Sigmaringen – Welche Vielfalt und Kraft im schwäbischen Dialekt steckt, erlebten zahlreiche Besucher der Veranstaltung "MundArt im Landkreis Sigmaringen". Im voll besetzten Sparkassen-Forum "Hofgarten" präsentierte der Landkreis Sigmaringen mit dem Förderverein Schwäbischer Dialekt neun Beiträge ganz unterschiedlicher Art, die liebevoll aufzeigten, welches Herzblut in den Dialekt fließt und wie individuell ausgeprägt das Schwäbische ist. Kreisarchivleiter Edwin Ernst Weber moderierte und würdigte alle Akteure, darunter Autoren und Liedermacher, mit umfangreichen biografischen Ausführungen.

"Mundart und Dialekt sind etwas wie Heimat", beschrieb Landrätin Stefanie Bürkle in begrüßenden Worten. Der Dialekt sei es wert, gepflegt und gesprochen zu werden, weshalb die Landrätin ihren Dank an Stephan Neher, Vorsitzender des Förderverein Schwäbischer Dialekt und Oberbürgermeister von Rottenburg, richtete. Liedermacher Michael Skuppin eröffnete das kleine Dialekt-Festival mit dem Protestlied "I bin au a Asylantenkind", dem Liebeslied "Händle gäbe" und dem Song "A Ostracher Landsknecht", welcher das Geschehen der Schlacht bei Ostrach im Jahr 1799 aufgreift.

Die 86-jährige Dichterin Rösle Reck, eine feste Größe in der Mundart-Dichtung, wie Edwin Ernst Weber ausführte, amüsierte das Publikum mit humorvollen Stücken, wie "S'Fingerle". Darin erzählte sie von der Beerdigung des Fingerglieds, das sie bei einem Unfall verloren hatte. Der Bruder habe den winzigen Sarg getragen und sie sei "als nächste Verwandte" hinterhergelaufen.

Gerhard Deutschmann las aus dem Stück "Umgang gan" von Bruno Gern, das mit den Erlebnissen bei der Prozession von Storzingen nach Engelswies erheiterte. Wie es bei einem Hochdeutschkurs zugehen kann, schilderte Kabarettistin Lilo Braun aus Meßkirch. Die Zuhörer lachten laut auf, als ihr beim mühevollen Üben mit einem bornierten Lehrer das eine Wort in den Kopf kam: Seggel. Daraufhin sei ihr klar gewesen, sie bleibe dem Schwäbischen treu. Monika Schultz aus Veringenstadt sang nach der Melodie von "Yesterday", das von Lilo Braun gedichtete "S'isch geschtern gsei", das durch die Tiefe der schwäbischen Poesie bewegte.

Dass ein schwäbischer Tratsch auf der Straße alles hervorbringt nach dem Motto "Du kasch it alles vergrabe, d'Wahrheit hot viele Gsichter", davon sprach und sang die Gruppe Quintessenz aus Ostrach-Einhart. Gerd Bantle erzählte von traurigeren Stimmungen, wenn "die Sorge herzwärts wächst". Die Geschichte von Eva-Maria Schalk, die ihr Sohn Benedikt rezitierte, handelte zwar vom Friedhof und der Zwiesprache mit den Toten, befasste sich jedoch amüsant mit dem allzu Zwischenmenschlichen. Hermann Brodmann aus Sigmaringendorf reflektierte über Sorgen und Nöte und kommt zu dem Fazit: "Wer denkt, d'Menschheit isch schlecht, kommt wahrscheinlich mit sich selbscht it z'recht." Bei dem fast dreistündigen Programm konnten sich die Besucher von Herzen amüsieren und die anheimelnde Atmosphäre mit dem schwäbischen Dialekt genießen.

Förderverein

Das Ziel des Vereins besteht darin, den Bestand an Dialektaufnahmen zu sichern, zu dokumentieren und zu erschließen. Er untersucht die historische Entwicklung und die gegenwärtige Bedeutung des Dialekts und fördert die Verwendung der Mundarten in unterschiedlichen Bereichen.

www.schwaebischer-dialekt.de