Er machte nachdenklich und still: der vielfach ausgezeichnete Film "24 Wochen", den der "donum vitae"-Regionalverband Hohenzollern in der Alten Schule zeigte. Die Regisseurin Anne Zohra Berrached verfilmte die Auseinandersetzung eines Paares, das im Rahmen einer Früherkennung erfährt, dass ihr zweites Kindes an Trisomie 21 (Down-Syndrom) erkrankt ist. Zunächst steht für das Paar fest, dass es das Kind bekommen will. Als zusätzlich im sechsten Schwangerschaftsmonat eine schwere Herzerkrankung des ungeborenen Kindes festgestellt wird, verändert sich etwas in der werdenden Mutter. Sie trifft schließlich die Entscheidung für einen Schwangerschaftsabbruch in der 24. Woche. Ihr Mann kann diese Entscheidung nicht mittragen, steht ihr jedoch beim Eingriff bei.

Eindrücklich und authentisch zeigt der Film die Fassungslosigkeit nach der Diagnose, die Reaktionen der Familie und des Umfeldes nach dieser Bekanntgabe. Thematisiert werden auch die Schuldgefühle des Paares und die Auseinandersetzung mit der Möglichkeit eines Spätabbruches der Schwangerschaft und der Frage:" Dürfen wir 'Gott' spielen und über das Leben eines anderen Menschen entscheiden?" Die Handlung wechselt mit eindrücklichen Bildern aus dem Mutterleib.

Über 20 Zuschauer kamen in die Alte Schule, um diesen Film zu sehen. Es sei ein besonderer Film, ein schwieriger Film, leitete Martin Bösch, Vorsitzender des donum vitae-Regionalverbandes zu Beginn der Veranstaltung über. "Aber wer hat uns denn versprochen, dass das Leben einfach ist?", wandte er sich an die Zuschauer. Während der Film lief, war es im Saal sehr still und auch noch als bereits der Abspann über die Leinwand lief. Mancher Zuschauer wischte sich über die Augen. "Ich habe den Film zum dritten Mal gesehen, aber er haut mich immer noch um", sagte Ulla Rapp. Sie selbst ist Mutter eines 31-jährigen Sohnes mit Trisomie 21.

In der nun folgenden Gesprächsrunde luden Ingrid Weinmann, Beraterin von donum vitae, Ulla Rapp vom Verein Hilfe für Behinderte, Lukas Kocis, Facharzt für Frauenheilkunde und Geburtshilfe am Kreiskrankenhaus Sigmaringen und Hermann Brodmann, Diplomtheologe, zum Gespräch über den Film ein und baten Fragen, die am Herzen liegen, zu stellen. Viele Zuschauer waren vom Gesehenen tief berührt. Eine Frau berichtete, dass das Klinikpersonal im Film nicht von Schauspielern, sondern von echten Ärzten und Krankenhausmitarbeitern dargestellt worden sei. Eine solche Diagnose bringe viele multiple Probleme auf den Tisch, berichtete Ingrid Weinmann aus ihrer Arbeitet als Beraterin. Zeit sei ein wichtiger Faktor für die Entscheidungsfindung. Ein Abbruch beeinflusse in jedem Fall die Familien-und Paarbeziehung, zum Positiven oder zum Negativen. Sehr häufig driften Paare in dieser Situation auseinander, weiß die Diplom-Pädagogin. "Wo war jetzt hier eine christliche Beratung?", fragte eine Zuschauerin: "Für mich war es Tötung.

" Auf die christlichen Aspekte und die ethischen Grenzen ging Hermann Brodmann ein. Er sah diese im Film vorsichtig angedeutet, wie die Frage der Schuld oder die Frage nach dem "Gott spielen" und beleuchtete das Thema aus christlich-ethischem Aspekt. Lukas Kocis stand für medizinische Fachfragen Antwort. Einige der Zuschauer brachten persönliche Erfahrungen in die Gesprächsrunde ein.

Donum Vitae

Der Verband ist eine Schwangerschaftsberatungsstelle und berät in Sigmaringen, Hechingen und Bad Saulgau. Sie wird durch das Ministerium für Soziales und Integration gefördert. Die Beratungen sind entscheidungsoffen. 2016 verzeichnete der Regionalverband 131 Konfliktberatungen, 159 allgemeine Schwangerschaftsberatungen, 26 Beratungen unabhängig von einer Schwangerschaft, davon fünf Beratungen bei unerfülltem Kinderwunsch und vier Beratungen im Zusammenhang mit pränataler Diagnostik.

Kontakt: donum vitae, Bahnhofstraße 3, 72488 Sigmaringen, Telefon 0 75 71/74 97 17, Internet: www.donum-vitae-hohenzollern.de