Anlass der Diskussion war eine Voranfrage eines Grundstückseigentümers zur Errichtung einer Fotovoltaikanlage auf einer 1,4 Hektar großen Freifläche direkt an der Bahnlinie unterhalb der Beckenhöfe vor. Da sich dieses Vorhaben außerhalb der 2009 vom Gemeinderat beschlossenen und freigegebenen drei großen Flächen befindet, entwickelte sich eine Diskussion unter den Gemeinderäten. Soll man an dem mittlerweile fast zehn Jahre alten Beschluss festhalten oder muss man die Thematik neu bewerten?

Bürgermeister warnt vor Neuregelung

"Wir müssen doch nach fast zehn Jahren einen solchen Beschluss neu überdenken und den geänderten Bedingungen anpassen", forderte Jörg Gebs von den Freien Wählern. "Der Gemeinderat hat im Jahr 2009 die Beauftragung eines Ingenieurbüros beschlossen, welches Vorrangflächen für Solaranlagen auf dem Gemeindegebiet finden und darstellen sollte", erinnerte Bürgermeister Wolfgang Sigrist die Versammlung und plädierte für die Beibehaltung der damals beschlossenen Regelung, nur auf den drei ausgewiesenen Freiflächen den Bau von Solaranlagen zuzulassen.

Dieser Meinung schloss sich auch Ottmar Schober (CDU) an: "Wir können jetzt nicht das eine genehmigen und das andere nicht, denn das macht uns angreifbar; die einst beschlossene Regelung mit drei ausgewiesenen Freiflächen, von denen übrigens bisher keine einzige bebaut worden ist, muss beibehalten werden".

Kritik an Meßkircher Solaranlage in Grenznähe

"Eine Solaranlage, wie sie die Stadt Meßkirch gegen den erklärten Willen Sauldorfs direkt an der Gemeindegrenze bei Schnerkingen erbaut hat, wollen wir hier nicht", war schließlich die einhellige Meinung einer sich nach und nach bildenden Mehrheit der Räte.

"Wir haben nur zwei Möglichkeiten", resümierte Sigrist: "Wir halten an unserem Beschluss von 2009 fest oder der Gemeinderat beschließt heute, dass überall auf Flächen, die das Erneuerbare Energien-Gesetz zulässt und fördert, Solaranlagen gebaut werden dürfen." Dies wären sogenannte Konversionsflächen wie zum Beispiel Altlastenbereiche, Seitenrandstreifen entlang von Autobahnen und Schienenwegen im Abstand von bis zu 110 Meter und Flächenanlagen von mehr als 750 Kilowatt bis 10 Megawatt sowohl auf Acker- und Grünlandflächen in so genannten benachteiligten Gebieten. Dann sei allerdings bei jedem Antrag der langwierige und aufwändige Zulassungsmarathon bei Behörden, Naturschutzverbänden und Nachbarn zu durchlaufen, so seine Warnung.

Der Verwaltungsvorschlag, an den 2009 beschlossenen Regelungen festzuhalten und keine weiteren Freiflächen auszuweisen, wurde vom Gemeinderat mit neun Ja-Stimmen und vier Gegenstimmen angenommen.

 

Diese Kriterien von 2009 gelten weiterhin

Die im Jahr 2009 erarbeiteten und vom Gemeinderat beschlossenen Kriterien zur Ausweisung von Freiflächen für Fotovoltaikanlagen auf dem Gemeindegebiet Sauldorf sollen auch heute noch als Maßstab gelten:

  • Flächen weiter als 1000 Meter von einer 20-Kilovolt-Leitung entfernt.
  • Flächen näher als 100 Meter an landwirtschaftlichen Höfen im Außenbereich.
  • Flächen näher als 100 Meter an geteerten landwirtschaftlichen Verbindungswegen, Flächen näher als 300 Meter an Straßen.

"Wir müssen doch nach fast zehn Jahren einen solchen Beschluss neu überdenken und den geänderten Bedingungen anpassen."
Jörg Gebs, Freie Wähler, fand für sein Anliegen keine Mehrheit im Rat