Das "Ameos Pflegeheim Silberdistel" in Stetten am kalten Markt schließt Ende 2019 seine Pforten. Wie eine Bombe schlug diese Nachricht in der Heuberggemeinde ein. Wie Carsten Spira, zuständiger Regionalleiter Kommunikation von Ameos Süd, am Donnerstagabend via Pressemitteilung wissen ließ, konnte für das Haus Silberdistel in Stetten a.k.M. "trotz intensiver baulicher Prüfungen und langjähriger Bemühungen kein tragfähiges Konzept für die Weiterführung des Pflegehauses erarbeitet werden". Das Gebäude könne nicht an die neuen Anforderungen der Landesheimbauverordnung angepasst werden und müsse daher den Betrieb Ende 2019 einstellen.

Einrichtungsdirektorin Cornelia Eppler, ihr Kollege Manuel Bäuerle sowie Pflegedienstleiterin Christina Czedlak (von links) erläutern die baulichen Vorgaben und Hintergründe, die zur Schließung der Stettener Pflegeeinrichtung führen.
Einrichtungsdirektorin Cornelia Eppler, ihr Kollege Manuel Bäuerle sowie Pflegedienstleiterin Christina Czedlak (von links) erläutern die baulichen Vorgaben und Hintergründe, die zur Schließung der Stettener Pflegeeinrichtung führen. Bild: Gerd Feuerstein

Das Team der Einrichtung werde gemeinsam mit den Bewohnern und Angehörigen den Umzug vorbereiten. Die Versorgung der Bewohner sei dabei in gewohnter Qualität weiterhin sichergestellt. Durch das erweiterte Leistungsangebot – Ameos wird sein Pflegeangebot an den Standorten Winterlingen und Ebingen ausbauen – könnten alle Mitarbeitenden innerhalb der Ameos Einrichtungen in Schwaben weiterbeschäftigt werden.

Ein Bild aus besseren Tagen: Die jährlichen Sportfeste in der Silberdistel gehörten zu den Highlights für die Bewohner. Derzeit blicken die meisten von ihnen eher sorgenvoll in die Zukunft.
Ein Bild aus besseren Tagen: Die jährlichen Sportfeste in der Silberdistel gehörten zu den Highlights für die Bewohner. Derzeit blicken die meisten von ihnen eher sorgenvoll in die Zukunft. Bild: Gerd Feuerstein

Dennoch zeigten sich die Mitarbeiter in ersten Reaktionen "total geschockt und ziemlich frustriert", wie die beiden Einrichtungsdirektoren Cornelia Eppler und Manuel Bäuerle am gestrigen Freitag gegenüber dem SÜDKURIER einräumten. Im ersten Moment sei diese Reaktion "völlig normal", zuckt Pflegedienstleiterin Christina Czedlak mit den Schultern, es sei ihr persönlich genauso ergangen. Die anfangs sehr gedrückte Stimmung habe sich inzwischen bereits wieder gebessert und viele würden den Blick nach vorne richten: "Wir haben ja das Glück, das man uns nicht hängen lässt und alle entsprechenden Angebote in den benachbarten Häusern erhielt." Hinter vorgehaltener Hand hört sich das bei den Betroffenen allerdings etwas anders an. Nicht jeder habe einen Führerschein und könne pendeln. Und meistens käme es eh anders, als versprochen.

Überraschung im Heimbeirat

Auch im Heimbeirat, der am Donnerstagabend kurz vor den Bewohnern und Angehörigen informiert wurde, war die Überraschung groß: "Wir sind aus allen Wolken gefallen", berichtet Ulrike Lehmann. Die meisten hätten geglaubt, dass man im Beirat neue Umbaupläne vorlegen würde. "Und dann so eine Mitteilung, da bleibt einem doch die Spucke weg." So ging es auch Bewohnerin Liselotte Frei, die seit vier Jahren in der Silberdistel lebt und sich dort "bisher rundherum wohl" fühlte. "Aber heute Nacht konnte ich kein Auge zumachen", obwohl sie sonst prima schlafe. Wir waren alle total geschockt und sprachlos", kann es Frei noch immer nicht fassen. Auch Evi Eichbaum, die bei der Information der Bewohner und Angehörigen zugegen war, zeigt sich entsetzt. "In Stetten geht derzeit offenbar vieles den Bach runter", ist sie frustriert. "Es schließen Lokale, Supermärkte und jetzt auch noch das Pflegeheim", sagt sie und das vor dem Hintergrund, dass Stetten zum größten Standort der Bundeswehr in Süddeutschland werde. "Wo wird das wohl noch hinführen", fragt sie sich.

Evi Eichbaum macht sich Sorgen um die Entwicklung der Gemeinde: "Derzeit geht derzeit offenbar einiges den Bach runter."
Evi Eichbaum macht sich Sorgen um die Entwicklung der Gemeinde: "Derzeit geht derzeit offenbar einiges den Bach runter." Bild: Gerd Feuerstein

Da hat offensichtlich auch Bürgermeister Maik Lehn kein Geheimrezept in der Tasche, dem "die Hiobsbotschaft" – wie er sich ausdrückt – am Dienstagmittag überbracht wurde. "Ich wurde gebeten, die Sache noch vertraulich zu behandeln, da zunächst die Mitarbeiter, Bewohner und Angehörige informiert werden sollten", berichtet Lehn. Wichtig sei ihm gewesen, dass Bewohner und Mitarbeiter eine Zukunftsperspektive hätten und dies durch die Verteilung auf andere Häuser "wohl gewahrt" sei. Die Schließung des Pflegeheims sei "ein großer Verlust für die Gemeinde", weil es in Stetten keinen Ersatz mehr gäbe und Pflegebedürftige den Ort verlassen müssten.

Planung wurde angepasst

"Der Verlust an Einwohnern wird in den nächsten Jahren große finanzielle Einbußen mit sich bringen", sagte der Schultes, der darauf hinweist, dass er in seinen bisherigen Gesprächen mit Ameos stets darum geworben habe, den Altbestand den Erfordernissen anzupassen und auf den angrenzenden Flächen ein An- oder Neubau zu realisieren. Um die baurechtlichen Voraussetzungen zu schaffen, werde derzeit sogar der Flächennutzungsplan entsprechend angepasst. "Dass es nun ganz anders kommt, ist für mich völlig überraschend und auch sehr enttäuschend". Dennoch habe er Ameos zugesichert, dass die Gemeinde bei der Nachnutzung des Gebäudes und des Areals gerne behilflich sein werde.

Für viele Einrichtungen das Aus

Nicht nachvollziehbar seien für ihn die Vorgaben durch die Landesheimbauverordnung. Diese bedeuteten für viele Einrichtungen das Aus. "Es stellt sich für mich die Frage, warum die bisherige Regelung der Zweibettzimmerbelegung nicht fortgeführt werden kann", zweifelt das Gemeindeoberhaupt. "Schon heute können sich viele die Kosten einer Pflegeeinrichtung nicht mehr leisten, und in vielen Fällen muss der Staat dafür aufkommen", stellt Bürgermeister Lehn fest.