Die große Schulabschluss-Feier mit Reden, Auftritten, Musik und vor allem auch im Beisein der Eltern und Geschwister blieb den Pfullendorfer Haupt- und Werkrealschülern in diesem Jahr wegen der Corona-Krise versagt. Die Gefühle von Freude und Stolz konnte den Absolventen jedoch keiner nehmen, wie bei der feierlichen Zeugnisübergabe am Mittwoch in der Sechslindenschule deutlich wurde.

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Unter den Klängen von „Ein Hoch auf uns“ zogen sie mit viel Abstand untereinander in die Turnhalle ein. Die strahlenden Gesichter waren auch unter Mundschutzmasken zu erkennen, als die Schüler ihre Abschlussnoten von den Klassenlehrern überreicht bekamen. Viele durften sich über Belobigungen und Preise freuen.

Freude und Stolz am Mittwoch auch bei der Klasse 9 a, in der 18 Schüler mit Klassenlehrer Patrick Fähnrich (hinten rechts) gemeinsam den Weg zum Hauptschulabschluss geschafft haben.
Freude und Stolz am Mittwoch auch bei der Klasse 9 a, in der 18 Schüler mit Klassenlehrer Patrick Fähnrich (hinten rechts) gemeinsam den Weg zum Hauptschulabschluss geschafft haben. | Bild: Stefanie Lorenz

„Eines ist klar: Ihr seid kein Geister-Corona-Jahrgang, an den sich nach kurzer Zeit keiner mehr erinnert“, sagte Rektorin Ursula Matt-Pfeifer. Das Gegenteil sei der Fall: Alle würden sich sicherlich an diesen Jahrgang erinnern, dessen Abschlussjahr geprägt war von einem Wort: Corona.

Viele Sorgen durch Corona-Krise

„Dieses Wort hat uns an der Schule seit Monaten verfolgt, es hat viel Verwirrung, Sorgen und Ärger mit sich gebracht und dafür gesorgt, dass alle gewohnten Abläufe an der Schule plötzlich anders geplant und durchgeführt werden mussten“, ließ die Rektorin ein schwieriges Jahr Revue passieren.

Hauptschulabschluss in der Tasche: Die Klasse 9 b mit Lehrerin Cora Lebherz (rechts).
Hauptschulabschluss in der Tasche: Die Klasse 9 b mit Lehrerin Cora Lebherz (rechts). | Bild: Stefanie Lorenz

Mit dem Abschlusszeugnis hielten die Schüler nun das Papier in der Hand, auf das sie neun oder zehn lange Schuljahre gewartet hätten. „Es ist euer Verdienst, was auf diesem Papier steht“, sagte Matt-Pfeifer. Oft hätten die Schüler sich selbst und die Lehrer gefragt, wozu sie im Leben binomische Formeln oder ein Gerundium brauchen werden. „Sicher habt ihr vieles gelernt, was ihr in eurem Leben nicht mehr braucht“, bekannte die Rektorin.

Soziale Kompetenzen sind gefragt

Trotzdem sei es sinnvoll gewesen, alle diese Dinge zu lernen, denn nur so hätten die Schüler erkennen können, wo genau ihre Begabungen und Interessen liegen. Im Ausbildungs- und Berufsleben seien Kompetenzen, wie Zuverlässigkeit, Durchhaltevermögen, Belastbarkeit, Teamfähigkeit, Toleranz und Höflichkeit gefragt. „Dass ihr an der Schule auch diese Kompetenzen entwickelt, darauf haben wir Wert gelegt, sie stehen aber nicht im Zeugnis“, betonte die Schulleiterin.

Die Klasse 10 H mit Lehrerin Nadine Royer (ganz links) hat ihr Abschlussjahr unter Corona-Bedingungen gemeistert.
Die Klasse 10 H mit Lehrerin Nadine Royer (ganz links) hat ihr Abschlussjahr unter Corona-Bedingungen gemeistert. | Bild: Stefanie Lorenz

Zwei neunte und zwei zehnte Klassen feierten ihren Schulabschluss. Jede Klasse durfte einzeln nach vorne kommen – alle natürlich mit Mund-Nasen-Bedeckungen geschützt – um vom jeweiligen Klassenlehrer die Zeugnisse in Empfang zu nehmen. „Seid gespannt auf das, was vor euch liegt, sucht und gebraucht eure Begabungen und entwickelt sie weiter“, gab Ursula Matt-Pfeifer den Abschlussschülern mit auf dem Weg.

Zeugnisübergabe unter Corona-Auflagen: Klassenlehrer Horst Kirschner und Rektorin Ursula Matt-Pfeifer (hinten) händigten den Schülern, hier Klasse 10M der Werkrealschule, mit Mundschutz und Abstand die Abschlussnoten aus. Bild: Stefanie Lorenz
Zeugnisübergabe unter Corona-Auflagen: Klassenlehrer Horst Kirschner und Rektorin Ursula Matt-Pfeifer (hinten) händigten den Schülern, hier Klasse 10M der Werkrealschule, mit Mundschutz und Abstand die Abschlussnoten aus. Bild: Stefanie Lorenz | Bild: Lorenz, Stefanie

Für herausragende Leistungen wurden auch in diesem Jahr der Mathepreis der Sparkasse, der Englisch-Preis sowie der Sozialpreis der Volksbank vergeben. Darüber hinaus gab es aber eine ganz neue Ehrung: Schulsozialarbeiter Lars Brack überreichte eine „Auszeichnung für soziale Digitalisierung„ an Marvin Heun. Wegen der Corona-Krise war das beliebte Schülercafé mit seinem schönen Frühstücksangebot geschlossen worden.

Marvin Heun schafft virtuelles Schülercafé

Marvin Heun hatte daraufhin ein virtuelles Schülercafé im Internet entwickelt, in dem sich die Schüler online treffen konnte. „Das ist eine tolle Idee“, lobte Lars Brack. Sichtlich gerührt nahm der Schulsozialarbeiter in einer kurzen Rede Abschied von den Schülern. „Ihr wart etwas ganz besonders für mich. Das ist hoch emotional“, sagte er.

Lesezeichen als Abschlussgeschenk

Alle Schüler erhielten abschließend ein Lesezeichen als Geschenk. Darauf ist nicht nur das Logo der Sechslindenschule zu sehen, sondern auch eine Pusteblume abgebildet – ein verblühter Löwenzahn, der seinen Samen in alle Wind verweht. „Ihr geht jetzt in alle Winde, an weiterführende Schulen oder in eine Ausbildung. Wir haben zusammen mit euren Eltern den Samen gelegt. Wir hoffen, dass dieser eine gute Qualität hat, dass er aufgeht und sich zu einer neuen, eigenständigen Pflanze entwickelt“, verabschiedete sich Ursula Matt-Pfeifer von den Schülern.

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