Überwältigt von der riesigen Hilfsbereitschaft für den elfjährigen Arda waren die Organisatoren der Typisierungsaktion für den an Blutkrebs erkrankten Jungen – binnen 6,5 Stunden ließen sich 2780 Personen registrieren, die von 190 Helfern in der Donau-Lauchert-Halle betreut wurden.

Sprachlos von dem unglaublichen Andrang und der Spendenbereitschaft vieler Privatleute, Unternehmen und Institutionen für ihren Sohn zeigten sich Filiz und Fethi Yücel. "Wir danken allen Menschen aus tiefstem Herzen", war es Ardas Onkel Sahin Fathi, der namens der Familie und der tief bewegten Eltern das Wort an die Besucher richtete. Er habe Arda, der im Krankenhaus liegt und dem es nicht so gut gehe, von den vielen Menschen erzählt, berichtete Fathi der atemlos zuhörenden Menge, dass die Familie am 17. Oktober 2017 die niederschmetternde Diagnose erhielt, dass der begeisterte Nachwuchsfußballer an Leukämie leidet. Nachdem alle Therapieversuche fehlgeschlagen sind, kann nur eine Stammzellenspende das Leben des Jungen retten.

Bei der Registrierungsaktion des TSV Sigmaringendorf-Laucherthal am 24. März in der Donau-Laucherthalle ließen sich rund 2800 Menschen als potenzielle Stammzellenspender registrieren.
Bei der Registrierungsaktion des TSV Sigmaringendorf-Laucherthal am 24. März in der Donau-Laucherthalle ließen sich rund 2800 Menschen als potenzielle Stammzellenspender registrieren. | Bild: Siegfried Volk

Als Dennis Klink, Jugendtrainer von Arda beim TSV Sigmaringendorf-Laucherthal, vom Schicksalschlag seines Zöglings hörte, informierte er die TSV-Verantwortlichen. Sie beschlossen, mit der DKMS (ehemals Deutsche Knochenmarkspenderdatei) eine Registrierungsaktion durchzuführen. Das Echo auf den Aufruf war enorm und wurde von vielen Sportvereinen weiter getragen. Auch türkische Zeitungen wie die "Hürriyet" berichteten über das Schicksal und die Aktion in Sigmaringendorf. Bürgermeister Philip Schwaiger, der die Schirmherrschaft übernommen hatte, erzählte im SÜDKURIER-Gespräch über den Anruf eines türkischen Freundes aus Mannheim, der berichtete, dass dies in der dortigen türkischen Gemeinde das Thema sei.

Vor Hallenöffnung um 11 Uhr reihten sich die Registrierungswilligen in eine Schlange ein, die bis zum Rathaus reichte. Feuerwehrleute übernahmen die Verkehrsregelung. In der Halle warteten die Helfer an langen Tischreihen, wo Helfer die Spender informierten. Dann erhielt man drei Wattestäbchen, die jeweils eine Minute im linken, rechten und zuletzt im ganzen Mundbereich streichen musste. Die Kontaktdaten wurden registriert, Vorerkrankungen abgefragt und nachdem dieses Kontaktformular überprüft wurde, war das Prozedere erledigt. Im Foyer konnte man sich stärken, großzügige Betriebe und Privatleute hatten Essen, Getränke und Kuchen zur Verfügung gestellt. Überhaupt die Spendenbereitschaft.

TSV-Vorsitzender Andreas Bauer begrüßte um die Mittagszeit viele Spender beziehungsweise deren Vertreter. "Ich bin total begeistert und stolz auf unser Ländle", brachte Anita Hofmann von dem Volksmusikduo "Anita und Alexandra Hofmann" die Stimmung auf den Punkt. Sie unterstützte die Aktion mit einer Autogrammstunde und schier fassungslos war Bauer, als Ursula Schuhmacher von der "Drachenkinderaktion" ihre Spendensumme verkündete: 10 000 Euro. Aus der gesamten Region hatten sich Spender auf den Weg gemacht, so wie der 17-jährige David Fuchs aus Meßstetten. "Eine solche öffentliche Aktion muss man doch unterstützen", nannte der Schüler als Motivation. Aus Gammertingen war Mehmet Kacemer angereist. "Man weiß nie, ob man selbst oder jemand aus der Familie betroffen ist und Hilfe benötigt", war es für den 53-jährigen Fußballschiedsrichter Ehrensache mitzumachen.

Die Wattestäbchen werden nun in einem Labor auf zehn Merkmale überprüft, erläuterte Dietmar Bausch, DKMS-Werksstudent, dass man damit die DNA des jeweiligen Spenders erhalte, wobei die Erfolgsaussichten auch von der Ethnie abhängig sind. Wenn sich kein geeigneter Stammzellenspender, wollen Ardas Eltern sich zur Verfügung stellen, wobei die Mutter und Vater aber nur zu 50 Prozent passen würden.

 

Typisierungsaktion

Mehr als 190 Helfer waren am Samstagmittag im Einsatz, sodass 2780 Menschen registriert werden konnten. Die Laboruntersuchung kostet je Spende 35 Euro und deshalb ist die DKMS (ehemals Deutsche Knochenmarkspenderdatei) auf Spenden angewiesen und die Unterstützung in Sigmaringendorf war enorm. 20 000 Euro spendeten die Volksbank Bad Saulgau, Hofmann-Fanclub, Liebfrauenschule, Kinderhaus Laucherthal, Fastnachtsgesellschaft Laucherthal, Musikschule Krauchenwies, TSV Sigmaringendorf-Laucherthal bis zur Firma Späh, Alfons X, Seelsorgeeinheit Sigmaringen, Schüler des HZG und die Familie Dinci. Während der Registrierungsaktion hatte man Spendenboxen aufgestellt und die Bereitschaft war großartig: 30 000 Euro wurden gespendet. Aufgrund der Aktion in Sigmaringendorf hat die DKMS Anfragen aus Wiesbaden, Albstadt, Taunusstein, Duisburg und Albkaserne in Stetten a.k.M, die in den nächsten Wochen für Arda Typisierungsaktionen durchführen wollen. (siv)