Im Landkreis Sigmaringen sterben mehr Menschen an Darmkrebs als im Landesdurchschnitt. Diese Feststellung gehörte am Freitag zum Grußwort von Landrätin Stefanie Bürkle. Die Kreisverwaltungschefin sprach vor den Teilnehmern der 38. Tagung der „Arbeitsgemeinschaft der Tumorzentren, Onkologischen Schwerpunkte und Arbeitskreise in Baden-Württemberg“ (ATO). Zu dieser Tagung hatten sich Ärzte und nicht-medizinische Fachleute des Gesundheitswesens aus ganz Baden-Württemberg zwei Tage in Sigmaringen versammelt. Offizieller Höhepunkt war am Freitag die erstmalige Verleihung des Krebsinovationspreises durch Gerlinde Kretschmann. Preisträger ist der Krebsspezialist Professor Michael Bamberg von der Universität Tübingen.

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Gerade am Beispiel der erhöhten Sterberate durch Darmkrebs im Landkreis machte Bürkle deutlich, wie wichtig die frühzeitige Erkennung von Krebsgeschwüren ist. 2017 starben im Landkreis 47 Männer an dieser Krebsart. Der Landesdurchschnitt lag bei 27,6 Opfern. Bürkle: „Wir wissen, dass die Zahl der Darmkrebsfrüherkennungsuntersuchungen in unserem Landkreis vergleichsweise gering ist.“ Noch sei nicht klar, was die Ursachen für diese männliche Zurückhaltung bei der Vorsorgeuntersuchung sei, stellte die Landrätin fest. Liege dieser Entwicklung ein Versorgungsungleichgewicht zugrunde?

Ungleichgewicht bei der Versorgung?

Mit dieser Frage war Bürkle beim Thema des zweitägigen Kongresses angekommen. Die Teilnehmer beschäftigten sich mit möglichen Ungleichgewichten bei der Versorgung von Krebspatienten in ländlichen und eher städtisch geprägten Regionen.

700 neue Krebskranke pro Jahr

Zunächst sehen die Fachleute Sigmaringen im Kampf gegen den Krebs gut aufgestellt. Seit 2006 gibt es am SHR-Krankenhaus das Brustzentrum. 2008 wurde das Prostatazentrum gegründet, das erst vor wenigen Tagen zum vierten uro-onkologischen Zentrum in Deutschland erweitert werden konnte. 2009 wurde das Darmzentrum zertifiziert, ab 2013 nahm die ambulante Palliativversorgung ihre Arbeit im Landkreis auf. Seit 2016 gibt es eine Krebsberatungsstelle. Über die Häufigkeit der Krebsfälle im Kreis Sigmaringen führte die Landrätin aus: „Rund 2000 Krankenhausfälle mit der Hauptdiagnose Krebs pro Jahr werden in unserem 130 000-Einwohner-Kreis registriert.“ Rund 700 dieser erstmalig an Krebs erkrankten Patienten würden vor Ort in Sigmaringen behandelt.

SRH-Krankenhaus ist Onkologischer Schwerpunkt

Das SRH-Krankenhaus in der Kreisstadt ist einer von 14, über das Land verteilten Onkologischen Schwerpunkten (OSP). Diese OSP arbeiten eng mit den neu eingerichteten Tumorzentren an den vier Universitätskliniken in Heidelberg, Freiburg, Stuttgart und Ulm zusammen. Im Namen der Landesregierung bekannte sich Walter Fessel vom Sozialministerium zu dieser Struktur. Die Landesregierung teile die Einschätzung der ärztlichen Wissenschaft, nach der einerseits nur die geballte Fachkompetenz an den OSP und andererseits die unproblematische Erreichbarkeit dieser Krebszentren gerade auch für die ländliche Bevölkerung Garantie für die bestmögliche Krebstherapie darstelle.

In der Region fehlen Kapazitäten

Dennoch gibt es im Alltag Probleme. Darauf wies Professor Jan Harder hin. Der Leiter des Krebszentrums Hegau-Bodensee berichtete von bis zu acht Monate langen Wartezeiten selbst für Patienten, die schon Blut im Stuhl haben, auf eine Darmspiegelung. Es fehlten in der Region schlicht die notwendigen Kapazitäten.

Zum Höhepunkt der Abschlussveranstaltung des Kongresses überreichte Ministerpräsidenten-Gattin Gerlinde Kretschmann den mit 5000 Euro dotierten Krebsinovationspreis an Professor Bamberg.