„Nach und nach wurde mir bewusst, wie sehr mir die Chorarbeit fehlt“: So beschreibt Volker Nagel, Chorleiter der Chöre von Rast-Bichtlingen, die Situation der vergangenen Monate. Im Zuge der Corona-Verordnungen mussten sämtliche Aktivitäten von Chören ausfallen. Das bedeutete für die Sängerinnen und Sänger: keine gemeinsamen Proben und keine Auftritte.

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Diese Verbote haben seit dem 1. Juli ein Ende. Es darf wieder geprobt werden. Und die Sauldorfer Chöre aus Rast-Bichtlingen mit Chorleiter Volker Nagel und der Kirchenchor Boll unter der Leitung von Sabine Hensler ließen sich das nicht zweimal sagen. Unter der Einhaltung von strengen Auflagen wird wieder gesungen. „Zum Schutz von uns allen müssen wir die Vorgaben notgedrungen akzeptieren“, sagt Sabine Hensler.

Eine Probe des Chores von Rast-Bichtlingen in der Kirche sieht zurzeit so aus: Zwei Meter Platz in alle Richtungen.
Eine Probe des Chores von Rast-Bichtlingen in der Kirche sieht zurzeit so aus: Zwei Meter Platz in alle Richtungen. | Bild: Christl Eberlein

Mindestabstand, Desinfektion, Mundschutz

Das Hygienekonzept ist für alle das gleiche. Die Einhaltung eines Mindestabstands von zwei Metern in alle Richtungen ist eine der Vorschriften. Um dem nachzukommen, finden die Proben in Bichtlingen momentan in der Kirche statt, der Chor in Boll probt mit maximal elf Sängerinnen und Sängern in der Pfarrscheune. Das Üben aller Chorstimmen auf einmal ist somit nicht möglich. Die Anwesenheit bei den Proben wird ganz genau dokumentiert, damit eine mögliche Ansteckungskette lückenlos nachvollzogen werden kann, sollte eine Sängerin oder ein Sänger erkranken.

Loredana Schaz singt seit rund sechs Jahren Sängerin im Kirchenchor von Boll. Als sie gehört hat, dass die Zwangspause der Chorproben wegen der Corona-Pandemie vorbei ist, war sie sofort wieder dabei. Der Chor und die regelmäßigen Treffen haben ihr sehr gefehlt. Sie war froh, dass es zumindest die WhatsApp-Gruppe der Sängerinnen und Sänger gab, um sich auch ohne die persönlichen Begegnungen austauschen zu können und Ideen zu schmieden. „Wenn das Miteinander fehlt, dann bekommt alles eine ganz andere Wertigkeit“, sagt die Sängerin aus Boll. Für sich alleine hat sie natürlich auch während der Corona-Auszeit gesungen. Und trotzdem ist sie der Meinung: „Es war eine komische Zeit.“
Loredana Schaz singt seit rund sechs Jahren Sängerin im Kirchenchor von Boll. Als sie gehört hat, dass die Zwangspause der Chorproben wegen der Corona-Pandemie vorbei ist, war sie sofort wieder dabei. Der Chor und die regelmäßigen Treffen haben ihr sehr gefehlt. Sie war froh, dass es zumindest die WhatsApp-Gruppe der Sängerinnen und Sänger gab, um sich auch ohne die persönlichen Begegnungen austauschen zu können und Ideen zu schmieden. „Wenn das Miteinander fehlt, dann bekommt alles eine ganz andere Wertigkeit“, sagt die Sängerin aus Boll. Für sich alleine hat sie natürlich auch während der Corona-Auszeit gesungen. Und trotzdem ist sie der Meinung: „Es war eine komische Zeit.“ | Bild: Christl Eberlein

Vor dem Betreten des Probenraumes müssen die Hände desinfiziert werden und es herrscht Maskenpflicht, bis alle Anwesenden bei der Probe auf ihren Plätzen sitzen. Und selbstverständlich gilt bei den Chorproben auch das Gebot: Wer krank ist, Schnupfen oder Husten hat oder wer Kontakt mit einer an Corona erkrankten Person hatte, der darf an den Proben nicht teilnehmen! „Die Hygienevorschriften gelten für alle Chöre, für die Kinder und Jugendlichen genauso wie für die Erwachsenen“, erklärt Chorleiter Nagel.

