Eine krachende Niederlage musste Thomas Schärer, amtierender Bürgermeister der 17.000 Einwohner zählenden Kreisstadt des Landkreises Sigmaringen, bei der gestrigen Bürgermeisterwahl einstecken. Mit 68,28 Prozent siegte der aus Sigmaringen stammende Rechtsanwalt Marcus Ehm im ersten Wahlgang und setzte sich klar gegen Amtsinhaber Schärer durch, für den nur 29,19 Prozent der Wähler votierten.

Die Wahlbeteiligung lag bei 44,75 Prozent, wobei 5665 Frauen und Männer von ihrem Wahlrecht Gebrauch gemacht hatten. Absolut keine Rolle spielten die übrigen fünf Bewerber, von denen die Sigmaringer Gastronomin Serim Günaydin exakt 49 Stimmen erhielt. Dem 46-jährigen Ehm waren im Vorfeld durchaus Chancen eingeräumt worden, das bisherige Stadtoberhaupt zu beerben, aber mit diesem Erdrutschsieg hatte niemand gerechnet.

Schärer wollte in Zukunft mehr zuhören

Während des Wahlkampfes hatte der neue Rathauschef immer wieder erklärt, dass er die Kommunikation in der Verwaltung und besonders mit der Bürgerschaft offener und transparenter machen wolle. Der 55-jährige Schärer hatte auf seine Erfahrung verwiesen und bezüglich seines Kommunikationsverhaltens versprochen, künftig mehr zuzuhören. Keine öffentlich bedeutsame Rolle hatte in der fairen Auseinandersetzung der beiden Männer die Flüchtlingsproblematik gespielt.

Bekanntlich wurde die ehemalige Graf-Stauffenberg-Kasernen nach der großen Flüchtlingswelle 2015 von der Landesregierung als Landeserstaufnahmestelle in Beschlag genommen und zeitweise lebten dort mehr als 2300 Flüchtlinge. Per Vertrag verpflichtete sich die Stuttgarter Regierung im vergangenen Jahr auf eine Obergrenze von 875 Flüchtlingen, die in der Kaserne untergebracht werden sollen.

Bundesweit in die Schlagzeilen geraten

Bundesweit war Sigmaringen immer wieder in die Schlagzeilen geraten, weil seit Ankunft der Flüchtlinge sich die Kriminalitätsrate deutlich erhöht hatte, wobei eine kleine Gruppe aus Nordafrika stammender Asylbewerber daran einen überproportional großen Anteil hatte. Schon bei der Auszählung des ersten von 16 Wahlbezirken um 18.18 Uhr hatte sich die Niederlage von Thomas Schärer abgezeichnet. Im mit 346 Wahlberechtigen kleinen Ortsteil Oberschmeien hatten bei einer hohen Beteiligung von rund 63 Prozent lediglich 38,2 Prozent für den Amtsinhaber votiert.

Erst vor kurzem wurde in Freiburg der langjährige grüne Oberbürgermeister Dieter Salomon abgewählt. Auch Salomon galt eigentlich als sicher gesetzter Kandidat für das Rathaus. Er wurde von dem jüngeren Herausforderer Martin Horn abgelöst, einem parteilosen Kandidaten.