Der Gemeinderat hat die Haushaltssatzung 2019 und den Finanzplan samt Investitionsprogramm verabschiedet. Erstmals wurde der Haushalt nach dem neuen vom Landtag Baden-Württemberg geforderten doppischen Haushaltsrecht aufgestellt. Durch die Umstellung von Kameralistik auf das Neue Kommunale Haushalts- und Rechnungswesen (NKHR), die Doppik, ergeben sich für die Gemeinde ab 2019 zahlreiche Veränderungen.

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Der Haushaltsplan wurde im sogenannten Ergebnishaushalt festgesetzt mit ordentlichen Erträgen von 3,69 Millionen Euro und mit ordentlichen Aufwendungen von rund 4,3 Millionen Euro, was zu einem ordentlichen Ergebnis von Minus 611 950 Euro führt. Im Finanzhaushalt stehen Einzahlungen aus laufender Verwaltungstätigkeit von 3,32 Millionen Euro sowie Auszahlungen von 3,5 Millionen Euro, was zu einem Zahlungsmittelbedarf von 151 750 Euro führt. Den Auszahlungen für Investitionstätigkeit in Höhe von 2,54 Millionen Euro stehen lediglich 399 200 Euro als Einzahlungen gegenüber, sodass sich hier ein Finanzierungsmittelbedarf in Höhe von 2,14 Millionen Euro ergibt. Der Gesamtbetrag der vorgesehenen Kreditaufnahmen für Investitionen wird auf 400 000 Euro, der Höchstbetrag der Kassenkredite auf 600 000 Euro festgesetzt. Die Steuersätze für die Grundsteuer A und B liegen bei 320 Prozent, die der Gewerbesteuer auf 340 Prozent der Steuermessbeträge. Die Fachbeamtin für das Finanzwesen, Rita Bosch, stellte dem Gemeinderat das neue Haushaltswerk vor. Das Vermögen der Gemeinde sei inzwischen größtenteils bewertet und die dafür anfallenden Abschreibungen veranschlagt worden. Nach dem Jahresabschluss 2018 könne eine Eröffnungsbilanz erstellt werden.

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Trotz der vielen Neuerungen bedingt durch das neue Doppik-Recht konnte Bosch rückblickend auf 2018 erfreuliches berichten. Die Zuführungsrate 2018 lag bei voraussichtlich 500 000 Euro. Als Hauptgründe nannte sie Mehr-Einnahmen von 68 000 Euro bei der Gewerbesteuer, von 26 000 Euro beim Gemeindeanteil an der Einkommensteuer, von 38 000 Euro bei den Schlüsselzuweisungen und 69 000 Euro bei Verkäufen. Gleichzeitig gab es niedrigere Ausgaben von 28 000 Euro bei Personalausgaben, 31 000 Euro bei Bewirtschaftungskosten und 180 000 Euro bei den Erstattungen an die Bundeswehr für die Betriebskostenabrechnung der Kläranlage Kohltal.

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Auch Ende 2018 war die Gemeinde noch schuldenfrei. Aber trotz vieler guten Zahlen warnte die Kämmerin: „Zur Bewältigung der Zukunftsherausforderungen werden wir jeden Euro brauchen“. Rita Bosch nannte hier die anstehenden Kanalsanierungs- und Kanalerneuerungsmaßnahmen, die als Pflichtaufgabe der Gemeinde, die eine Unsumme an Finanzmitteln verschlingt. Der vom Gemeinderat eingeschlagene Kurs zur Haushaltskonsolidierung müsse konsequent beibehalten und sogar verstärkt werden. Die nach dem neuen Doppik-Recht jetzt „verpflichtenden“ Abschreibungen belasten den Haushalt zusätzlich. Bisher waren die Abschreibungen nur bei den Gebührenhaushalten ein Thema. Bürgermeisterin Roswitha Beck meinte ergänzend: „Ressourcenorientierte Darstellungen bringen im Ergebnishaushalt Nachteile bei den Investitionen“. Gemeinden, die bisher viel investiert haben, würden jetzt wegen den hohen Abschreibungen benachteiligt. Allein 2019 sind auf der Aufwandsseite Abschreibungen von 830 750 Euro und auf der Ertragsseite Auflösungen von Sonderposten und Beiträgen in Höhe von 370 550 Euro veranschlagt. Dies führe dazu, dass der Haushalt mit über 460 000 Euro belastet werde. „Diese Aufwendungen müssen erwirtschaftet werden“, ergänzte Kämmerin Rita Bosch.

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Die wichtigsten Investitionen 2019 sind die Erschließungen der Baugebiete „Am Triebweg II“ und „Unter der Stelle II“ mit Bildung von sechs sowie 14 Bauplätzen, die Breitbandverkabelung, der Anbau des Containers für sanitäre Anlagen an die Schule zur Aufstellung der weiteren Kindergartengruppe, die Planung eines Rasengräberfeldes auf dem Friedhof sowie Restfinanzierungen für den Neubau von Feldwegen und der Bauhofhalle in der Gewerbestraße.

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Ob die Gemeinde wegen den großen anstehenden Investitionen weiterhin schuldenfrei bleiben kann, ist fraglich. Eine Kreditaufnahme in Höhe von 400 000 Euro ist vorgesehen. Im Ergebnishaushalt rechnet die Verwaltung mit zwei großen Ausgabeposten. Für die Betriebskostenabrechnungen der Jahre 2017 bis 2019 müssen jährlich 82 000 Euro eingeplant werden. Für die Erstattung der laufenden Betriebsausgaben des Kindergartens St. Raphael an die Katholische Verrechnungsstelle steigert sich der Betrag auch wegen der zusätzlichen KiGa-Gruppe auf 452 000 Euro. Für 2020 erwartet Rita Bosch deshalb eine weitere Steigerung auf 538 000 Euro. An den Zweckverband Interkommunaler Gewerbe- und Industriepark Graf Stauffenberg (IGGS) müssen 21 050 Euro Betriebskostenumlage gezahlt werden. Die Umlagezahlungen für Finanzausgleichs-, Kreis- und Gewerbesteuerumlagen liegen 2019 bei rund 1,12 Millionen Euro und fast in Vorjahreshöhe. An Schlüsselzuweisungen erwartet die Kämmerin 968 000 Euro. Der Gemeindeanteil an der Einkommenssteuer soll von 851 000 Euro auf 935 900 Euro steigen. Außerdem hofft die Finanzchefin auf Einnahmen aus der Gewerbesteuer in Höhe von 265 000 Euro, denen eine Gewerbesteuerumlage von 53 000 Euro gegenübersteht.