Sehnsucht nach dem Probenalltag

Die Zeit ohne Chorgesang beschreibt Sabine Hensler so: „Zunächst war da ein notgedrungenes Akzeptieren des Probenverbots. Dann kam eine Phase des Gefühls der Entlastung, keine Termine, keine Verantwortung. Diese Phase hielt aber nicht lange an und ich begann mich mit neuer Literatur zu beschäftigen. Die Sehnsucht zurück zum Probenalltag mit seinen klaren Strukturen wuchs und die Freude war groß, als Anfang Mai klar war, dass wir wenigstens die wieder stattfindenden Gottesdienste mit vier Sängern musikalisch begleiten durften, als Ersatz für den fehlenden Gemeindegesang.“

Maria Singler singt seit über 40 Jahren im Chor von Rast-Bichtlingen. Als die Proben aufgrund des Coronavirus nicht mehr stattfinden konnten, haben ihr diese wirklich gefehlt. „Ich habe plötzlich ein ganz neues Fernsehprogramm kennen gelernt am Donnerstagabend“, sagt sie scherzhaft. Sie hat in der Zeit der Zwangspause gemerkt, dass sie sich ein Leben ohne Chor nicht mehr vorstellen kann. „Singen tut einfach gut und es macht so viel Spaß wieder zu den Proben zu gehen“, sagt sie. Die Zeit ohne Chorproben hat sie mithilfe von Aufnahmen vergangener Konzerte und Auftritte des Kirchenchores Rast-Bichtlingen überbrückt. Die hat sie sich angehört und mehr als einmal mitgesungen.
Maria Singler singt seit über 40 Jahren im Chor von Rast-Bichtlingen. Als die Proben aufgrund des Coronavirus nicht mehr stattfinden konnten, haben ihr diese wirklich gefehlt. „Ich habe plötzlich ein ganz neues Fernsehprogramm kennen gelernt am Donnerstagabend“, sagt sie scherzhaft. Sie hat in der Zeit der Zwangspause gemerkt, dass sie sich ein Leben ohne Chor nicht mehr vorstellen kann. „Singen tut einfach gut und es macht so viel Spaß wieder zu den Proben zu gehen“, sagt sie. Die Zeit ohne Chorproben hat sie mithilfe von Aufnahmen vergangener Konzerte und Auftritte des Kirchenchores Rast-Bichtlingen überbrückt. Die hat sie sich angehört und mehr als einmal mitgesungen. | Bild: Christl Eberlein

Es gibt aber auch positive Aspekte, die Sabine Hensler den vergangenen Monaten abgewinnen kann. Die Chorleiterin hat gemerkt, dass das selbstständige Singen gefördert wurde, da sich die einzelnen Stimmen nicht an den anderen „anlehnen“ konnten. Außerdem konnte der Kirchenchor Boll trotz Probenpause zwei neue Sängerinnen gewinnen. Und auch das Proben unter den Corona-Auflagen sei nicht nur mühsam und eingeschränkt, weiß Volker Nagel. „Wir proben jetzt in Kleingruppen und ich habe schon viel positive Rückmeldung erhalten, wie gut diese neue Erfahrung ist“, sagt der Chorleiter aus Rast-Bichtlingen.

