Eine gute Schule braucht Rückhalt in der Öffentlichkeit, beim Schulträger, bei Eltern und Schülern. Sie braucht moderne Räume und Lehrmittel sowie engagierte Lehrkräfte. Das sind auf den Punkt gebracht die Voraussetzungen, die Schulleiter Klaus Flokerzie beim Informationstag für den Erfolg der Gemeinschaftsschule nannte. Und – sie braucht natürlich Schüler. Die Empfangsrunde für die interessierten Eltern in der Aula war aber mehr als nur die obligatorische Begrüßung der Gäste. Die Gemeinschaftsschule in der Garnisonsgemeinde besteht seit fünf Jahren und gehört zu den Pionieren dieses Schultyps in Baden-Württemberg. Aus diesem Grund war die politische Seite nicht nur durch Bürgermeister Maik Lehn vertreten. Der CDU-Landtagsabgeordnete Klaus Burger saß ebenso in der ersten Reihe wie der frühere Landes-Schulminister und heutige Fraktionsvorsitzende der SPD im Stuttgarter Landtag Andreas Stoch, der zu Besuch gekommen war.

"Der Schulträger steht wie eine Mauer hinter dem Schulzentrum," diese Erfahrung stellt Flokerzie in den Mittelpunkt seiner Begrüßungsrede. Als Beispiel für das Engagement aus dem Rathaus nannte er die neue Buslinie nach Winterlingen oder die neuen Fachräume für den Chemie- und Biologieunterricht. Doch der seit einem halben Jahr amtierende Schulleiter ging noch einen Schritt weiter. Seiner Meinung nach brauche die Gemeinschaftsschule nicht nur gute, sondern "bestmögliche" Rahmenbedingungen. Aus seiner Sicht hat sich die Gemeinschaftsschule als neuer Schultyp im Südweststaat inzwischen etabliert. "Es gibt gegenwärtig 300 Schulen dieser Art mit rund 50 000 Schülern", stellte Flokerzie fest.

Auf besonderes Interesse der erwachsenen Besucher stoßen die Fachräume für Biologie und Chemie. Im Bild zu sehen ist eine Gruppe im Biologiesaal unter Führung des stellvertretenden Schulleiters Jürgen Lebherz (im hellen Anzug).
Auf besonderes Interesse der erwachsenen Besucher stoßen die Fachräume für Biologie und Chemie. Im Bild zu sehen ist eine Gruppe im Biologiesaal unter Führung des stellvertretenden Schulleiters Jürgen Lebherz (im hellen Anzug).

Der ehemalige Kultusminister stellte sich hinter die Entscheidung der damals grün-roten Landesregierung, den neuen Schultyp einzuführen. Andreas Stoch stellte fest: "Angesichts des Schülermangels war die Einführung der Gemeinschaftsschule eine zwingende Notwendigkeit." Der Sozialdemokrat sieht in "brauchbaren" Schulen gerade im ländlichen Raum einen wesentlichen Standortfaktor. Gerade die Gemeinschaftsschule in Stetten habe eine große Bedeutung für das Umland. Klaus Bürger, dessen Partei dem neuen Schultyp kritisch gegenübersteht, unterstrich die Daseinsberechtigung der Gemeinschaftsschule in Stetten. Er sprach von einem für Stetten passgenauen pädagogischem Konzept. Der Schule bescheinigte der Christdemokrat Lernen auf höchstem Niveau.

Doch warum sollten Eltern ihre Kinder nach der Grundschule in der Gemeinschaftsschule anmelden? Klaus Flokerzie nannte dafür mehrere Gründe. Im Vordergrund steht für ihn die individuelle Förderung. Beispielsweise werde im gleichen Fach in drei Niveaustufen unterrichtet. Er verwies darauf, dass Lehrer aus allen Schultypen, einschließlich einer Sonderpädagogin an seiner Schule unterrichteten. In der Gemeinschaftsschule sieht der Pädagoge auch das optimale Umfeld für die Verwirklichung der Inklusion. Noch intensiver führte Konrektor Jürgen Lebherz die Zuhörer in den Unterrichtsalltag ein.

Andrea Baaske war eine der Mütter, die sich für die Gemeinschaftsschule interessierten. Zusammen mit ihrem Mann hat sich die Schwenningerin für die Stettener Schule entschieden. Für die Eltern habe nicht nur das Votum des bisherigen Klassenlehrers gezählt. Baaske: "Ich finde die individuelle Betreuung der Kinder so wichtig." Nach Schätzung der Schulleitung hatten über 100 Väter und Mütter zwei Stunden lang die Möglichkeit, die Schule in Augenschein zu nehmen und mit Lehrern und älteren Schülern zu sprechen.

 

Die Schule

Das Schulzentrum mit der zur Gemeinschaftsschule gehörenden Grundschule besteht in dieser Form seit fünf Jahren. Gegenwärtig werden 430 von 45 Lehrern unterrichtet. An Abschlüssen sind der Haupt- und Realschulabschluss möglich. Außerdem können Schüler von der zehnten Jahrgangsstufe in ein berufliches oder allgemeinbildendes Gymnasium wechseln. (hps)