50 Millionen männliche Eintagsküken werden laut Tierrechtsorganisation Peta jährlich in Deutschland in Brütereien vergast oder lebendig geschreddert. Anja Gabele und Gabi Mors (beide 45 Jahre alt) aus Sauldorf, Inhaberinnen der Firma Kornschnalle, steigen ab Mitte September in den Verkauf von Bio-Eiern ein und haben sich für die Beschaffung der 210 Legehennen und zwei Hähne einen anderen Weg gesucht.

Ihre Hühner sind gebürtige Österreicher und stammen von der Firma "Die Eiermacher". Die Gesellschafter der Eiermacher GmbH hatten 2014 entschieden, neben der konventionellen Schiene ihre Bio-Mitgliedsbetriebe künftig ausschließlich mit eigenen Bio-Küken zu versorgen und alle männlichen Eintagsküken der Bio-Legehennenhaltung aufzuziehen. Aus diesen Gründen stellten sie die gesamte Bio-Produktion auf eine neue Rasse um: das Bio-Zweinutzungshuhn Sandy.

Ein Zweinutzungshuhn ist eine Haushuhnrasse, die ebenso zum Eierlegen wie auch zum Schlachten genutzt werden kann. Acht bis zehn Wochen dauert die Aufzucht der männlichen Schlachthähne. Das Fleisch können die Partnerbetriebe zurückkaufen. 210 weißgescheckte Sandy's sind im August in das dunkelgrüne Hühnermobil nach Sauldorf gezogen, das die Kornschnalle-Gründerinnen auf der Wiese der Nebenerwebslandwirtschaft von Anja Gabele aufgestellt haben. Der Hof von Anja Gabele ist Bioland-zertifiziert.

"Wichtig war uns bei der Entscheidung für diese Hühnerrasse, dass die männlichen Küken nicht vergast oder geschreddert werden", unterstreichen Mors und Gabele. Dafür haben sie bereitwillig das 1,5-fache des herkömmlichen Preises bezahlt. Mit diesem Mehrpreis werde das Ausbrüten und die Aufzucht der männlichen Küken der Firma Eiermacher mitfinanziert, erklären sie.

Schnell haben sich die Hühner in dem 7,5 mal 2,5 Meter großen Hühnermobil eingelebt. Die weißgescheckten Hühner wirken ausgeglichen, ruhig und zufrieden, picken und scharren munter. Das Hühnermobil ist mit einem Wintergartenanbau/Scharrraum ausgestattet, der den Hühnern bei Schlechtwetter Schutz bietet. Sinn des Hühnermobils ist der Standortwechsel ohne großen Aufwand. "Sobald das Gras abgefressen ist, wird das Hühnermobil weitergezogen. Somit sind die Hühner stets mit frischem Grün versorgt", erklären die Firmeninhaberinnen. Das nächste Bioland-Hühnermobil sei Richtung Bodensee zu finden, berichten die beiden Frauen.

Das Hühnermobil ist mit Fenstern zur Belüftung, Strom zur Beleuchtung, Legenestern, Futter und großen Tanks zur Trinkwasserversorgung ausgestattet. Der Boden ist mit Hobelspänen ausgelegt, die regelmäßig gewechselt werden. Die Hühner können tagsüber jederzeit selbst entscheiden, ob sie im Hühnermobil bleiben oder den freien Auslauf auf der Wiese wählen. Das Gehege ist mit einem mobilen Weidezaun abgesteckt. Zwei hölzerne Schutzhütten bieten Unterschlupf und Schutz vor Greifvögeln und ein Sandbad, das den Hühnern, wie die Dusche den Menschen, zur Körperpflege dient. Ab Mitte September rechnen die beiden frischgebackenen Hühnerhalterinnen damit, täglich 150 frische Bio-Eier zum Verkauf anbieten zu können. Diese sind im Hofladen und in einem Kühlschrank im Höfeweg 14 in Sauldorf oder in Bichtlingen, in der Kirschstraße 4 erhältlich.

 



Die Firma

Die Kornschnalle wurde 2012 von Anja Gabele und Gabi Mors als Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) gegründet. Biologische Ernährung und Bio-Anbau waren ihnen schon immer wichtig. Nach der Elternzeit wollten die kräuterinteressierten Frauen etwas Neues wagen. Anja Gabele belegte ein Wildkräuterseminar, Gabi Mors ist Kräuterpädagogin. Kornschnalle ist ein alter deutscher Name für "Klatschmohn". Die Firma widmet sich dem Kräuteranbau nach biologischen Richtlinien, Ernte von Hand im Rhythmus der Natur, der Vermarktung von Kräutersalz, Sonnenblumenöl, Gemüsewürze ohne Zusatzstoffe und fortan Eiern. Die Inhaberinnen der Kornschnalle haben sich mit 30 Kräuterfrauen vom Schwarzwald bis Rhein zum Verein Kräuterfrauen zusammengeschlossen. Gemeinschaftlich werden unter der Marke "Die Kräutermanufaktur" biologisch Teekräuter angebaut und vermarktet. (sah)

Im Durchschnitt 737 Hühner pro Betrieb

Gerhard Gommeringer, Leiter des Fachbereichs Landwirtschaft im Landratsamt Sigmaringen, beantwortet Fragen zum Thema Hühnerrassen, zur Zahl der Betriebe mit Hühnerhaltung und zur Statstik.
 

Welche Hühnerrassen werden im Landkreis Sigmaringen gehalten?

In landwirtschaftlichen Betrieben werden überwiegend Legehybriden gehalten. Genaue Daten liegen uns allerdings nicht vor, da für die Rasse keine Meldepflicht besteht und die Daten auch sonst nicht erhoben werden.

 

Wie viele Legehennen sind insgesamt registriert?

Im Landkreis Sigmaringen sind etwa 1000 landwirtschaftliche Betriebe und Einzelpersonen mit einer Hühnerhaltung registriert. Selbst erhebt der Landkreis keine Daten über die konkrete Zahl der Hühner und Legehennen. Das Statistische Landesamt erhebt für alle landwirtschaftlichen Betriebe über fünf Hektar genutzter Fläche Daten. Im Landkreis Sigmaringen gab es zur letzten Erhebung 2010 genau 316 solcher Betriebe, die 232 902 Tiere gehalten haben. Das ergibt einen Durchschnitt von 737 Hühnern je landwirtschaftlichen Betrieb.

 

Wie viele der Betriebe im Landkreis Sigmaringen sind sogenannte Großbetriebe?

Im Landkreis Sigmaringen halten fünf Betriebe mehr als 10 000 Legehennen.

 

Fragen: Sandra Häusler