Erst einmal vertraute Lieder

Um jetzt wieder richtig reinzukommen und die eigene Stimme und den Klangraum wieder zu finden, probt der Kirchenchor in Boll erst einmal vertraute Lieder. Auch auf verschiedene Wünsche aus den Reihen der Sänger, wie das Lied „Wunder geschehen“ von Nena, geht Chorleiterin Sabine Hensler gerne ein. „Wir knüpfen an die Probenarbeit vor der Corona-Krise an und proben die Messe, die wir für Ostern 2020 geplant hatten weiter, in der Hoffnung, dass es Weihnachten möglich ist, sie zu singen.“

Winfried Nägele vom Kirchenchor in Boll singt seit elf Jahren dort im Tenor. Die Gemeinschaft und das Zusammenkommen hat ihm in der Zeit, in der keine Chorproben stattfinden durften, am meisten gefehlt. „Man hat sich schon etwas aus den Augen verloren in den letzten Monaten“, sagt er. Das Singen ist eines seiner Lieblingshobbys und der Besuch der Probentermine ist für ihn eine festes Ritual in seinem Wochenplan. Auch wenn er der Corona-Zwangspause durch die „Entstressung“, wie er es nennt, etwas Positives abgewinnen konnte, freut er sich, dass es mit dem Singen weitergeht. Um sich die Wartezeit zu verkürzen, hat er sich im Internet unter anderem Musik-Challenges angesehen.
Winfried Nägele vom Kirchenchor in Boll singt seit elf Jahren dort im Tenor. Die Gemeinschaft und das Zusammenkommen hat ihm in der Zeit, in der keine Chorproben stattfinden durften, am meisten gefehlt. „Man hat sich schon etwas aus den Augen verloren in den letzten Monaten“, sagt er. Das Singen ist eines seiner Lieblingshobbys und der Besuch der Probentermine ist für ihn eine festes Ritual in seinem Wochenplan. Auch wenn er der Corona-Zwangspause durch die „Entstressung“, wie er es nennt, etwas Positives abgewinnen konnte, freut er sich, dass es mit dem Singen weitergeht. Um sich die Wartezeit zu verkürzen, hat er sich im Internet unter anderem Musik-Challenges angesehen. | Bild: Christl Eberlein

Dieser Hoffnung schließt sich Volker Nagel an und wünscht sich ebenfalls, dass er mit seinen Sängerinnen und Sängern zum Ende des Jahres wieder vor Publikum stehen kann.

Gerda Gabele hat noch keine Minute ihrer Mitgliedschaft im Chor bereut. Sie ist seit rund drei Jahren aktive Sängerin des Kirchenchors Rast-Bichtlingen und freut sich, dass die Proben nun wieder stattfinden können. Die probenfreie Zeit war schwer für sie, denn nicht nur der Gesang hat sie vermisst, sondern auch die Gemeinschaft der Chormitglieder. „Beim Singen kann man den Alltag gut hinter sich lassen. Es ist ein bisschen, wie in einer anderen Welt“, beschreibt sie ihr Gefühl, wenn sie singt. Gesungen hat sie auch während der Corona-Krise, zu Hause oder im Auto. Aber das sei einfach nicht dasselbe wie bei den Proben. Gerda Gabele hofft, dass es bald wieder richtig los gehen kann.
Gerda Gabele hat noch keine Minute ihrer Mitgliedschaft im Chor bereut. Sie ist seit rund drei Jahren aktive Sängerin des Kirchenchors Rast-Bichtlingen und freut sich, dass die Proben nun wieder stattfinden können. Die probenfreie Zeit war schwer für sie, denn nicht nur der Gesang hat sie vermisst, sondern auch die Gemeinschaft der Chormitglieder. „Beim Singen kann man den Alltag gut hinter sich lassen. Es ist ein bisschen, wie in einer anderen Welt“, beschreibt sie ihr Gefühl, wenn sie singt. Gesungen hat sie auch während der Corona-Krise, zu Hause oder im Auto. Aber das sei einfach nicht dasselbe wie bei den Proben. Gerda Gabele hofft, dass es bald wieder richtig los gehen kann. | Bild: Christl Eberlein

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