Noch vor rund drei Monaten schien des Leben des jungen Rotmilans nichts mehr wert zu sein. Er war gerade einmal zwei oder drei Wochen alt und aus irgendwelchen Gründen aus dem Horst gestürzt. Pech für ihn, denn die Eltern füttern ein aus dem Horst gefallenes Küken nicht mehr und den Rest erledigt im Normalfall der Fuchs. Dass es dieses Mal nicht zum Normalfall kam, lag an einem Spaziergänger. Dieser Spaziergänger alarmierte Revierleiter Daniel Sauter. Der wusste Rat in Gestalt von Armin Hafner. Der Donautal-Guide und Falkner holte das Küken ab und zog es auf. Jetzt, drei Monate später, war der große Augenblick gekommen. Hafner konnte den Jungmilan in die freie Natur entlassen.

Dieser Moment im Leben des Greifvogels war sehr kurz. Den Weg von Sauldorf, wo Armin Hafner seine Greifvogelstation hat, bis zur großen Wiese oberhalb von Frohnstetten legte der Terzel in einem geräumigen Pappkarton zurück. Armin Hafner ergriff ihn, trug ihn einige Meter in die Wiese hinein und warf ihn in die Luft. Das war der Abschied. Der Vogel breitete seine Schwingen aus, drehte noch ein paar Runden im freien Flug über der Wiese und verschwand dann in Richtung Wald. Armin Hafner kommentierte: "Er wird in den nächsten Tagen viel Fliegen üben und seine Kondition in der Luft verbessern."

Hinter Armin Hafner und dem Rotmilan liegen einige aufregende Wochen. Denn in den ersten Tagen in der Greifvogelstation konnte der Findling noch nicht selbst fressen. Der Falknermeister musste ihn mit der Pinzette mit Nahrung versorgen. Wer sich nun vorstellt, ein junger Greif könnte mit Hackfleisch und Regenwürmern großgezogen werden, irrt. "Der junge Milan braucht artgerechte Nahrung," erklärt der Sauldorfer. "Artgerecht", das heißt Eintagesküken oder Tauben. Sie müssen sterben, damit der Milan leben kann. Hafner kommentiert das mit dem Hinweis: "So ist eben die Natur." Jetzt in Freiheit sieht der Speiseplan für den Rotmilan Mäuse, Regenwürmer oder auch Insekten vor. Im Jahresdurchschnitt hilft Armin Hafner rund 20 gestrandeten Greifvögeln wieder auf die Flügel und somit auch in ihre Freiheit.