird die Weiterfinanzierung wohl an der Gemeinde hängenbleiben.“ Er wolle sich dem Projekt aber nicht verweigern.

Daniel Sauter (FW): Sämtliche Beratungsangebote schon vorhanden

Klar gegen das Projekt sprach sich Daniel Sauter (FW) aus: „Stetten ist kindergartenmäßig absolut super aufgestellt“, befand er. Er könne daher keinen weiteren Bedarf erkennen: „Sämtliche Beratungsangebote sind bereits jetzt in vielfältiger Weise bei Jugendamt, Caritas und dergleichen vorhanden.“ Man müsse dies nur in Anspruch nehmen. Insofern müsse man auch mal den Mut haben, nein zu sagen, zumal es – „auch jüngsten Aussagen des Gemeindeoberhaupts zu Folge“ – mehr und mehr gelte, Notwendiges vom Wünschenswerten zu trennen.

Überprüfung und neue Entscheidung nach drei Jahren

Nach ausgiebiger Debatte stimmte das Gremium mit neun zu drei Stimmen und einer Enthaltung dafür, die Arche Noah zum Familienzentrum weiterzuentwickeln und eine Hilfskraft zur Unterstützung der Leitung einzustellen. Nach Ende des dritten Projektjahres soll hinsichtlich der Kosten eine Zwischenbilanz gezogen werden. Der Gemeinderat solle dann über die Zukunft des Projekts entscheiden.