Thomas Schärer, Bürgermeister der Kreisstadt, gibt sich keinen Illusionen hin: „Das Thema Flüchtlinge und die Reintegration fremder Menschen bleibt ein Dauerthema.“ Zumindest solange, wie die Erstaufnahme besteht: bis 2022. Schärer verteidigte in seiner Ansprache vor 500 Gästen zum Neujahrsempfang in der Stadthalle den mit der Landesregierung ausgehandelten mehrheitsfähigen Kompromiss. Demokratie sei ein ständiger Kampf, bei dem es die Vor- und Nachteile einer Entscheidung abzuwägen gelte. „Demokratie ist jedoch nicht, die eigene Meinung als absolut und unverrückbar durchsetzen zu wollen. So habe ich nicht verhandelt!“

Dem Stadtrat sei er sehr dankbar, dass dieser fast geschlossen der ausgehandelten Vereinbarung zwischen Stadt, Landkreis und Land zugestimmt habe. Zudem könne er aus Gesprächen mit Bürgern schließen, dass ihre große Mehrheit die Vereinbarung als solide Basis für den Umgang mit der Erstaufnahmestelle und dem Konversionsgelände erachtet. Schärer billigte zwar zu, dass Kritiker die Meinung vertreten könnten, dass jeder Flüchtling einer zu viel und dieser Kompromiss aus deren Sicht faul sei. Ein solches (intolerantes) Gedankengut würde jedoch nie die Maxime seines Handelns sein.

Mit Unverständnis reagierte der Bürgermeister auf jene über die Stränge schlagenden Asylbewerber aus den Maghreb-Staaten, die als kleine Minderheit die Bevölkerung verängstigen und mitverantwortlich dafür seien, dass integrationswillige Flüchtlinge über einen Kamm geschoren würden: „Das tut mit für die leid, die unsere Aufmerksamkeit verdient haben.“ Schärer fordert deshalb eine stärkere Sanktionierung auch von Bagatellvorfällen.

40 Millionen Euro will die Stadtverwaltung in den kommenden zehn Jahren in das umspannende Thema Konversion für Investitionen und Betrieb aufwenden, sagte Schärer. Es sei geplant, dass spätestens Ende des zweiten Quartals der Innovationscampus seinen Betrieb aufnehmen könne. Drumherum entstehe die Modellfabrik und eine Akademie für Wissenschaftliche Ausbildung, die Unternehmen in enger Zusammenarbeit mit der Hochschule nutzen könnten. Sie würde von Alejandro Palacios-Tovar, dem Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung, betrieben. „Insgesamt mit Grunderwerb und Ausstattung werden wir in dieses Vorhaben über 13 Millionen Euro investieren“, kündigte Schärer an.

Nachdem der Zweckverband „Interkommunales Gebiet Graf Stauffenberg“ gegründet und der Regionalplan Bodensee-Oberschwaben im Vorjahr mit seinem 89 Hektar großen Gewerbegebiet offen gelegt wurde, will Schärer weiter initiativ werden. Vor allem mit der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) in Bezug auf den Kauf des größten Teiles des bebauten Kasernengeländes und des Standortübungsplatzes will er deutliche Fortschritte erzielen. Hierzu führe er bereits im Januar erste Gespräche zum Erwerb des restlichen vom Land freigegebenen bebauten Geländes.

 

"Werde mich engagiert wieder zur Wahl stellen"

Thomas Schärer hat sich entschieden: Er will auch in den nächsten acht Jahren Bürgermeister von Sigmaringen bleiben.

Seine achtjährige Amtszeit und damit erste Amtsperiode geht im August dieses Jahres zu Ende. Dass er den Wunsch hegt, erneut zu kandidieren, war kein Geheimnis mehr. Jetzt hat er dies beim Neujahrsempfang vor dem Auditorium unter starkem Applaus nochmals bekräftigt: „Ich möchte auch in den kommenden acht Jahren Ihr Bürgermeister sein!“ Engagiert und zuversichtlich wolle er sich der Wahl stellen. Der 55-Jährige sagte, dass er es als wohltuend empfindet, mit dem Stadtrat trotz unterschiedlicher Auffassungen konstruktiv und entschlossen zusammenarbeiten zu können.

Rückendeckung bekam er von einem seiner drei Stellvertreter, dem CDU-Stadtrat Elmar Belthle, der im Namen des Stadtrats sehr emotional das Wort ergriff: Er bescheinigte Schärer, mit Fleiß und Engagement die Stadt kontinuierlich weiterentwickelt zu haben, die derzeit schuldenfrei sei – ein dickes Lob gleichermaßen für den Ersten Beigeordneten Bernt Aßfalg. (jüw)

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