Gegen eine Geldauflage in Höhe von 200 Euro stellte das Amtsgericht Sigmaringen unter Vorsitz von Richterin Grüner Blatt das Verfahren wegen gefährlicher Körperverletzung gegen einen 19-jährigen Schüler aus Mengen vorläufig ein. Seine beiden Mitangeklagten, ein 19-jähriger Auszubildender und ein 22-jähriger Fertigungsmechaniker, wurden freigesprochen. Aus der von Staatsanwältin Selig verlesenen Anklage ging hervor, dass das Trio am 17. Februar 2018 gegen 4.30 Uhr mit zwei jungen Männern (beide 22 Jahre) in Streit geraten war, die gerade eine Gaststätte an der Bahnhofstraße in Sigmaringen verlassen hatten und nach Hause wollten. Als die Auseinandersetzung eskalierte, wurden die beiden 22-Jährigen angegriffen und gingen dabei zu Boden. Die von einem der Opfer gerufene Polizei nahm die Schlägerei zu Protokoll, es wurde Anzeige erstattet und die Täter wurden ermittelt.

Aussprache vor dem Prozess

Zum Auftakt der Verhandlung stellte der Anwalt des Azubis einen höchst ungewöhnlichen Antrag, den er selber noch nie erlebt habe. Die Opfer hätten nämlich ihre Anzeigen zurückgezogen und sich bereits vor der Verhandlung mit den Angeklagten darauf geeinigt, dass keine Gerichtsverhandlung mehr erforderlich sei. Daher beantragte der altgediente Strafrechtler die strafrechtliche Verfolgung gegen alle Angeklagten einzustellen. Nach seinem Wissen stamme diese Idee von den Opfern, die sich dann mit den drei Angeklagten getroffen hätten. Der 19-jährige Schüler habe dann den Antrag auf Verzicht einer Gerichtsverhandlung geschrieben, den alle Beteiligten unterschrieben hätten und der dann an die Staatsanwaltschaft weiter geleitet wurde. Dieser Antrag liege dem Gericht vor.

Täter standen unter Alkoholeinfluss

Richterin Grüner-Blatt wies darauf hin, dass Milderungsgründe schon allein aus der Rechtsprechung her nur sehr begrenzt seien, denn die Staatsanwaltschaft habe Anklage wegen vorsätzlicher und wegen gemeinschaftlicher, gefährlicher Körperverletzung erhoben. Zugleich gab sie bekannt, dass sich die Blutalkoholwerte beim Tatgeschehen zwischen 0,66 und 1,98 Promille bewegt hätten. Die beiden als Zeugen geladenen Opfer berichteten dem Gericht, dass es nach dem Verlassen der Gaststätte auf dem Weg zum Prinzenpark zu Diskussionen mit den Angeklagten gekommen sei bis der 19-jährige Schüler den ersten Faustschlag ausgeteilt habe. Doch eineinhalb Jahre nach der Tat könnten sie sich kaum noch daran erinnern, wer alles auf sie eingeschlagen und sie getreten habe. Eines der Opfer: „Dieses Bild habe ich nicht mehr, doch die Tritte habe ich sehr wohl gespürt.“

Angeklagte entschuldigten sich bei ihren Opfern

Der Verteidiger des Azubis ließ sich daher noch einmal ausdrücklich von einem der beiden Opfer den Verzicht auf eine Gerichtsverhandlung bestätigen: „Sie sagen, es war eine unglückliche Geschichte und im Nachhinein sagen Sie Schwamm drüber und es ist alles wieder in Ordnung. Das Schreiben an die Staatsanwaltschaft haben Sie selber ausgedacht und es war auch ernst gemeint.“ Das Opfer bestätigte dem Verteidiger auch, das sich die Angeklagten bei ihm entschuldigt hätten und damit sei für ihn die Sache erledigt gewesen.

Haupttäter der Justiz bekannt

Mit Blick auf das Ergebnis der Beweisaufnahme verwies Richterin Grüner-Blatt darauf, dass lediglich die Faustschläge des 19-jährigen Schülers bewiesen seien, der jedoch bereits zwei Mal mit der Justiz in Konflikt geraten sei. Sowohl ein Verfahren wegen Fahren ohne Fahrerlaubnis und wegen Körperverletzung gegen ihn seien jedoch eingestellt worden. Von einem der beiden Opfer lagen dem Gericht Fotos vor. Mit Blick auf diese Fotos stellte die Richter fest: „Alle haben Glück gehabt, auch die Geschädigten, denn auf den Fotos sieht das Opfer ziemlich lädiert aus.“

19-Jähriger muss Anti-Aggressionskurs besuchen

Der Jugendhelfer bezeichnete die Schlägerei als jugendtypische Tat in der Gruppe unter Alkohol mit gegenseitigen Provokationen und empfahl als Sanktion für den Schüler (er war zur Tatzeit 18 Jahre und zwei Wochen alt) eine Verwarnung mit der Verpflichtung zur Ableistung gemeinnütziger Arbeit. Nur wenige Minuten nach den Plädoyers der Staatsanwältin und der beiden Verteidiger verkündete Richterin Grüner-Blatt das Urteil. Der Schüler muss an das Opfer ein Schmerzensgeld in Höhe von 200 Euro bezahlen. Die Bezahlung kann in monatlichen Raten von 50 Euro, beginnend am 15. Juli 2019 erfolgen. Darüber hinaus muss der 19-Jährige an einem Anti-Aggressionskurs teilnehmen und die Kosten des Verfahrens tragen. Seine beiden Mitangeklagten wurden freigesprochen. Deren Kosten trägt die Staatskasse.

Ratschlag der Richterin

In Ihrer Urteilsbegründung stellte die Richterin fest, dass die Angeklagten ordentlich betrunken gewesen seien. Ein solches Verfahren habe sie erst in der Vorwoche gehabt und das habe bös geendet. Den drei Angeklagten gab sie den gut gemeinten Rat: „Halten Sie sich da in Zukunft raus und behalten Sie das einfach im Hinterkopf, denn nach der Fasnet gibt es bestimmt noch genügend andere Feste“.