Als eine der ersten Kommunen im Landkreis Sigmaringen reiht sich die Garnisonsgemeinde in die Reihen der Aktiven zur Bekämpfung des Insektensterbens ein. Stetten macht bei der Aktion "Blühender Naturpark Obere Donau" mit. Zum Auftakt beteiligten sich Jungen und Mädchen aus dem Kindergarten "Arche Noah" an der Einsaat einer Wildblumenfläche beim Knusperhäusle. Das Rathaus hat bereits zwei Flächen auf dem Areal der ehemaligen Gaststätte "Krone" und in der Nähe des Friedhofs von Mitarbeitern des Bauamtes mit der speziellen Blumen- und Gräsermischung des Naturparks für das kommende Frühjahr vorbereitet. Ziel ist es, durch spezielle Blumensaaten nicht nur dem menschlichen Betrachter den Anblick einer bunten Wiese zu vermitteln. Gleichzeitig soll mit den Wiesenpflanzen das Überleben bestimmter Insektenarten, wie beispielsweise der Wildbienen, unterstützt werden.

Kein Allerweltsprodukt

Die Operation "Blühende Naturparke" ist eine gemeinsame Aktion der sieben Naturparke in Baden-Württemberg. Für die Zusammenführung der einzelnen Maßnahmen zwischen Main und Bodensee/Hochrhein ist Manfred Kraft zuständig. Bei der Einsaataktion in Stetten erklärte der Pensionär aus Villingen-Schwenningen: "Es geht uns in erster Linie nicht alleine darum, den menschlichen Betrachter mit einer bunten Blumenwiese zu erfreuen." Die Adressaten seien vor allem die Insekten. Deshalb handele es sich bei den Saatmischungen nicht um ein Allerweltsprodukt. Der Südweststaat ist in mehrere Vegetationszonen eingeteilt. Die von den Naturparken eingesetzten Samen sind aus Blumen und Gräsern gewonnen worden, die exakt diesen Wachstumsbereichen entsprechen. In Baden-Württemberg gebe es nur insgesamt vier Anbieter für solche Saaten.

Anspruchsvolle Gewinnung

Alleine schon die Gewinnung sei ein anspruchsvoller Vorgang. Die Samen müssten zunächst von den Pflanzen auf der Wiese gewonnen werden. Dazu würden die Blumenwiesen mit einer Art Mähdrescher abgemäht. Bevor diese Samen im landwirtschaftlichen Maßstab angebaut werden könnten, müssten sie, so schildert es Kraft, zunächst in Gärtnereien angebaut und vermehrt werden. Alles in allem ein sehr umfangreicher Vorgang, der sich auch im Preis für das Saatgut wiederspiegle: Für das Kilo müssten Preise zwischen 100 und 150 Euro bezahlt werden. Dabei sei es wichtig, eine möglichst große Artenvielfalt in die Natur auszubringen. Der Doppelstädter erklärt: "Es gibt bestimmte Insektenarten, die auf eine bestimmte Blüte spezialisiert sind. Diese Insekten überwintern und vermehren sich meist im Boden." Deshalb dürften die Flächen mit den Spezialsaaten auch nicht umgegraben oder gepflügt werden.

Weiterbildungsangebote für 2019

Hier setzt ein weiterer Aspekt des Projekts ein, von dem Nele Feldmann berichtet. Sie ist bei der Naturparkverwaltung in Beuron für die Organisation der Aussaataktionen verantwortlich. Es sei wichtig, besonders die örtlichen Bauhofmitarbeiter entsprechend zu schulen und für die Belange der Wildblumen und Insekten zu sensibilisieren. Erste Weiterbildungsangebote bereite der Naturpark für kommendes Jahr vor. Feldmann wie Kraft betonten, dass es eben nicht nur um blühende Wiesen für einen Frühsommer gehe. Ein wichtiges Augenmerk liege auf dem Begriff "Nachhaltigkeit". Dazu gehöre es aber auch, die breite Öffentlichkeit auf dieses Thema hinzuweisen. Deswegen legen die Organisatoren großen Wert darauf, schon Vorschulkinder in das Projekt einzubinden.