25 Jahre war es am Wochenende her, dass Edmund Knoll das Gasthaus "Löwen" in Sauldorfs Ortsteil Rast übernommen hat. Aus diesem Anlass feierten er, seine Frau Matamoana Funaki Knoll, gebürtig aus Tonga im Südpazifik, und das restliche „Löwen"-Team ausgiebig mit ihren Gästen. Für die gab es zahlreiche Programmpunkte, unter anderem veranstaltete Braumeister Thorsten Jauch von der Hirschbrauerei Wurmlingen ein Bierseminar. Rund 300 Gäste waren zu der Feier gekommen.

Die "Löwen"-Familie (stehend, von links): Bastian, Ingo und Myriam Knoll (Kinder von Edmnund Knoll), daneben Marcel und Ann-Kathrin Farischon (Kinder von Matamoana Funaki Knoll). Vorne (von links): Edmund Knoll, Seniorchefin Lore Knoll und Matamoana Funaki Knoll.
Die "Löwen"-Familie (stehend, von links): Bastian, Ingo und Myriam Knoll (Kinder von Edmnund Knoll), daneben Marcel und Ann-Kathrin Farischon (Kinder von Matamoana Funaki Knoll). Vorne (von links): Edmund Knoll, Seniorchefin Lore Knoll und Matamoana Funaki Knoll. | Bild: Hannah Senftleber

Auch die erste Telefonstelle befand sich im "Löwen"

Hinter diesem Jubiläum steht eine weitaus längere Geschichte des Wirtshauses, denn bereits seit 1901 ist der Landgasthof in Besitz der Familie Knoll beziehungsweise Maier. Am 9. August 1901 pachtete Anton Maier, der Urgroßvater von Edmund Knoll, mit seiner Familie den 1838 errichteten „Löwen“. Dank der Kochkünste seiner Frau Pauline hatte das Wirtshaus schon bald einen guten Namen in der Region. Doch der Löwen war in seiner langen Geschichte nicht nur Gasthof: In dem Gebäude befand sich um 1903 auch die erste Telefonstelle in Rast. Von 1931 bis 1993 hatte die örtliche Poststelle im "Löwen" ihren Standort. Ebenso bemerkenswert ist die Geschichte des Löwensaals, der sich im ersten Obergeschoss des Gasthofs befand. Hier traten bis 1958 regelmäßig lokale Theatergruppen auf der Bühne auf.

Die Schauspieler bei der Theateraufführung des Stücks "Genovefa" 1905 im Löwensaal im ersten Obergeschoss des Gasthauses.
Die Schauspieler bei der Theateraufführung des Stücks "Genovefa" 1905 im Löwensaal im ersten Obergeschoss des Gasthauses. | Bild: Privat

Edmund Knoll übernimmt 1993

1960 heiratete die Enkeltochter von Anton Maier, Lore, schließlich Anton Knoll, der den „Löwen“ durch sein Engagement in der Viehzucht auch über die Region hinaus bekannt machte. Nachdem Edmund Knoll zuerst eine Metzgerlehre in der Metzgerei Rimmele und dann seine Kochausbildung im „Hirsch“ in Horn abgeschlossen hatte, arbeitete er zwei Jahre lang in der Schweiz und eine Wintersaison in Österreich, ehe er schließlich 1993 den „Löwen“ übernahm und somit die Familientradition in der vierten Generation fortführte.

Das könnte Sie auch interessieren

Bodenständige Küche bis heute

Mit ihm kamen auch einige Veränderungen im "Löwen": ein neuer Speiseraum und das kleine Jägerstüble wurden neben dem eigentlichen Gastraum geschaffen, nachdem die Poststelle 1993 aufgelöst worden war. Außerdem baute Edmund Knoll eine neue Küche und Theke ein. Doch seiner bodenständigen Speisekarte, und damit nicht zuletzt seinem Vater, blieb er treu. Denn noch heute setzt er auf gutbürgerliche Küche und legt Wert auf Regionalität, Qualität und Frische der Produkte. Der „Löwen“ wurde auch schon mit zwei von maximal drei „Schmeck-den-Süden-Löwen“ ausgezeichnet. Dabei handelt es sich um eine Zertifizierung des Landes Baden-Württemberg, die die Gastronomen nach Anzahl ihrer regionalen Produkte bewertet. Sowohl die Spätzle als auch das Brot macht Lore Knoll selbst.

Gastronomen mit Leib und Seele

Mit neuen Geschäftsideen, wie der Essensausgabe an Kindergärten und Schulen, dem 2009 errichteten Biergarten und der Planung von Fremdenzimmern, soll der Gasthof auch in Zukunft konkurrenzfähig sein. Matamoana Funaki Knoll sieht noch einen weiteren Grund, der für das lange und erfolgreiche Bestehen des „Löwen“ gesorgt hat: „Wir sind einfach Gastronomen mit Leib und Seele und der enge Zusammenhalt innerhalb des Teams hat dazu beigetragen, dass wir uns schon so lange beweisen können.“ Das kann auch Mitarbeiter Kevin Kullick bestätigen: „Uns wird hier viel Verantwortung übertragen, was im Umkehrschluss auch wieder für viel Vertrauen steht“, sagt er.

Das könnte Sie auch interessieren

Sohn will "Löwen" vielleicht eines Tages übernehmen

Und wie steht es um die Zukunft des „Löwen“? Zwar gäbe es in der Familie einige potenzielle Nachfolger. Doch nur eines der Kinder von Edmund Knoll hat tatsächlich den Weg seines Vaters eingeschlagen: Bastian Knoll, Edmund Knolls Sohn aus erster Ehe. Er hat so wie sein Vater erfolgreich eine Kochausbildung absolviert und steht bereits jetzt zusammen mit ihm in der Küche des „Löwen“. Allerdings möchte er das Gasthaus nicht in naher Zukunft übernehmen. Zuerst möchte Bastian Knoll ins Ausland gehen, am liebsten nach Portugal oder Amerika, wie er erzählt. Dort möchte er Erfahrungen sammeln, um dann in einigen Jahren womöglich den Familienbetrieb in Sauldorf-Rast in fünfter Generation fortzuführen.