Mit deutlicher Verspätung konnte der Haushaltsplan 2020 für die Gemeinde Sauldorf bei der jüngsten Gemeinderatssitzung endlich verabschiedet werden. Normalerweise wird jener am Jahresanfang vorgestellt, doch „dieses Jahr war vieles anders“, wie der zuständige Kämmerer Günther Hermann erklärt. Erwartete, wie unerwartete Faktoren spielten in die verspätete Veröffentlichung mit rein.

Bei der Umstellung nicht mit dem Lockdown gerechnet

Seit diesem Jahr muss nun auch Sauldorf seinen Haushalt mithilfe eines neuen Buchhaltungssystems berechnen. Als letztes Bundesland hatte Baden-Württemberg beschlossen ab diesem Jahr den sogenannten doppischen Haushaltsplan einzuführen. Zuvor wurde mithilfe der kameralen Buchführung abgerechnet. Diese bürokratische Umstellung und die damit einhergehenden Verzögerungen im Erstellen des Haushaltsplans seien Günther Hermann bewusst gewesen, doch mit dem unvorhersehbaren Lockdown Anfang dieses Jahres habe er natürlich nicht gerechnet. Diese Gründe und die Sondersteuerschätzung des Bundes im September hätten zur späten Verabschiedung geführt.

Gemeinde ist seit zwei Jahren schuldenfrei

Doch wie steht es nun im Detail um die Liquidität der Gemeinde? Zunächst sei zu erwähnen, dass Sauldorf dieses Haushaltsjahr aus einer sehr guten Ausgangssituation heraus beginnen konnte. Rund 1,6 Millionen Euro hatte die Gemeinde am Jahresanfang an liquiden Mitteln zu Verfügung. Dies sei laut Kämmerer Hermann für die Größe und wirtschaftlichen Gegebenheiten Sauldorfs ein guter Wert. Bereits seit 15 Jahren baut die Kommune Schulden ab und ist sogar seit zwei Jahren schuldenfrei.

Zunächst kostspielige Investitionen in Baugebiete

Doch wird dies auch noch 2021 der Fall sein? Ein Minus von rund 850 000 Euro scheint die Stimmung zu trüben. Dieses sei zum einen durch einen geringen Finanzausgleich des Landes wegen guter Steuereinnahmen in 2018, hohen Unterhaltungskosten von Straßen und öffentlichen Einrichtungen und kostspieligen Investitionen, wie in die Baugebiete „Letten“ und „Breschneck III“, enstanden. Hinzu kamen dann unerwartet niedrige Gewerbesteuereinnahmen aufgrund der Corona-Krise und ein rekordverdächtig niedriger Holzpreis, die der Gemeinde dieses Jahr deutlich weniger Einnahmen bescherten.

Das neue Baugebiet „Letten“ in Sauldorf stellt mit seinen Erwerbskosten von 465 600 Euro einen der größten Investitionsposten des diesjährigen Sauldorfer Haushalts dar.
Das neue Baugebiet „Letten“ in Sauldorf stellt mit seinen Erwerbskosten von 465 600 Euro einen der größten Investitionsposten des diesjährigen Sauldorfer Haushalts dar. | Bild: Hannah Senftleber

Abschreibungen in Höhe von 900 000 Euro

Ein wichtiger Posten, der sich für den Laien auf den ersten Blick nicht ergibt, ist das Auflisten von Abschreibungen für Gebäude, Straßen und sonstige Infrastruktureinrichtungen der Gemeinde. Dies sei in Folge des Wechsels hin zum doppischen Haushaltsplans ein neuer Punkt, der auch in Zukunft den Sauldorfer Haushalt, dieses Jahr mit rund 900 000 Euro, belasten wird, so Hermann im Gespräch mit dem SÜDKURIER. Gerade öffentliche, kostenintensive Neubauten wie das Feuerwehrhaus in Sauldorf würden hier sehr zu Buche schlagen.

Rücklagen sind eine solide Grundlage

Doch der Kämmerer Günther Hermann zeigt sich vorsichtig optimistisch. Mit den Rücklagen aus dem Vorjahr sei auch für die Folgejahre eine solide Grundlage geschaffen worden und unter vorher genannten Bedingungen hätte die Gemeinde dieses Jahr gut gewirtschaftet. Die Verwaltung rechne derzeit sogar mit einem Finanzierungsmittelüberschuss von rund 1 Millionen Euro im Planjahr 2023, wobei dieser natürlich stark von der weiteren wirtschaftlichen Entwicklung abhänge, die Günther Hermann besonders jetzt Sorgen bereitet: „Ein weiterer zeitnaher Lockdown wäre gar nicht gut“, erklärt er. Sauldorf sei vergleichsweise stark abhängig von seinen Gewerbesteuereinnahmen und weitere Einbußen in diesem Punkt würden sich in der Konsequenz natürlich weiter negativ auf nächstes Jahr auswirken. Wie gut sich Sauldorf also von diesem finanziell gesehenen, eher unterdurchschnittlichen Jahr erholen wird, werden die zukünftigen Coronamaßnahmen zeigen.

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