Sigmaringen – Der aus dem Fernsehen bekannte Meteorologe Sven Plöger sprach auf Einladung der Stadtwerke in der voll besetzten Sigmaringer Stadthalle. Sein Vortrag zum Thema „Klimawandel: Gute Aussichten für morgen?!“ befasste sich fundiert und zugleich unterhaltsam damit, was die Menschen tun können, um den Klimawandel zu bremsen. Denn dass es ihn gibt, das stehe außer Zweifel. Bürgermeister Thomas Schärer begrüßte an diesem Jubiläumsabend aus Anlass des 25-jährigen Bestehens des Stadtbusses die Gäste sowie den Meteorologen auch im Namen von Bernt Aßfalg und den Kollegen aus dem Werksausschuss.

Als alle Gäste in der Stadthalle Platz genommen hatten, zeigten die Stadtwerke einen kurzen, informativen Film über sämtliche ihrer Tätigkeitsbereiche, von Strom, Gas, Wärme bis zum Trinkwasser, und natürlich auch über das Bus-Konzept. „Der Stadtbus Sigmaringen ist eine Erfolgsgeschichte“, lobte Thomas Schärer dessen Einführung vor 25 Jahren. Noch weit vor jeder Diskussion um demografische Entwicklung oder Teilhabe am gesellschaftlichen Leben, fernab von Feinstaubdiskussionen oder der Frage nach nachhaltigen Mobilitätskonzepten, sei der Stadtbus Sigmaringen damals mit zwei Midibussen an den Start gegangen. Er dankte allen Verantwortlichen, die das Projekt unterstützen und damit zum aktiven Umweltschutz beitragen.

„Umweltschutz“ war selbstverständlich das Stichwort für Sven Plöger, der die Besucher auf Wunsch des in der Schweiz gebürtigen Bürgermeisters auf gut Schwyzerdütsch gegrüßte. „Dass sich das Klima ändert, merken außer Herrn Trump alle“, konstatierte er unter den Lachern seiner Zuhörer. Die Meteorologie sei keine einfache Wissenschaft, sondern basiere auf Statistik und komplizierten mathematischen Berechnungen. Dies zählte er zu den Gründen, warum die Auseinandersetzung mit dem Klimawandel nicht populär sei. „Wir reagieren auf das, was wir sehen und fühlen“, erklärte Sven Plöger. Da die Kohlendioxidbelastung weder sichtbar noch zu riechen sei, nehme der Mensch die Gefahr, die daraus resultiert, nicht wahr. Um es noch anschaulicher darzustellen, erklärte er, dass zwei Nachbarn, einer äußerst umweltbewusst und der andere mit klimaschädlichem Verhalten, die gleiche Umwelt wahrnehmen. Das unterschiedliche Verhalten zeige keine direkte Konsequenz.

Bürgermeister Thomas Schärer (rechts) bedankte sich bei Sven Plöger für den hervorragenden Vortrag mit Spezialitäten aus der Region, darunter das Stadtmemory der Stadtwerke.
Bürgermeister Thomas Schärer (rechts) bedankte sich bei Sven Plöger für den hervorragenden Vortrag mit Spezialitäten aus der Region, darunter das Stadtmemory der Stadtwerke. | Bild: Isabell Michelberger

Plöger regte dazu an, Statistiken genau zu betrachten und die langfristige Tendenz wahrzunehmen. Natürlich gehen Erderwärmung und Kohlendioxidgehalt in der Luft auch kurzzeitig zurück, doch der generelle Trend weise definitiv nach oben.

Der Meteorologe führte den bedeutsamen Unterschied zwischen Wetter und Klima aus. Das Wetter sei ein kurzfristiges Phänomen an einem bestimmten Ort, das Klima hingegen beziehe sich auf die Wetterphänomene über einen längeren Zeitraum hinweg. Anhand von Bildern von der Seegfrörne 1962/63, vom extremen Winter Ende der 1970er-Jahre oder von Hurrikans zeigte Plöger, dass es schon immer extreme Wetterphänomene gegeben habe. Dass sich das Klima definitiv ändert, war anhand der Fotos der Antarktis von heute und vor 30 Jahren sichtbar. Ganz deutlich war der drastische Rückgang des Eises zu sehen. 3,3 Millionen Quadratmeter seien in diesen 30 Jahren verschwunden.

Wenn man frage, wer schuld daran sei, die Natur oder der Mensch, dann laute die Antwort ganz klar: die Natur und der Mensch. Sven Plöger erklärte verständlich, was den Jetstream verlangsamt und dass die Auswirkungen dafür sorgen, dass es in manchen Regionen zu Starkregen kommt und in anderen zu Hitzperioden. „Dies sind zwei Seiten einer Medaille“, erklärte er.

Handlungsbedarf sei dringend notwendig. Plöger zitierte Aldous Huxley: „Wenn wir dieses Problem nicht lösen, werden wir alle Probleme unlösbar machen.“ Es gelte jetzt zu agieren, bevor wir nur noch auf etwas reagieren können. Wenn uns die Energiewende gut gelinge, dann könnten wir ein wichtiges Vorbild sein.

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