Das prachtvolle dreigeschossige Bahnhofsgebäude ist arg in die Jahre gekommen, hat stattliche 146 Lenze auf dem Buckel. Es müsste dringlichst renoviert werden, es offenbart diverse undichte Stellen und es steht unter Denkmalschutz. Wie viele andere Bahnhöfe in deutschen Landen würde die Bahn dieses Gebäude – es hat 1750 Quadratmeter Nutzfläche – gerne veräußern. Im Internetportal wird es unter den Immobilien jedoch augenblicklich nicht mehr gelistet. Eine schriftlich formulierte Nachfrage dieser Zeitung direkt bei der Bahn in Karlsruhe blieb bis dato unbeantwortet.

Ein gewisses Erstzugriffsrecht am Kauf des Objektes hätte die Stadt Sigmaringen. Ihre Pressesprecherin Anja Heinz bekundet auf SÜDKURIER-Anfrage jedoch, "das die Stadt kein Interesse an einem Kauf des Gebäudes" habe. Gründe seien dafür unter anderem, dass dieses Gebäude sehr groß und sanierungsbedürftig sei. Auch das es denkmalgeschützt und dem Bahnverkehr gewidmet ist, kämen als zusätzliche Argumentationspunkte hinzu.

Für das Gebäude selbst seien Nutzungen unterschiedlichster Art möglich. "Darunter fallen Dienstleistungen wie Ärzte oder andere Dienstleistungen im Gesundheitsbereich, Gastronomie, Rechtsanwälte, Versicherungen und Ähnliches", erläutert Anja Heinz. Ausgeschlossen seien Vergnügungsstätten.

Keinen Zusammenhang zu den Verkaufsabsichten der Bahn lässt sich mit den vor wenigen Monaten in die Schlagzeilen geratenen Flüchtlingskriminalität verbinden. Sie sorgte für erhebliche Aufregung und führte dazu, dass der Bahnhof bereits abends um 17.30 Uhr geschlossen wird. Doch nachdem, für alle Zugreisenden sichtbar, Polizeibeamte und Security-Mitarbeiter auf den Bahnsteigen regelmäßig patrouillieren, hat sich die Szenerie mit Alkoholisierten und Rauschgiftkonsumenten, die sich vom benachbarten Prinzenpark ins Bahnhofsareal bewegten, merklich beruhigt.

Ein möglicher Kaufinteressent müsste mit über einer halben Million Euro nicht nur jede Menge Geld in die Hand nehmen, er hätte wohl auch die bestehenden Mietverhältnisse zu klären beziehungsweise neu zu regulieren. Denn im Augenblick befinden sich ein Kiosk mit DB-Reisezentrum und das gut besuchte Tanzlokal Alfons X darin. In der Wartehalle befinden sich mehrere Reiseproviantautomaten und ein Ticketautomat, sind die Fahrpläne für An- und Abfahrt ausgestellt. Selbiges Angebot kann auch auf dem Bahnhofsgelände genutzt werden.