Mehr als 500 Hektar Wald besitzt die Gemeinde Sauldorf. Das Landeswaldgesetz schreibt vor, dass für gemeindeeigene Forstbetriebe alle zehn Jahre eine mittelfristige Planung durch die höhere Forstbehörde zu erstellen ist. Im Falle Sauldorfs ist das die Forstdirektion Freiburg. Die Forstplanung – in der Verwaltungssprache mit dem Wortungetüm „Forsteinrichtungserneuerung“ bezeichnet – legt nicht nur die Ziele der Waldbewirtschaftung für die nächsten zehn Jahre fest, sie umfasst auch eine Inventur – also eine Zustandserfassung des Forstes. Außerdem überprüfen die „Forsteinrichter“, ob die Ziele der vergangenen Planung für den Wald eingehalten wurden.

Beim Landratsamt für den Sauldorfer Forst verantwortlich: Der Leiter des Fachbereichs Forst Stefan Kopp.
Beim Landratsamt für den Sauldorfer Forst verantwortlich: Der Leiter des Fachbereichs Forst Stefan Kopp. | Bild: Sturm, Heinrich

Andreas Kaphegyi von der Forstdirektion Freiburg stellte am vergangenen Donnerstag die aktuelle Forsteinrichtung für die Jahre 2021 bis 2030 dem Sauldorfer Gemeinderat vor. Unterstützt wurde er dabei vom Leiter des Fachbereichs Forst beim Landratsamt Sigmaringen Stefan Kopp sowie dem Sauldorfer Revierförster Steffen Knaus.

Nadelhölzer gehen zurück

„Wir sind relativ breit aufgestellt“, meinte Kaphegyi in Bezug auf die Zusammensetzung der verschiedenen Baumarten im Sauldorfer Gemeindewald. Das Verhältnis von Nadelholz (60 Prozent) zu Laubholz (40 Prozent) ist allerdings von einem Rückgang beim Nadelholz – insbesondere der Fichte (minus neun Prozent) – gekennzeichnet, wie seinem Zustandsbericht zu entnehmen ist. Grund für den Rückgang des Fichtenbestands sind Käferbefall sowie Dürre und Sturm. Bei den Laubbäumen haben Eiche, Buche und Bergahorn zugenommen, während der Anteil an Eschen im Sauldorfer Wald abgenommen hat. Für den Rückgang bei den Eschen ist das Eschentrieb-Sterben ursächlich, dass durch einen Pilz ausgelöst wird.

Er wird die Forsteinrichtung umsetzen: Sauldorfs Revierförster Steffen Knaus.
Er wird die Forsteinrichtung umsetzen: Sauldorfs Revierförster Steffen Knaus. | Bild: Sturm, Heinrich

Weniger Holzvorrat

Der Holzvorrat im Sauldorfer Gemeindewald ist insgesamt gesunken. Er beträgt momentan 367 Vorratsfestmeter pro Hektar. Käferbefall und Stürme hatten in der Vergangenheit dazu geführt, dass die Forstverwaltung immer wieder außerplanmäßig Holz schlagen musste. Trotzdem ist der Holzvorrat noch auf hohem Niveau, heißt es dazu in Kaphegyis Bericht. Besonders hoch sei momentan der Anteil an Starkholz – also Bäume, deren Stämme stärker als 50 Zentimeter im Durchmesser sind. Der Starkholz-Anteil am gesamten Holzvorrat beträgt mittlerweile 35 Prozent, dabei handelt es sich vor allen Dingen um Fichten. Die Fläche mit jungem Baumbestand, der bereits unter den älteren Bäumen heranwächst, ist zurückgegangen. Daher müssen im Sauldorfer Forst immer wieder neue Bäume gepflanzt werden, auch weil die natürliche Verjüngung des Waldes nur gering ist. Wegen „waldbaulich relevantem Verbiss“ – also erheblichen Schäden an den Jungpflanzen durch Wild – müssen diese zusätzlich geschützt werden.

Mehr Holz geschlagen als geplant

3200 Erntefestmeter (Efm) mehr als geplant – nämlich 57 200 Efm – wurden im Sauldorfer Gemeindewald geschlagen. Durchschnittlich 188 000 Euro pro Jahr hat die Gemeinde Sauldorf seit der letzten Forsteinrichtung aus ihrem Forstbetrieb eingenommen. „Das wirtschaftliche Ergebnis war in den letzten zehn Jahren positiv, bis auf die letzten zwei Jahre, da war der Holzpreis teilweise komplett eingebrochen“, stellte Kaphegyi das betriebswirtschaftliche Ergebnis des Sauldorfer Forstes gegenüber dem Gemeinderat dar.

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Die Planungen für die nächsten zehn Jahre sehen vor, dass 59 000 Efm geerntet werden sollen. Das ist deutlich mehr als in der vergangenen Forsteinrichtung geplant war. Insbesondere die großen Starkholz-Bestände bei der Fichte empfiehlt Kaphegyi zu reduzieren, auch um das Risiko zu minimieren, dass hier durch Käferbefall und Stürme viel Schadholz anfällt. Bei der Verjüngung des Waldes setzt Kaphegyi auf „klimastabilere Baumarten“, wie etwa die Douglasie und Lärche. Jungpflanzen will man durch Wuchsgitter oder das Streichen mit Verbiss-Schutzmitteln schützen. Der Forstexperte erwartet, dass bei normaler Holzmarktlage auch zukünftig mit einem positiven Betriebsergebnis zu rechnen sei. „Die Gemeindekasse kann es gut gebrauchen“, kommentierte Sauldorfs Bürgermeister Wolfgang Sigrist Kaphegyis Prognose.

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Einstimmig angenommen

Der Gemeinderat nahm nach kurzer Diskussion die neue Forsteinrichtung an. „Sie sehen, der Gemeinderat steht hinter seinem Forstamt“, dankte Bürgermeister Sigrist den anwesenden Forstleuten und bat sie zum Ende scherzend: „Und bringen Sie gute Erträge!“