Es ist einer der ältesten christlichen Bräuche – das Binden von Weihebüscheln zu Maria Himmelfahrt. Ausgewählte Kräuter und Blumen werden zu traditionellen Kräuterbüscheln zusammengebunden. Diese werden bei den Gottesdiensten zu Maria Himmelfahrt am 15. August geweiht.

Zwei, die sich mit dem Binden von Weihebüscheln auskennen, sind Anja Gabele und Gabriele Mors. Die Gründerinnen des Betriebs Kornschnalle bauen auf einem rund einen halben Hektar großen Feld am Ortsrand von Sauldorf biozertifizierte und handgepflückte Tee- und Gewürzkräuter an.

Das Kräuterfeld von Anja Gabele und Gabriele Mors in Sauldorf. Hier bauen die Kräuterbäuerinnen nach Bio-Richtlinien und im Rhythmus der Natur Tee- und Gewürzkräuter an.
Das Kräuterfeld von Anja Gabele und Gabriele Mors in Sauldorf. Hier bauen die Kräuterbäuerinnen nach Bio-Richtlinien und im Rhythmus der Natur Tee- und Gewürzkräuter an. | Bild: Sandra Häusler

Der Regen Anfang der Woche hat dem Feld gutgetan, und so hacken Anja Gabele und Gabriele Mors mit ihrer Angestellten Natalie Neubauer morgens zunächst Unkraut aus den Kräuterreihen.

Eine Reihe von Spitzwegerich auf dem Kräuterfeld der Kornschnalle GbR. Im Hintergrund ist die Sauldorfer Kirche zu sehen.
Eine Reihe von Spitzwegerich auf dem Kräuterfeld der Kornschnalle GbR. Im Hintergrund ist die Sauldorfer Kirche zu sehen. | Bild: Sandra Häusler

Nachdem ihr Nachwuchs den Kinderschuhen entwachsen war, suchten Anja Gabele aus Sauldorf und Gabriele Mors aus Bichtlingen eine neue Aufgabe mit viel frischer Luft an einem Platz an der Sonne. Die Versorgung ihrer Familien mit frischem Obst, Kräutern, Gemüse, Beeren aus dem eigenen Hausgarten und die Überzeugung, sich gesund, ausgewogen und ökologisch zu ernähren, lagen den Frauen schon immer am Herzen. Mit der Gründung der Kornschnalle GbR legten sie 2013 den Grundstock für die Selbstständigkeit im Kräuteranbau.

Die geschnittenen Köpfe der Schafgarbe.
Die geschnittenen Köpfe der Schafgarbe. | Bild: Sandra Häusler

Praktisch vor der eigenen Haustüre bauen sie seither nach Bio-Richtlinien und im Rhythmus der Natur Tee- und Gewürzkräuter an. Vom Anbau über die Ernte bis zur Trocknung und Abfüllung: Alles geschieht in Handarbeit.

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Die Teekräuter werden in den Ganzblätter-Genussteemischungen über den eigenen Hofladen, Dorf- und Naturkostläden sowie den Verein „Kräutermanufaktur – Kräuterland Baden-Württemberg„ vertrieben. Die Gewürzkräuter werden für die Kräutersalze und -zucker verwendet.

Farbintensiv: die gesammelten Blüten der Königskerze im Weidenkorb.
Farbintensiv: die gesammelten Blüten der Königskerze im Weidenkorb. | Bild: Sandra Häusler

Je nach aktueller Wetterlage geben die Pflanzen auf dem Acker aufgrund des Saftanstiegs intensive Duftstoffe ab. An einem regenverhangenen Morgen duften die verschiedenen Minzsorten besonders intensiv. „Sommerferien gibt es für uns nicht“, sagt die 49-jährige Gabriele Mors. Im Sommer, wenn andere Urlaub und Freizeit genießen, ist für die Kräuterbäuerinnen Hauptsaison. Dennoch habe jede einmal Urlaub, erzählen die Frauen.

Gesunde und kräftige Blüten und Blätter wandern ins Körbchen

Täglich, nachdem der Morgentau abgetrocknet ist, geht es zur Ernte aufs Feld. Mit Weidenkörben streifen die Kräuterbäuerinnen durch die Reihen. Nur die gesunden, kräftigen Blüten und Blätter wandern ins Körbchen. Danach kommen die Kräuter umgehend in die Trocknung. „Wir machen auch einen Kräuterbuschen auf Maria Himmelfahrt„, informiert Anja Gabele. Sie greifen dabei auf die Kräuter zurück, die auf ihrem Feld wachsen.

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Kräuterspaziergang und Wissenswertes zu Weihebüscheln

Wer sich mit der Tradition von Weihbüscheln zu Maria Himmelfahrt nicht auskennt, kann sich bei verschiedenen Angeboten informieren. Am Samstag, 8. August um 16 Uhr sammeln die Teilnehmer bei einer Veranstaltung des Hauses der Natur in Beuron in Gnadenweiler bei einem Spaziergang Blumen und Kräuter für die Kräuterbuschen.

Anmeldung hierfür ist bei Wanderführer Hildebert Hipp, Telefon 0 74 63/86 41, möglich. Bei dem Spaziergang werden auch die Heil- und Schutzwirkungen der Kräuter ausführlich erklärt, die Teilnehmer erfahren darüber hinaus Wissenswertes zur Herkunft dieses alten Brauchtums.

Weihebüschel binden mit dem Albverein und der Seelsorgeeinheit

Der Schwäbische Albverein und die Katholische Seelsorgeeinheit Meßkirch-Sauldorf pflegen die Tradition des Weihebüschelbindens ebenso. Anita Metz und Ursula Schwelling bestimmen am Freitag, 14. August, 15 Uhr, am Herz-Jesu-Heim mit den Teilnehmern Blumen und Kräuter, die anschließend zusammengebunden werden. Anmeldung bei Anita Metz, Telefon 0 75 75/28 07 und Ursula Schwelling, Telefon 0 75 75/52 82.

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