Im Jahr 1993 fand der erste Spatenstich für die Seniorenwohnanlage Fideliswiesen statt. MAAG Seniorenwohnanlage Fideliswiesen gGmbH hieß die neue Einrichtung und Traugott Ingo Maag war Geschäftsführer. 1994 zogen die ersten Bewohner ein. 2004 gab es finanzielle Probleme und die renommierte Procurand Unternehmensgruppe mit Sitz in Berlin übernahm die Einrichtung. Dabei handelt es sich um eine gemeinnützige Betriebs- und Besitzgesellschaft, die 27 Einrichtungen mit vollstationärer Altenpflege, ambulanten Pflegediensten und Service-Wohnen in den Bundesländern Berlin, Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Bayern und Baden-Württemberg betreibt.

Karin Heinzler, Pflegedienstleiterin: „Man muss die Mitarbeiter als Menschen mit ihren eigenen Bedürfnissen begreifen. Die Dienstplangestaltung muss auf diese Bedürfnisse Rücksicht nehmen.“
Karin Heinzler, Pflegedienstleiterin: „Man muss die Mitarbeiter als Menschen mit ihren eigenen Bedürfnissen begreifen. Die Dienstplangestaltung muss auf diese Bedürfnisse Rücksicht nehmen.“ | Bild: Fahlbusch, Karlheinz

Deren Geschäftsführer Daniel Schuster konnte krankheitsbedingt nicht zur kleinen Jubiläumsfeier kommen, dafür viele Vertreter von Behörden und sozialen Diensten. Es war eine schlichte Feier ohne Pomp, dafür mit viel Herz. Und genau dieses scheint sich auch in der Personalentwicklung wiederzuspiegeln. Dass vier Mitarbeiter bereits 25 Jahre mit im Boot sind, das ist im Bereich der stationären Pflege nicht alltäglich.

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Das bestätigte auch Pflegedienstleiterin Karin Heinzler im Gespräch mit dem SÜDKURIER. „Wir haben Mitarbeiter, die zwischen 15 und 25 Jahre bei uns sind.“ Ist das nicht ungewöhnlich? „Ich glaube, dass wir einfach ein gutes Team sind. Und man muss bei der Dienstplangestaltung auf die Bedürfnisse der Mitarbeiter eingehen.“ Im Klartext: Freizeitausgleich, ein kontinuierlicher Dienstplan, wenig geteilte Dienste und möglichst wenig zusätzlichen Einsätze. Auch nicht an den Wochenenden.

Christoph Stengele, Küchenleiter: „Ein leckeres Essen ist für unsere Bewohner ein wichtiger Bestandteil der Lebensqualität.“
Christoph Stengele, Küchenleiter: „Ein leckeres Essen ist für unsere Bewohner ein wichtiger Bestandteil der Lebensqualität.“ | Bild: Fahlbusch, Karlheinz

Mittels Software wird zunächst ein Wunschdienstplan erstellt. Der muss dann den tatsächlichen Erfordernissen angepasst werden. Von den derzeit 45 Mitarbeitern in der Pflege sind 43 Frauen. Und deshalb gibt es auch mal einen „Muttidienst“, wie Heinzler schmunzelnd erklärt. Da darf eine Mutter dann eine halbe Stunde später als üblich erscheinen, damit sie noch ihr Kind in die Schule bringen kann. „Man muss die Mitarbeiter als Menschen mit ihren eigenen Bedürfnissen erkennen“, lautet das Credo der Pflegedienstleitung.

Gutes Essen garantiert die Lebensqualität in Seniorenwohnanlage

Seit 25 Jahren sorgt Christoph Sengele dafür, dass etwas Gutes auf den Tisch kommt. „Ein leckeres Essen ist für unsere Bewohner ein wichtiger Bestandteil der Lebensqualität“, sagt der Küchenleiter. Sengele kam über den Zivildienst im Krankenhaus auf die soziale Schiene. „Die meisten Leute meinen, dass es nur Püriertes gibt. Doch das stimmt ja gar nicht. Man muss sehr stark auf die Bedürfnisse der Menschen eingehen“, sagt Sengele. Er hatte „mit seinen Mädels“, wie er sie nennt, auch dafür gesorgt, dass es beim Stehimbiss auch etwas für den Gaumen gab.

Kornelia Gonschorek, Krankenschwester: „In den vergangenen 25 Jahren sind die Vorgaben und Vorschriften immer strenger geworden. Da fehlt immer mehr die zeit für die Menschen.“
Kornelia Gonschorek, Krankenschwester: „In den vergangenen 25 Jahren sind die Vorgaben und Vorschriften immer strenger geworden. Da fehlt immer mehr die zeit für die Menschen.“ | Bild: Fahlbusch, Karlheinz

Cornelia Gonschorek ist gelernte Kinderkrankenschwester und auch schon 25 Jahre dabei. „Ich mache diese Arbeit gerne. Man muss mit den Menschen so umgehen, wie man es sich für seine eigenen Eltern wünscht“, sagt sie. Dass sich die Vorgaben und Vorschriften in der Pflege in den vergangenen Jahren enorm verstärkt haben, sieht sie negativ. „Dadurch hat man weniger Zeit für die Menschen und das ist schade.“ Karmen Nuhi stammt aus Slowenien und ist seit einem Vierteljahrhundert Altenpflegehelferin in den Fideliswiesen. Hat sie ihre Berufsentscheidung schon einmal bereut? „Überhaupt nicht“, sagt sie und fügt hinzu: „Es ist einfach schön hier. Und das gilt auch für die Arbeit mit den alten Menschen.“

Karmen Nuhi, Altenpflegerin: „Die Arbeit mit den alten Menschen hier ist einfach schön. Ich kann mir für mich nichts anderes vorstellen.“
Karmen Nuhi, Altenpflegerin: „Die Arbeit mit den alten Menschen hier ist einfach schön. Ich kann mir für mich nichts anderes vorstellen.“ | Bild: Fahlbusch, Karlheinz

Das von Bernadette Vees verlesene Grußwort von Procurand-Geschäftsführer Schuster war vor allem ein Lob auf die Fideliswiesen. „Sie sind eine der stabilsten Einrichtungen des Unternehmens und brauchen eigentlich die Zentrale in Berlin gar nicht“, war da formuliert. Schuster lobte ausdrücklich die hervorragende Arbeit der Führungskräfte. Für ihn ist die Einrichtung aus Sigmaringen nicht mehr wegzudenken. Das sah auch Bürgermeisterstellvertreter Elmar Bethle so. „Der gute Ruf ist weit über die Stadtgrenzen hinaus vernehmbare und die ständige Warteliste spricht für sich.“

Landrätin Bürkle kündigt einen Kreisseniorenplan an

Auch für Landrätin Stefanie Bürkle sind die Fideliswiesen eine Erfolgsgeschichte. „Sie stechen durch die Art und Wiese heraus, wie sie die Pflege organisieren“, lobte sie und erinnerte an die Kontinuität im Personalbereich, die sich durch eine sehr geringe Fluktuation auszeichne. Bürkle: „Man merkt hier schon, dass der Träger nicht auf Gewinnmaximierung aus ist.“ Die Landrätin kündige die Schaffung eines Kreisseniorenplans an. Dabei hofft sie auch auf die Mitwirkung des Kreisseniorenrats, dessen Vorsitzender Heimleiter Franz Vees ist. Der war das viele Lob fast peinlich. „Meine Leute sind es, die die Qualität ausmachen“, stellte er fest.