Im ehemaligen Kindergarten am Stadtgarten eröffnete die Stadt im April ein Begegnungszentrum für Flüchtlinge aus der Ukraine. Der ehemalige Hort ist für die Frauen und Kinder zu einem ganz wichtigen Ort geworden, wo sie sich austauschen können und diverse Unterstützung erhalten. „Wir haben sehr viel Hilfsbereitschaft erfahren“, berichtete Emil Gabele, der das Team ehrenamtliche Helferteam leitet, bei einer weiteren Unterstützungsaktion.

1500 Euro von Musikkapelle Aach-Linz

Die Musikkapelle Aach-Linz hatte beim Jahreskonzert auf Eintritt verzichtet und die Besucher um eine Spende für die Flüchtlinge gebeten. Die Zuhörer spendeten eifrig und die Kapelle stockte den Betrag auf 1500 Euro auf, die hälftig an das Begegnungszentrum und die „Tafel“ gespendet wurden. Vom Vorstandsquartett waren Tobias Peter, Rainer und Steffen Schraudolf ins Begegnungszentrum gekommen, um den ukrainischen Frauen ihren Verein und die Aktion vorzustellen. Mit dem Geld hatte man Mikrowellen gekauft, um den Alltag der geflüchteten Frauen zu erleichtern.

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Kinder vom Montessori-Kindergarten wollen auch helfen

Eine weitere Mikrowelle übergab Steffi Schraudolf, die im Elternbeirat des Montessori-Kindergartens Aach-Linz ist, namens der Kindergartenkinder und deren Eltern. Der Krieg in der Ukraine beschäftigte auch die Mädchen und Jungen, die dann bei der Kiga-Leitung vorstellig wurden: „Wir wollen helfen.“ Es wurden Waffeln gebacken, verkauft und der Erlös reichte für eine Mikrowelle. Im Begegnungszentrum sind nach seinen Angaben etwa zehn ehrenamtliche Helfer aktiv, dazu gibt es durch Dr. Hempfer eine medizinische Unterstützung. Angeboten werden neben Kinderbetreuung auch niederschwellige Sprachkurse sowie Unterstützung bei Behördengängen oder dem Ausfüllen von Formularen. Das seien oft acht bis zehn Seiten, die sogar sprachmächtige Inlandsdeutsche überfordern würden, berichtete Gabele.

„Tafel“ hat zunehmend Probleme bei der Lebensmittelbeschaffung

DRK-Vorsitzender Andreas Kees durfte sich gleichfalls über eine Spende von 750 Euro freuen, wobei das Geld dem Förderverein zufließt, denn nur dieser darf Lebensmittel kaufen, die dann später in der Tafel preisgünstig an Bedürftige verkauft werden, die einen Berechtigungsschein der Stadt vorweisen können. Im SÜDKURIER-Gespräch wies Kees auf die schwierige Situation der Tafel hin, deren Kundenzahl sich auf 100 verdoppelt hat, denn nahezu alle ukrainischen Flüchtlingen nutzen das Angebot.

Angesichts der explodierenden Lebensmittelpreise werde es immer schwieriger, ein ausreichendes Angebot vorzuhalten, berichtet Kees. Zudem würden Discounter Öl oder Teigwaren teilweise rationieren, das heißt, jeder Kunde kann nur eine bestimmte Zahl von Nudelpackungen kaufen. Die Tafel löst das Problem pragmatisch. So begeben sich mehrere Helferinnen auf Einkaufstour und jede sichert sich die zulässige Höchstmenge.

Ukrainerin berichtet über Situation im Kriegsgebiet

Die 36-jährige Swetlana ist seit Anfang April in Pfullendorf und musste mit ihrer Mutter und dem 16-jährigen Sohn ihre Heimatstadt Mariupol verlassen, die von den Russen komplett zerstört wurde. Ihr Partner und Vater mussten in der Ukraine bleiben, denn Männern zwischen 18 und 63 Jahren ist die Ausreise verboten. Wie die anderen Frauen und Mütter hält sie Kontakt in das Kriegsgebiet und antwortet auf die Frage, was die Angehörigen aus der Ukraine berichten mit einem Wort: „Schrecklich.“ Dass die Familien auseinandergerissen sind, macht den Frauen besonders zu schaffen sowie die Ungewissheit um ihre Männer, Brüder und Väter, die oftmals an der Front kämpfen.

Für Flüchtlinge werden dringend Wohnungen gesucht

Eine große Bitte hat auch Emil Gabele: „Wir brauchen dringend Wohnungen. Vor allem für Frauen mit Kindern!“ Die Flüchtlinge werden vom Jobcenter betreut, erhalten Grundsicherung und demnach übernimmt die Behörde auch die Mietkosten für adäquate Wohnungen. Denn es gibt Obergrenzen, was die Größe einer Wohnung beispielsweise für eine Alleinerziehende mit zwei Kindern angeht.