Rund 81 Millionen Euro könnte die Elektrifizierung der Bahnverbindung zwischen Sigmaringen und Albstadt kosten. Alleine die Planungskosten bezifferte Landrätin Stefanie Bürkle vor dem Umwelt-, Kultur- und Schulausschuss des Kreistags am Dienstagnachmittag mit 16,2 Millionen Euro. Diese Summe müsste der Kreis im schlimmsten Fall alleine schultern, wenn sich keine betroffenen Kommunen oder Landkreise beteiligen sollten. Trotz des großen finanziellen Aufwands, der alle Kreisräte zunächst kräftig schlucken ließ, sprach sich der Ausschuss einstimmig dafür aus, dass die Landrätin die nächsten Schritte unternimmt, um die Elektrifizierung weiter voranzutreiben. 2026 könnten E-Loks fahren, wenn alles glatt läuft.

Alle Mitglieder des Ausschusses waren sich mit der Landrätin einig, dass eine Elektrifizierung dieser Strecke nötig ist. Stefanie Bürkle hatte unter anderem darauf hingewiesen, dass der Umbau der Strecke nötig sei, damit nach der Inbetriebnahme der neuen Bahnverbindungen im Zuge des Eisenbahnprojekts Stuttgart 21 auch weiterhin ein schneller Anschluss von Sigmaringen in Richtung Stuttgart nötig sei. Eine solche sei auch von wirtschaftlicher Bedeutung, wenn beispielsweise die Pendlerströme betrachtet würden.

Wenn die Verbindung in Richtung Albstadt nicht elektrifiziert werden würde, würde sich die Fahrzeit um eine gute halbe Stunde verlängern. Denn nach den Aussagen der Landrätin ist es fraglich, ob die Züge mit Neigetechnik, die zurzeit hier fahren, auch in Zukunft noch rollen würden. Bereits jetzt seien Ersatzteile nur aus Zügen zu erhalten, die auf anderen Strecken ausgemustert würden. Obendrein würde das Landesverkehrsministerium in Stuttgart in den Jahren 2024 bis 2026 die jetzigen Neigetechnik-Strecken neu ausschreiben, sagte sie. Auch vor diesem Hintergrund warb sie erfolgreich für eine Elektrifizierung der Strecke.

Landrätin Bürkle strebt eine gemeinsame Planung der Elektrifizierung der Eisenbahnstrecke in Richtung Stuttgart mit den Landkreisen Zollern-Alb, Tübingen und Reutlingen an. Diese sollen sich auch an den Planungskosten beteiligen. Im Idealfall liegt eine Planung für die Elektrifizierung der Strecke vor, wenn der Bund Finanzierungsmittel dafür bereitstellt. Eine Passage im Koalitionsvertrag der Bundesregierung sieht solche Mittel vor. Auf dieser aufbauend hatte das Landesverkehrsministerium im Frühjahr einen Zeitplan für alle noch zu elektrifizierenden Strecken in Baden-Württemberg entworfen. In einem Workshop, den es in der kommenden Woche geben wird, werden sich Vertreter der drei genannten Landkreise mit der Elektrifizierung beschäftigen, wie die Landrätin informierte.

Hybrid-Züge Richtung Bad Saulgau?

Neben der Bahnverbindung in Richtung Albstadt werde auch die von Sigmaringen in Richtung Aulendorf nicht aus den Augen verloren, versicherte die Landrätin, nachdem unter anderem Kreisrat Wolfgang Sigrist gesagt hatte, dass diese Bahnstrecke nicht vergessen werden dürfe. Erst in einem dritten Schritt soll nach den Plänen des Stuttgarter Verkehrsministeriums diese Verbindung elektrifiziert werden. Möglicherweise könnten hier bald Hybrid-Loks verkehren. Der Kreis führe Gespräche darüber, ob zwischen Sigmaringen und Bad Saulgau in einem Modellversuch solche Loks eingesetzt werden könnten. Ohne dessen Namen zu nennen, verwies sie auf eine Entwicklung des Friedrichshafener Motorenbauers Rolls-Royce Power Systems, die Diesel- und Batterieantrieb für Nahverkehrszüge kombiniert. Solche Loks könnten auf dieser Strecke eingesetzt werden.