Im Rahmen der Aktionswochen des Pflegenetzwerks Kreis Sigmaringen fand der Aktionstag auf dem Leopoldplatz zum Thema „Barrierefreiheit“ eine die Organisatoren zufriedenstellende Resonanz. Der VdK-Kreisverband Sigmaringen und Mariaberg zeichneten gemeinsam für die Organisation verantwortlich.

„Es gibt schon viele Jahre einen Kooperationsvertrag zwischen uns und Mariaberg“, betonte der VdK-Kreisvorsitzende Anton Bohner. Der Aktionstag sei einer der Maßnahmen, mit der man diese Kooperation mit Leben erfüllen wolle. Bereits beim Mariaberger Tag war der VdK mit einem Infostand vertreten – und mit dem Aktionsanzug "Gert". Einmal spüren, wie sich der eigene Körper mit 80 Jahren anfühlt. "Gert" ist mit Gewichtsmanschetten, einer speziellen mit Gewichten ausgestatteten Körperweste, Halskrause, Überschuhen, Kopfhörern, einer Simulationsbrille für Augenkrankheiten und diversen Bandagen ausgestattet. Der Simulationsanzug soll Menschen ein spürbares Verständnis für das Alter ermöglichen. Warum der eigene Opa beispielsweise so langsam geht oder ihm das Bücken Schwierigkeiten bereitet. Viele Besucher ließen sich von Helfern des VdK den Anzug anlegen und waren schon sehr erstaunt. „Das hätte ich nicht gedacht“, war des Öfteren zu hören. Damit verbunden war auch die Hoffnung, dass man sich nie so fühlen müsse.

Hans-Peter Oßwald, Fachgebietsleiter Soziales im Landratsamt Sigmaringen, stellte in seiner Begrüßung die Wichtigkeit solcher Veranstaltungen fest. Es bestehe noch ein hoher Informationsbedarf. Wer selbst keine körperliche Einschränkung habe, der könne oft nicht nachvollziehen, wie sich Betroffene fühlen. Das Rote Kreuz war mit Fahrzeugen und Infomaterial vor Ort, das Sanitätshaus Gießler informierte über Hilfsmittel und Mariaberg zu den Anstrengungen, die die Einrichtung macht, um Barrieren abzubauen. Stark frequentiert war auch der Infostand des Pflegestützpunktes des Landkreises Sigmaringen. Die Südwestbank brachte sich mit Informationen zu Vorsorgeprodukten ein und für große Begeisterung sorgte am Nachmittag der „Zirkus Kuuletti“ mit Zirkusdirektor Jürgen Seibold. Akrobatisches auf Einrädern oder Magisches mit allerlei Tricks. Das Publikum war begeistert.

Martina Lovercic von Mariaberg und Karlheinz Fahlbusch vom VdK-Kreisvorstand hatten den Aktionstag organisiert. Fahlbusch: "Es hätten schon mehr Besucher sein können. Aber das herrliche Wetter lockte wohl mehr in den Garten als in die Innenstadt." Beide sind mit der Resonanz aber zufrieden. Es gebe bereits erste Überlegungen, solch einen Aktionstag im kommenden Jahr in einem anderen Ort im Landkreis stattfinden zu lassen. Für sie ist das Thema "Barrierefreiheit" etwas, das sehr viele Menschen betrifft. Auch wer mit einem Rollator oder einem Kinderwagen unterwegs sei, der komme oft an die Grenzen der Bewegungsfreiheit.

Diskussionsrunde im Bootshaus

Abgerundet wurde der Veranstaltungsreigen mit einer Diskussionsrunde vor überschaubarem Auditorium im Bootshaus, die von Karlheinz Fahlbusch moderierte wurde. Als Gesprächspartner fungierten Bürgermeister Thomas Schärer, Hans-Peter Oßwald, Martina Lovercic und Michael Walzer, der Ortsvorsitzender des VdK in Sigmaringen und auch Kreisvorständler ist. Einige Zuhörer äußerten sich durchaus kritisch zur Ist-Situation.

Städte mit historischer Bausubstanz würden sich mit dem Thema Barrierefreiheit schwer tun, leitete Fahlbusch mit seinem Stichwort zum Sigmaringer Bürgermeister über. Schärer wies darauf hin, dass es die Verpflichtung gebe, bei Neubauten das Kriterium "barrierefrei" mitzuberücksichtigen. Zwei Gebäude der Gastronomie würden das erfüllen: das Bootshaus und der Palmengarten. Auch beim sanierten Sutorhaus wurde dieses Anliegen berücksichtigt.

Für den Bürgermeister ist eines klar: Bei 28 Prozent der Bevölkerung, die in der Kreisstadt sich im Alter von über 60 Jahre befinden, müsse seine Prämisse sein: "Auch sie wollen wir am öffentlichen und gesellschaftlichen Leben teilhaben lassen." Schärer sagte zum Thema, es gelte, auszutarieren, wo mit den Geldern ein Höchstmaß an Nutzen zu erzielen wäre – da denke er insbesondere an einen barrierefreien Sigmaringer Bahnhof.

Hans-Peter Oßwald sagte, auch er nehme den Ball zur alten Bausubstanz gerne auf und verwies auf das Landratsamt, das aus einem Alt- und einem Erweiterungsbau besteht, das Attribut barrierefrei und behindertengerecht aber in beiden Bauten erfülle. Zum Teil sei nachgebessert worden. Barrierefrei – das gelte für alle Zugänge und Aufzüge, am Haupteingang lasse sich über die Sprecheranlage die Infothek anwählen, die selbst über einen rollstuhlgerechten Bedienungsplatz verfüge. "Und es gibt einen ganz wichtigen Punkt: Wir haben kundenfreundliche, hilfsbereite Mitarbeiter, die einen Menschen mit Einschränkungen gerne begleiten", betonte Oßwald. VdK-Mann Michael Walzer bestätigte, dass die Kommunikation mit dem Landratsamt zu verbesserungswürdigen Dingen prima geklappt hätte und zeitnah realisiert worden sei. Aktuell, so berichtete Oßwald, wolle der Landkreis den barrierefreien Öffentlichen Personennahverkehr umsetzen. Im ersten Schritt erfolge gerade die Bestandsaufnahme hinsichtlich sämtlicher Bushaltestellen, um das Projekt anstoßen zu können.

Martina Lovercic, Assistentin der Geschäftsführung von Mariaberg, einer der größten Einrichtungen für Behinderte, hat sich das Thema ebenfalls dick auf die Fahnen geschrieben. So seien beim Umbau des Klosters die Menschen mit Behinderung voll miteingebunden gewesen. Einige Gebäude, in denen es die ambulanten Wohnangebote gibt, würden die Barrierefreiheit noch nicht erfüllen.

Auf dem Dach des Bootshauses folgte zur Abendstunde noch die Vernissage zur Ausstellung von Werken, die von Künstlern mit Behinderung aus Mariaberg stammen.

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