Zirkuserlebnis pur versprechen sechs Vorstellungen, die der Zirkus „Alessio“ vom 12. bis 15. August auf dem Gelände hinter dem „Burger-King“ gibt. 45 Tiere, darunter Dromedare, Pferde, Kängerus, sibirische Kamele, Pferde, Wasserbüffel und Antilopen in einer einmaligen Dressurkombination sind zu sehen. Mit dabei ist auch ein Büffel aus Pfullendorf, wie Andre Kaiser stolz erzählt. Mit seiner Lebensgefährtin Tina Quaiser gründete er vor vier Jahren das Unternehmen und das Paar gab ihm den Namen ihres heute vierjährigen Sohnes Alessio. Andre‘ Kaiser ist wie seine Partnerin ein Zirkuskind.

Sechs Vorstellungen an vier Tagen

Die erste Vorstellung auf dem Gelände hinter dem „Burger King“ findet am Donnerstag, 12. August, um 15.30 Uhr statt und alle Erwachsene zahlen Kinderpreise. Am Freitag und Samstag gibt es jeweils um 16.30 und 19 Uhr eine Vorstellung und am Sonntag, 15. August, um 14 Uhr. Der Eintritt kostet auf den günstigsten Plätzen für Kinder zehn und für Erwachsene 15 Euro. An den Abendvorstellungen um 19 Uhr kosten alle Plätze zehn Euro und die Logen 15 Euro. Tickethotline: 01 74/818 78 21

Lange Zirkustradition bei Familie Kaiser

„Ich bin schon die neunte Generation“, sagt der 34-Jährige sichtlich stolz, wobei es das einstige Familienunternehmen, den Zirkus „Kaiser“ nicht mehr gibt. Bei der Vorstellung, die 16 Nummern umfasst, sind neben Tierdressuren auch Artisten aus fünf Ländern in oder über der Manege zu sehen, darunter eine Schlangenfrau und eine Hula-Hub-Künstlerin, die 40 Reifen um ihren Körper kreisen lässt. Dazu eine Trapeznummer mit Artisten aus Belgien und besonders stolz ist man auf die Nummer am „Todesrad“.

Tiere sind gut genährt und haben ausreichend Freiraum

Pinzgauer Tigerschecken aus Österreich sind zu sehen.
Pinzgauer Tigerschecken aus Österreich sind zu sehen. | Bild: Volk, Siegfried

Mit viel Muskelkraft wurde das Manegezelt aufgebaut, wobei das bunte Treiben in der kleinen „Zirkusstadt“ von der Landesstraße aus seit einigen Tagen zu beobachten ist. Bewusst hat Andre Kaiser die Tiergehege nahe der Straße aufgestellt, damit die Menschen sehen, dass es Pferden, Dromedaren, Hunden oder dem Watussi-Rind gut geht, sie gut genährt sind und ausreichend Freiraum haben.

Wildtierhaltungsverbot von Bundesrat abgelehnt

Bekanntlich ist seit Jahren eine Debatte im Gange, das Halten und Präsentieren von Wildtieren in Zirkussen zu verbieten. Ein Gesetz sollte vom Bundestag verabschiedet werden, aber nach Angaben des „Alessio“-Chefs hat der Bundesrat die Vorlage abgelehnt. Ohnehin hätte das Gesetz nur große Tiere wie Elefanten oder Nashörner betroffen, weiter erlaubt wären beispielsweise Raubtiernummern wie sie große Unternehmen wie „Krone“ oder „Charles Knie“ noch präsentieren. Nach Angaben von Andre Kaiser gibt es fast keinen Zirkus mehr, der noch Tiere hält, auch weil es immer schwieriger wird, ein geeignetes Gelände zu finden, wo man die großen Gehege aufbauen kann. „Deshalb sind wir stolz, dass wir so viele exotische Tiere in der Manege zeigen können“, hofft der Zirkuschef, dass viele Pfullendorfer eine Veranstaltung besuchen.

Zirkuschef über die Corona-Zeit: Alle Rücklagen aufgebraucht!

Die Corona-Pandemie und der Lockdown haben auch dem Zirkus „Alessio“ mit seinen 20 Mitarbeitern heftig zugesetzt. Bei den staatlichen Unterstützungsprogrammen blieben Zirkus und Co. viele Monate unberücksichtigt und erhielten kein Geld. Erst kurz vor dem Ende des Lockdowns erhielt Andre Kaiser Hilfsgelder, was für sein Unternehmen quasi Rettung in letzter Minute war. Bis dahin hatte er von Rücklagen gelebt und hatte als Lastwagenfahrer gearbeitet, um finanziell über die Runden zu kommen.

Alle Tiere kommen in der Manege zum Einsatz, darunter auch Kamele.
Alle Tiere kommen in der Manege zum Einsatz, darunter auch Kamele. | Bild: Volk, Siegfried

Der Lockdown erwischte den Zirkusbetrieb im vergangenen November beim Gastspiel in Tuttlingen, wo man auf dem Festplatz die Zelte aufgeschlagen, die 20 Wohnwägen und Trailer abgestellt und die sieben Zugmaschinen geparkt hatte. Schnell wurde klar, dass die Ortsmitte von Tuttlingen nicht als Winterquartier in Frage kam. Glücklicherweise erhielt man ein Gelände im Gewerbepark Neuhausen ob Eck, wo Andre Kaiser und sein Tross die nächsten acht Monate verbrachten. „Wir haben alle Rücklagen aufgebraucht“, schildert er die dramatische Situation, die sich in den vergangenen Wochen aber verbessert hat. „Die Menschen haben wieder Lust auf Zirkus“, berichtet er von der letzten Station im schwäbischen Hayingen. Dort war man im Rahmen eines Schulprojekts für eine Woche fest engagiert und bei mehreren Vorstellungen füllten mehr als 2500 Besucher das Zelt.

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Schwierige Platzsuche in den Kommunen

Corona hat das Leben der Zirkusleute nicht einfacher gemacht, besonders nicht für kleinere Unternehmen, die kein festes Winterquartier haben, sondern ganzjährig unterwegs sind. Denn es wird nach Angaben von Andre Kaiser immer schwieriger, bei Kommunen einen Platz für die Manege zu bekommen. Zu groß ist die Angst, dass bei einem positiven Coronafall der Zirkus in einer Gemeinde quasi seine Quarantäne verbringen muss. Aber der dynamische Mann, der in neunter Generation die Zirkustradition der Familie Kaiser aufrecht hält, ist optimistisch, was die Zukunft von „Alessio“ angeht: „Wenn ein Unternehmen gut geführt wird, dann hat es auch Erfolg!“