Der Landkreis verfügt über sechs Naturschutzbeauftragte, die in sechs Dienstbezirken tätig sind. Ihr Sprecher ist Jürgen Seyfried, der bei der Stadt Pfullendorf Beauftragter für Umwelt und Forst ist. Er berichtet im Umwelt-, Kultur- und Sozialausschuss des Kreistags über die Arbeit der Naturschutzbeauftragten. „Wir sind unabhängig und es funktioniert hervorragend“, antwortete Seyfried auf die Frage von Kreisrat Johannes Kretschmann (Grüne, Sigmaringen), ob es Interessenkonflikte mit dem Landratsamt gäbe. Sollte so etwas aber einmal vorkommen, dann müsse man das Regierungspräsidium einschalten.

Kontrolle der Ausgleichsflächen problematisch

Kretschmann wollte auch wissen, welche Erfahrungen man in anderen Landkreisen mit Landschaftserhaltungsverbänden gemacht habe. Im Kreistag in Sigmaringen habe ja die Mehrheitsfraktion (das ist die CDU, Anmerkung der Redaktion) eine solche Einrichtung verhindert. Seyfried: „Die Kollegen, die solche Verbände haben, berichten von einer einfacheren Bearbeitung der Themen.“ Probleme sieht Seyfried bei der Kontrolle von Ausgleichsflächen durch das Landratsamt. Dort sei einfach zu wenig Personal vorhanden. „Grundsätzlich ist das Controlling nicht die Aufgabe der Naturschutzbeauftragten“, machte Seyfried deutlich. Kreisrat Helmut Bussmann (Grüne, Herdwangen-Schönach) hatte mehr Sorgsamkeit beim Umgang mit Flächen gefordert. „Die Flächenprämien für die Landwirte haben zur Folge, dass bis an die Waldränder geackert wird“, hat er beobachtet. Dadurch könnten Bäume geschädigt werden. Schuld seien „blödsinnige Programme“ für die Landwirtschaft.

Eigene Ausgleichsflächen sind von Vorteil

Wolfgang Sigrist (CDU, Sauldorf) hat als Bürgermeister gute Erfahrungen mit den Naturschutzbeauftragten gemacht. „Die sind Partner, die über den Tellerrand hinausschauen und leisten eine wertvolle Hilfe, auch weil sie alle Beteiligten mit ins Boot holen.“ 50 bis 150 Stellungnahmen mussten gegenüber den Naturschutzbehörden abgegeben werden. 65 Prozent davon betrafen Bauvorhaben im Außenbereich, 15 Prozent Bauleitplanungen und fünf Prozent Aufforstungsanträge. Auch artenschutzrechtliche Beurteilungen obliegen den Naturschutzbeauftragten. Kreisrat Udo Stauß (CDU, Hettingen) fragte nach der Sinnhaftigkeit des Regionalen Kompensationspools Bodensee-Oberschwaben (Rekto), bei dem der Landkreis Mitglied ist. Für Seyfried ist das eine gute Möglichkeit, wenn es um Ausgleichsflächen geht. Allerdings seien Kommunen mit eigenen Ausgleichsflächen im Vorteil: „Pfullendorf ist da ein Idealfall.“ Richard Gruber (SPD, Bad Saulgau) fragte nach einem Interessenkonflikt der Beauftragten, die im Hauptberuf Landwirte sind. Hier gab Seyfried Entwarnung: „Die können sehr gut über ihren Horizont hinausschauen.“