Viele strahlende Gesichter gab es gestern nach dem zweistündigen Besuch von Gesundheitsminister Manfred Lucha im Krankenhaus Sigmaringen. Der engagierte Sozialpolitiker war höchst angetan von der Vorstellung der Neubaupläne von Geschäftsführung sowie den Vorträgen der leitenden Ärzte über ihre Arbeit. Und die Verantwortlichen hörten von Lucha, dass ihr Förderantrag für das Bauprojekt mit rund 98 Millionen Euro in Stuttgart Gehör finden wird. "Ich sehe die Notwendigkeit", bescheinigte Lucha, dass die SRH Kliniken GmbH mit ihrer Konzeption der sektorenübergreifenden Patientenversorgung den richtigen Ansatz habe, wozu auch die drei Standorte im Landkreis zählten.

Bekanntlich plant die Klinik GmbH am bestehenden Krankenhaus einen Anbau mit 160 Pflegebetten sowie einer Etage mit sechs Operationssälen. Die Notaufnahme soll erweitert und der Eingangsbereich verlegt und zweigeschossig ausgebaut werden. Die Kosten werden auf rund 100 Millionen Euro geschätzt und wenn das Projekt in das Krankenhausförderprogramm des Landes aufgenommen wird, besteht die Möglichkeit einer 40-bis 60-prozentigen Förderung. Mit Hinweis auf noch laufende Haushaltsverhandlungen sei noch unklar, wieviel Geld sich in dem Fördertopf befindet, erklärte Lucha auf Frage des SÜDKURIER. "Und es gibt natürlich immer mehr Anträge als Geld", ergänzte Landrätin Stefanie Bürkle, die als Aufsichtsratsvorsitzende mit ihrem Stellvertreter Thomas Kugler, dem Minister das Vorhaben mit vorstellte. "Sigmaringen ist ganz gut im ordentlichen Planungsverfahren. Sie haben ihren Teil gut gemacht", bescheinigte Manfred Lucha den Architekten und Planern bislang eine hervorragende Arbeit.

Der Abgabetermin für den Förderantrag ist am 30. November und wenn der Zuschussbescheid bewilligt wird, nimmt die Geschäftsleitung bezüglich der Restfinanzierung Verhandlungen mit den Banken auf. Diesen Zeitplan hatte Geschäftsführer Werner Stalla bei der offiziellen Vorstellung der Pläne benannt und als Baubeginn 2017 anvisiert. "Das ist ein ambitioniertes Ziel, aber wir wollen an dem Termin festhalten", machte der Geschäftsführer gestern nochmals deutlich.

Für Minister Lucha sind Krankenhäuser keine Technokratiezentren, sondern elementarer Bestandteil der Versorgungslandschaft mit einer hohen sozialen Funktion und es gelte, deren Existenz nachhaltig zu sichern. Dazu gehöre auch, dass das Land bei der Festsetzung des Bundesbasisfallwertes, der die Grundlage für die Vergütung von Krankenhausleistungen bildet, seine Stimme erhebe, denn im wirtschaftsstarken Baden-Württemberg seien auch die Lebenshaltungskosten höher.

Geschäftsführer Werner Stalla sah die SRH-Konzeption, die auch auf Netzwerkbildung im ambulanten wie stationären Bereich und Prävention fußt, durch die Aussagen des obersten Sozialpolitikers des Landes bestätigt. Der CDU-Landtagsabgeordnete Klaus Bürger, der mit seiner grünen Kollegin Andrea Bogner-Unden zur Unterstützung gekommen war, versicherte augenzwinkernd, dass man den Minister bezüglich des Förderantrages quasi von "zwei Seiten in Zange nehmen werde". Manfred Lucha nutzte die Gelegenheit, um die Arbeit des Krankenhauspersonals zu würdigen, die er bei einem Blitzrundgang noch in Augenschein genommen hatte. "Hier sind die wahren Helden", lobte er das Engagement von Ärzten und Pflegen mit seinem bayrischen Zungeschlag und viel Pathos, bevor er zum nächsten Termin eilte.