Jetzt hat auch der Ortsteil Rast seinen Förderverein. Am Mittwoch hoben 66 Gründungsmitglieder den Förderverein Dorfgemeinschaft Rast aus der Taufe. Hauptziel des neuen Vereins ist der Bau eines Bürgerhauses in weitgehender Eigenregie der Raster. Bereits in der Vorwoche war ebenfalls im Sauldorfer Bürgerhaus unter ähnlich starker Bürgerbeteiligung ein entsprechender Förderverein für den Anbau eines Veranstaltungssaals an die alte Schule in Bichtlingen gegründet worden.

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Solange die traditionelle Dorfstruktur in Rast Bestand hatte, war die Frage nach einem öffentlichen Veranstaltungsraum nicht akut. Der Löwen-Saal begleitete manchen Raster durch das ganze Leben – von der Taufe über die Kommunion und Hochzeit bis hin zur Beerdigung. Den „Löwen“ gibt es zwar noch. Der Festsaal im Obergeschoss ist allerdings längst Geschichte. Damit wurde die Versammlungsraumfrage in Rast akut. Auf diese Entwicklung ging Bürgermeister Wolfgang Sigrist in seiner Begrüßungsrede ein.

Bei der Gründungsversammlung des neuen Fördervereins waren zahlreiche Interessierte.
Bei der Gründungsversammlung des neuen Fördervereins waren zahlreiche Interessierte. | Bild: Steinmüller, Hermann-Peter

Dazu kam die Aufwärtsentwicklung des Raster Musikvereins. Die Kapelle suchte dringend nach einem geeigneten Proberaum. Das ehemalige Feuerwehrmagazin steht seit dem Umzug der Einsatzkräfte im vergangenen Herbst nach Sauldorf zwar leer. Es bietet allerdings nicht die Raumkapazität, die die Raster Bevölkerung und besonders die Vereine brauchen.

Bis zur Eröffnung des geplanten Bürgerhauses dient das ehemalige Feuerwehrhaus als Ausweichquartier.
Bis zur Eröffnung des geplanten Bürgerhauses dient das ehemalige Feuerwehrhaus als Ausweichquartier. | Bild: Steinmüller, Hermann-Peter

Deshalb wurde die Idee geboren, ein komplett neues Bürgerhaus zu bauen. Zur gleichen Zeit äußerten auch die Einwohner von Wasser und Boll ihren Wunsch nach geeigneten Veranstaltungsorten. Alle drei Wünsche machten dem Rathauschef zunächst erhebliches Kopfzerbrechen. „Unter normalen Bedingungen mit Ausschreibungen und Handwerkern wären wir pro Ortsteil bei annähernd einer Million Euro gelegen“, beschrieb Sigrist die Ausgangslage.

Arbeiten sollen in Eigenregie erledigt werden

Schließlich war es Christian Walter, der als kommunaler Liegenschaftsverwalter und gelernter Bautechniker die Lösung fand. Wenn alle Arbeiten in Eigenregie ehrenamtlich erledigt würden, könnten pro Ortsteil jeweils 200 000 Euro als Zuschuss der Gemeinde für die Materialkosten genügen. Diese Idee fand bei der Winterklausur des Gemeinderates eine breite Mehrheit. In allen drei Ortsteilen fand die Idee unter Vereinen und Bürgern ebenfalls Zustimmung.

200 000 Euro pro Ortsteil als Zuschuss

Als organisatorischer Rahmen für die Umsetzung der Projekte müssen zunächst Fördervereine gegründet werden. Wie für Bichtlingen sicherte der Rathauschef für das Raster Projekt nicht nur die genannten 200 000 Euro zu, sondern auch die kostenlose Lieferung des benötigten Bauholzes aus dem Gemeindewald.

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110 Quadratmeter großer Festsaal geplant

Christian Walter nutzte die Versammlung, seinen Plan für das zukünftige Bürgerhaus vorzustellen. Es soll auf einem Bauplatz in unmittelbarer Nähe zur Auental-Schule und zur Sporthalle entstehen. Vorgesehen sind ein 110 Quadratmeter großer Festsaal für maximal 96 Personen und ein 90 Quadratmeter großer Raum als Probelokal für den Musikverein.

Raster haben Mitsprachemöglichkeit

Walter wie Sigrist betonten, dass in dem jetzt vorgestellten Planwerk bereits alle Wünsche und Anregungen der Vereine und Gruppen enthalten seien, die später die neuen Räumlichkeiten nutzen möchten. Sigrist: „Aber noch ist nicht alles endgültig festgeschrieben. Wir sind für weitere Änderungs- und Verbesserungsvorschläge offen.“ Er rief die Raster auf, von dieser Mitsprachemöglichkeit in den kommenden Wochen und Monaten Gebrauch zu machen.

Auch weitere Projekte sind für den Förderverein denkbar

Wie in Wasser will sich der neue Raster Förderverein nicht nur als Motor für das Bürgerhausprojekt verstanden wissen. Wie Versammlungsleiter Gregor König, der später zu einem der drei gleichberechtigten Vorsitzenden gewählt wurde, sagte, stünde das Bürgerhaus als Ziel zwar in der Satzung. Dieses Paragraphenwerk könne jedoch im Bedarfsfall geändert und für weitere Projekte geöffnet werden.

Sie führen als gleichberechtigte Vorsitzende den neuen Förderverein (v.l.): Markus Derksen, Johanna Hahn und Gregor König
Sie führen als gleichberechtigte Vorsitzende den neuen Förderverein (v.l.): Markus Derksen, Johanna Hahn und Gregor König | Bild: Steinmüller, Hermann-Peter

Die im Rahmen der Gründungsversammlung gewählte Vereinsspitze setzt sich wie folgt zusammen: Gleichberechtigte Vorsitzende sind Gregor König, Johanna Hahn und Markus Derksen. Sie teilen die Aufgaben des Vorsitzenden, des Stellvertreters und des Schatzmeisters unter sich intern auf.

Als Schriftführerin gehört Kerstin Singler zum Vorstand. Mit den sieben Besitzern wurde versucht, möglichst viele Vereinsvertreter mit in den erweiterten Vorstand aufzunehmen. Das Gremium besteht aus Jonathan Binder (Landjugend), Dietmar Bühler (Musikverein), Jörg Gebs (Feuerwehr) Leonhard Stadler (sachkundiger Bürger), Alfred Weiß (Sportverein Ajax), Walter Rech (Feuerwehr) und Martin Weidele (Musikverein).

Geht der Plan auf, könnte 2022 schon die Eröffnung gefeiert werden

Den Mitgliedsbeitrag setzte die Gründungsversammlung für Einzelmitglieder und Gruppen auf jährlich 15 Euro fest. Familien aller Größen sind mit 30 Euro dabei.

Wenn alles reibungslos nach Plan verläuft, könnten die Raster bereits Mitte 2022 mit einem Sommerfest das neue Bürgerhaus einweihen. Diesen Zeitplan nannte Wolfgang Sigrist auf die Frage eines Gründungsmitglieds. Gleichzeitig warnte der Kommunalpolitiker aber davor, „etwas über das Knie brechen zu wollen“. Er rechne mit einer reinen Bauzeit von eineinhalb bis zwei Jahren, sagte er.