Das Regierungspräsidium Tübingen ist derzeit sichtlich bemüht, Ruhe in das Thema um die Geflüchteten in ihrer Erstaufnahmeeinrichtung zu bekommen. Denn seitdem sich der politische Diskurs gedreht hat und gewisse Kreise auch gerne Ängste vor den Flüchtlingen schürten, befand sich die Stimmung in der Kreisstadt zeitweilig im Keller.

Mit regelmäßig veranstalteten Rundgängen informiert nun Regierungspräsident Klaus Tappeser, dessen Bezirk Tübingen für die Erstaufnahme in Sigmaringen zuständig ist, über Neuerungen und Veränderungen. Es lädt dazu Bundes- und Landespolitiker, aber auch Behördenvertreter, Gemeinderäte und örtliche Medienvertreter ein. Staatsministerin Annette Widmann-Mauz, sie ist die Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration, hatte hierbei umfassende Einblicke in diverse Bereiche bekommen.

Klare Signale hatte das Regierungspräsidium im Sicherheitsbereich gesetzt, der deutlich verschärft worden ist. „Sie machen ihre Sache sehr gut“, lobte der Regierungspräsident und sah es auch als gerechtfertigt an, dass sich die sogenannten Schutzbefohlenen bei der Security an den Eingängen an- und abmelden müssen.

Tappeser wollte nicht verhehlen, dass es hin- und wieder Querelen gibt. Auffälligkeiten von Geflüchteten werden in tagesaktuellen Berichten der Polizei vermerkt, wenn Flüchtlinge aus der Rolle fallen. So erklärte Tappeser gegenüber der Ministerin, dass ein Beschluss vorliege, die Suchtberatung mit einer zusätzlichen halben Stelle auszustatten. Alkohol oder Drogenmissbrauch unter den Geflüchteten in der Erstaufnahmestelle bleiben ein Thema. Klaus Harter, Leiter der Suchtberatung in Sigmaringen, bestätigt den Personalzuwachs auf SÜDKURIER-Anfrage: „Das geht auf einen Antrag zurück, den ich vor anderthalb Jahren gestellt habe.“ Zwar sei die Regelberatung ein originärer Job der Suchtberatung in der Betreuung von Geflüchteten. Doch in diesem Konzept befänden sich auch Bausteine, die aufklärerisch auf sie wirken sollen – „ein Stück Staatsbürgerkunde in Bezug auf das Suchtverhalten und den Suchtmittelkonsum“, so Harter. Zum Suchtverhalten selbst sieht Klaus Harter keinen Unterschied zu der schon lange hier wohnenden deutschen Bevölkerung. In einem Schreiben hatte ihm das Sozialministerium bereits mitgeteilt, dass das Geld für diese halbe Stelle noch in diesem Jahr bewilligt werde.

Ergänzend hierzu warf ein Regierungspräsidiumsmitglied ein, dass in Stuttgart gerade ein landesweit gültiges Konzept für ständig traumatisierte Bewohner erstellt werde. Damit sind explizit Bürgerkriegsflüchtlinge gemeint. Tappesers Hinweis, dass bei Geflüchteten die Belastung insgesamt zugenommen habe, deuten Flüchtlingsaktivisten so, dass die Verunsicherung einer drohenden Abschiebung diese Menschen blockiere. Allerdings werde die Verweildauer von drei bis vier Monaten im Moment in dieser Einrichtung eingehalten, versicherte der Leiter der Sigmaringer Erstaufnahme, Andreas Binder, beim Rundgang.

80 Ehrenamtliche sind in dieser Einrichtung tätig, erklärte Klaus Tappeser und wertete dies als ein gutes Zeichen für die Kreisstadt und das Land. Sie seien maßgeblich dafür verantwortlich, dass der soziale Friede in der Erstaufnahme gewahrt bleibe, erläuterte Stefanie Gäble. Sie hat die Funktion der Ehrenamtskoordinatorin inne.

Stefanie Gäble bedauerte, dass eine aktuelle Personalstelle im Kinderland der Einrichtung nicht nachbesetzt werden könne. Zu befürchten sei, dass ab September das Kinderland aus diesem Grund nicht mehr im gewohnten Umfang betrieben werden könne, weil die Finanzierung dieser Stelle von der Anzahl der Bewohner abhängig sei. Gegenwärtig sind hier 649 Geflüchtete untergebracht, Tendenz: eher rückläufig. 15 Kinder im Alter von 6 bis 16 Jahren besuchen das Kinderland, das im täglichen Programm Sprachunterricht, aber auch Spiele und Basteln anbietet.