Das Kulturschwerpunktthema für das Jahr 2019 lautet "Industrie, Handel und Handwerk". In seiner Mitgliederversammlung an der Waldbühne in Sigmaringendorf stellte das Kreiskulturforum des Landkreises Sigmaringen eine Reihe von Ideen vor. Der forschende Blick soll sich nicht nur in die Vergangenheit, sondern auch auf Tendenzen in der Gegenwart und auf Erwartungen in der Zukunft richten. Anhand der vielfältigen Aspekte des Themas entwickelte sich ein reger Gedankenaustausch zwischen den Mitgliedern.

Handwerk und Industrie verändern sich

Welch großes Potenzial das Thema "Industrie, Handel und Handwerk" bietet, präsentierte Beate Rimmele zusammen mit Nikolaus Mohr. Ein genauerer Blick verdeutliche, wie viel sich in den vergangenen 100 Jahren diesbezügliche verändert habe. Bestimmte Handwerksberufe und Industriezweige seien in der Region ausgestorben, andere hätten sich stark verändert. Alte Bahnhöfe werden umgenutzt, Industrie-Denkmäler dienen als Wohndomizile oder Kulturzentren, so beispielsweise der Alte Schlachthof Sigmaringen.

Anregungen gab auch Brunhilde Reiser (Mitte).
Anregungen gab auch Brunhilde Reiser (Mitte). | Bild: Isabell Michelberger

"Es ist möglich, Firmengruppen und Einzelbetriebe hinsichtlich ihres Wachstums und ihrer Expansion in Zusammenhang mit dem Export und der Globalisierung zu befragen", erläuterte Rimmele. Darüber hinaus sei die Veränderung des Flächenverbrauchs in den Städten und Gemeinden in den vergangenen 50 Jahren interessant. Oder aber die Frage, wie sich der Umweltschutz generell gegen die Übermacht der wirtschaftlichen Interessen behaupten könne.

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Als Veranstaltungsformate sei an Betriebsführungen zu denken, um Produktionsabläufe und die Firmenphilosophie sowie deren Anpassung an die moderne Gesellschaft kennenzulernen. Podiumsgespräche über die Wandlung der Arbeitswelt seien denkbar. In Erzählstunden in Wirtsstuben könnten ältere Handwerker Geschichten von ihrem Berufsleben berichten.

Sogenannten "hidden champions" vorstellen

Darüber hinaus könnten die sogenannten "hidden champions" (versteckte Sieger) vorgestellt werden, die in der Region nicht auffallen, aber im globalen Handel erfolgreich mitspielen. Andererseits dürften Betriebe, die im Dritten Reich als Außenstelle des Konzentrationslagers Dachau fungierten oder Zwangsarbeiter beschäftigten, nicht vergessen werden, wie Nikolaus Mohr anmerkte.

Gerlinde Kretschmann verweist auf Textilindustrie

Gerlinde Kretschmann wies auf die Bedeutung der Textilindustrie in Neufra und generell auf der Schwäbischen Alb hin. Diese Arbeitsplätze hätten Familien aus der Armut herausgeholt und Frauen, oft in Heimarbeit, in den Arbeitsprozess eingebunden. Diese Frauen hätten dadurch zu einem neuen Selbstverständnis gefunden. Daran schloss sich die Frage an, was die Globalisierung mit den Menschen im ländlichen Raum mache.

Ideen in konkrete Veranstaltungen übersetzen

Das Gremium wies noch auf Hüttenwerke, Metallgießereien, die Klosterschule Wald mit ihrer Handwerksausbildung hin. Geschäftsführer Edwin Ernst Weber dankte allen für ihre tollen Ideen und lud Interessierte ein, in die Projektgruppe zu kommen, um die Ideen in konkrete Veranstaltungen zu übersetzen.

Auch 2020 steht unter einem Motto

Die Mitglieder stimmten darüber ab, dass sich das Kulturschwerpunktthema für 2020 mit dem Kriegsende vor 75 Jahren befassen soll, im Speziellen mit der Erinnerungskultur. Es soll darüber hinaus "30 Jahre Wiedervereinigung" umfassen.