Bereits am ersten Prozesstag waren die unterschiedlichen Aussagen deutlich geworden. Die Frau bleibt bei der Aussage, von beiden Männern mehrfach vergewaltigt worden zu sein. Der Angeklagte S. räumt den Sex zwar ein. Betont aber, der Geschlechtsverkehr sei mit Einverständnis der Frau erfolgt. Sein Zimmernachbar K., der als Komplize angeklagt ist, bestreitet, mit der Frau Verkehr gehabt zu haben. Er habe im Bett nebenan geschlafen und deshalb vom Sex des Zimmernachbarn mit der Frau nichts mitbekommen. Um die Aussagen noch verwirrender zu machen, gibt der Angeklagte S. an, sein Zimmernachbar wiederum habe ebenfalls einvernehmlichen Sex mit der Frau gehabt. Mit dieser Sachlage endete im März der erste Prozesstag.

Am Mittwoch bemühten sich die drei Berufs- und die beiden Laienrichter, Licht in die widersprüchlichen Aussagen zu bringen. Unter anderem wurde nun bekannt, dass eine DNS-Analyse Klarheit bringen soll.

Der Angeklagte S. war zusätzlich zunächst von der Staatsanwaltschaft beschuldigt worden, wenige Tage vor der angezeigten Vergewaltigung ein 14 Jahre altes Mädchen im Prinzengarten sexuell genötigt haben. Das Mädchen sollte deswegen als Zeugin gehört werden. Wie schon am ersten Verhandlungstag kam diese Zeugin auch am Mittwoch nicht zur Verhandlung. Auf Antrag von Staatsanwalt Markus Engel wurde das Verfahren gegen den Angeklagten S. in diesem Punkt eingestellt. Dafür waren zwei Gründe maßgebend. Zum einen wog der Vorwurf der sexuellen Nötigung weniger schwer als der Anklagepunkt Vergewaltigung. Zum anderen stellte der Anklagevertreter fest, dass die Geschädigte offenbar nicht sehr an der Strafverfolgung interessiert sei.

Zeugen verirren sich offenbar

Weniger glimpflich kommt ein Paar aus einer Sigmaringer Kreisgemeinde davon. Der Mann und die Frau kamen ebenfalls ohne Entschuldigung nicht zur Verhandlung. Sie werden am nächsten Verhandlungstag von der Polizei nach Hechingen gebracht. Außerdem müssen sie, erklärte der Gerichtsvorsitzende Hannes Breuckler, zum einen die Kosten für den Transport mit der Polizei bezahlen. Zum anderen wird für jeden der beiden vermissten Zeugen ein Ordnungsgeld von 150 Euro fällig.

Bei dem Paar handelt es sich um Freunde der Frau, die die Angeklagten wegen der Vergewaltigung angezeigt hatte. Sie sollten über die Stunden nach der Tat, als die halbnackte Freundin bei ihnen Unterschlupf fand, befragt werden. Die geschädigte Frau tauchte plötzlich in den Zuhörerreihen auf. Sie erklärte dem Gericht, ihre Freunde seien bereits in Hechingen, fänden aber den Weg zum Gericht nicht. Als die Zeugen nach einiger Zeit noch immer nicht im Gerichtssaal waren, erklärte die Anzeigeerstatterin, ihre Freunde seien irrtümlich in Sigmaringen und nicht in Hechingen. Da die Freunde kein eigenes Fahrzeug hätten, könnten sie auch nicht mehr an diesem Nachmittag nach Hechingen kommen.

Zeuge kann sich nicht erinnern

Ein weiterer Zeuge konnte sich nicht an Details erinnern. Seine Anwesenheit war dadurch sichergestellt, dass er aus der Haft vorgeführt wurde. Es handelte sich um den Mann, mit dem die Geschädigte nach der Trennung von ihrem Ehemann zusammenlebte. Beide haben ein gemeinsames Kind im Babyalter. Der Afrikaner, der einwandfrei Deutsch spricht, erweckte durch seine langsame Reaktion auf Fragen bei Hannes Breuckler offenbar den Eindruck, sehr müde und damit nicht vernehmungsfähig zu sein. Diese Frage gab der Richter an den psychiatrischen Gutachter weiter. Der Mediziner Henner Giedke antwortete kurz und bestimmt: "Der Zeuge ist vernehmungsfähig, er will aber nichts sagen." Der Zeuge antwortete danach deutlich schneller.

Der Mann konnte sich aber trotzdem nicht an Details erinnern. Als seine Partnerin am frühen Morgen halbnackt in der Wohnung der Freunde auftauchte, soll er ihr geraten haben, zur Polizei zu gehen. Am Morgen begleitete er sie zur Polizei. Aber auch daran konnte er sich nicht mehr genau erinnern. Der zweite Gutachter, der Psychologe Kenan Alkan-Mewes, erkannte in den Erinnerungslücken des Zeugen Anzeichen einer Psychose. Nach Ansicht beider Gutachter könnte diese Störung vom in den Akten bestätigten LSD-Konsum des Zeugen verursacht worden sein.

Das Verfahren wird am 2. Mai ab 9 Uhr vor dem Landgericht fortgesetzt. Sollte das Urteil an diesem Tag nicht mehr verkündet werden, ist die Urteilsverkündung für den 3. Mai vorgesehen.