Am Pfingstsonntag blickte der Boller Bürgersohn Pater Andreas Müller in der Kirche St. Silvester seines Heimatortes auf seine 60-jährige seelsorgerische Arbeit zurück. Zum Festgottesdienst begrüßte Stadtpfarrer Stefan Schmid von der Seelsorgeeinheit Meßkirch-Sauldorf ganz besonders den Franziskanerpater und mit ihm auch Pfarrer Heinrich Heidegger aus Meßkirch.

„Wenn man von den 60 Priesterjahren von Pater Andreas die „Null“ streicht, dann entspricht das meiner eigenen Amtszeit“, scherzte der Stadtpfarrer. Aber zusammen mit Pfarrer Heidegger, der vor Kurzem sein 65-jähriges Priesterjubiläum feierte, stünden mit ihm nun 131 Priesterjahre vor dem Altar, um gemeinsam den Festgottesdienst in der wunderschön geschmückten Dorfkirche zu feiern.

Mit Pfarrer Heinrich Heidegger, Stadtpfarrer Stefan Schmid und Pater Andreas (von links) standen 131 Priesterjahre vor dem Altar, wie Schmid betonte.
Mit Pfarrer Heinrich Heidegger, Stadtpfarrer Stefan Schmid und Pater Andreas (von links) standen 131 Priesterjahre vor dem Altar, wie Schmid betonte. | Bild: Bernd Schwarz

Musikalisch umrahmt wurde der Gottesdienst vom Kirchenchor unter der Leitung von Sabine Hensler.

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Pater Andreas, den älteren Mitbürgern als Hans Müller wohl bekannt, ist im Weiler Ilgental geboren. Dort besuchte er zunächst die Volksschule und danach das Gymnasium, trat dem Franziskanerorden bei und studierte Philosophie und Theologie in Sigmaringen und Fulda. Am 5. April 1959 wurde er zum Priester geweiht.

Gründer der Missionszentrale

In der Dorfkirche gab der Pater in seiner Ansprache einen aufschlussreichen Bericht seiner seelsorgerischen Tätigkeit, die er als Wallfahrtsseelsorger, Volksmissionar und Missionsprokurator begann. Es galt für ihn, die alten Strukturen von neun Provinzen der Franziskaner im deutschsprachigen Missionsbereich aufzubrechen. Er schaffte es, die Missionszentrale der Franziskaner zum 1. September 1969 in Bonn-Bad Godesberg zu gründen. Als deren erster Geschäftsführer war er weltweit tätig und insbesondere auch für die Missionsarbeit in Lateinamerika verantwortlich. Allein dort war er für 800 Missionare zuständig. Seine Aufgabe war es, ein neues Missionsverständnis aufgrund der sogenannten Befreiungstheologie zu vermitteln.

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Von Franz von Assisi bis Papst Franziskus

Die Grundlage dieser Theologie sieht Pater Andreas im Leben und Wirken des Ordensgründers der Franziskaner, Franz von Assisi, mit seiner befreienden Botschaft für die Armen und der Hinwendung zur Welt. Mit seiner Botschaft, weltweit menschenwürdige Verhältnisse zu schaffen, geriet Pater Andreas in seinem über 33-jährigen Dienst für die Missionszentrale in vielerlei Konflikte mit der Politik und durchaus auch mit der eigenen Kirche. Er ist überzeugt, dass es durch den Konzilaufruf des damaligen Papstes Johannes XXIII. in der Kirche zum Durchbruch dieser Befreiungstheorie gekommen ist. Das gipfelte dann schließlich in der Berufung und Wahl des heutigen Papstes Franziskus.

Pater bedankt sich bei seiner Heimatgemeinde

In jüngster Zeit durfte Pater Andreas mit seiner Delegation bei einer Privataudienz anlässlich des 50-jährigen Bestehens der Missionszentrale den persönlichen Dank des Papstes entgegennehmen. Zum Schluss seiner Ansprache bedankte sich Pater Andreas bei allen, die ihn in seinem jahrzehntelangen Wirken in der Kirche begleitet haben und besonderer Dank galt seiner Heimatgemeinde, seinen Verwandten, den Pfarrern Schmid und Heidegger sowie allen Gottesdienstbesuchern. „In Gottes Hand liegt es, wie lange ich noch dabei bin“, machte der beliebte Pater deutlich.

Bürgermeister übermittelt Glückwünsche

Zu einer kurzen weltlichen Feier trafen sich die Gläubigen vor der Dorfkirche. Der Fanfarenzug sorgte für die musikalische Umrahmung und Stadtpfarrer Schmid dankte Pater Andreas insbesondere für seine lebendige Ansprache.

Vor der Dorfkirche überbrachte der Fanfarenzug (im Hintergrund) dem Welt- und Heimatbürger Pater Andreas die musikalischen Grüße.
Vor der Dorfkirche überbrachte der Fanfarenzug (im Hintergrund) dem Welt- und Heimatbürger Pater Andreas die musikalischen Grüße. | Bild: Bernd Schwarz

Auch er habe nun begriffen, was die Kirche mit „Befreiungstheologie“ meine und wünsche. Bürgermeister Wolfgang Sigrist übermittelte die Glückwünsche der Gemeinde und überreichte ein Geldgeschenk für die missionarische Arbeit von Pater Andreas, der schon 1995 mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet wurde.